Porsche tritt gegen Tesla an

Lange schwankte die deutsche Sportwagenfirma zwischen Resignation und Aufbruch. Inzwischen verkauft der US-Konkurrent so viele Luxus-Elektroautos, dass VW-Konzernchef Winterkorn zum Gegenangriff drängt.

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Der Erfolg der supersportlichen Elektro-Luxuslimousine Tesla S jagt Porsche eine Heidenangst ein. Anders ist es jedenfalls kaum erklärbar, dass aus­gerechnet Porsche, der Inbegriff für röhrende Sportwagen mit brachialer Beschleunigung, 2019 den ersten rein elektrisch angetriebenen Sportwagen auf den Markt werfen will. Der E-Porsche soll mit einer Ladung 500 Kilometer weit fahren können, die leere Batterie in nur 15 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen werden. Angepeilt wird ein Tesla-Killer mit 600 PS, dessen Elektroantrieb beschleunigt wie ein Porsche Turbo. Ein eleganter Viertürer, von der Optik näher beim klassischen Sportmodell 911 angesiedelt als bei der geräumigen Familienlimousine Panamera.

Der Anstoss für den E-Porsche mit Codenamen «Mission E» kommt von ganz oben im VW-Konzern, zu dem Porsche seit einiger Zeit gehört. «Immer schneller, höher, weiter reicht nicht», sagte VW-Konzernchef Martin Winterkorn vor der Eröffnung der Automesse in Frankfurt vor 2000 Gästen. Technologische Führerschaft definiere sich nicht mehr über PS und Drehmoment.

Liebhaber des typischen Porsche-Sounds bezweifeln, dass der stille Elektrosportler Anklang findet. Wohl kaum bei dieser Zielgruppe – aber dafür bei gut betuchten Käufern, denen hohe Beschleunigungswerte, Bequemlichkeit und Software-Updates wichtiger sind als der Sound. Oder die einen Tesla just darum kaufen, weil sie damit schnell, aber unauffällig unterwegs sind.

Die Verkaufszahlen in der Schweiz sprechen gegen Porsche. Tesla hat sein bislang einziges Modell S von Januar bis August 992-mal verkauft, zu Stückpreisen um die 100'000 Franken; also mehr, als Porsche von den Modellen 911, Pana­mera und Boxster zusammen absetzte. Der Porsche Cayenne liegt mit 664 Stück ebenfalls deutlich zurück. Mercedes verkaufte die S-Klasse bis August 572-mal, markant weniger als der direkte Konkurrent Tesla. Der überaus beliebte Toyota Prius kam auf vergleichsweise niedrige 305 Stück. Einzig beim Modell Macan liegt Porsche mit 1320 Stück noch deutlich vor Tesla.

Raus aus dem Nischendasein

Den Porsche Boxster gibt es bereits in zweiter Generation mit Elektroantrieb – in Kleinserie. Er ist ein Nischenprodukt. So wie der 768'000 Euro teure Porsche 918 Spyder, ein Hybridbolide mit Leistungsdaten wie in der Formel 1. Aus diesem Nischendasein will Porsche nun raus. Die Ankündigung kommt für Branchenkenner dennoch überraschend. Zunächst hiess es im Januar, Porsche baue innert vier Jahren ein E-Modell. «Nein, ein reines E-Fahrzeug ist aktuell nicht der Weg von Porsche», wiegelte Porsche-Entwicklungschef Wolfgang Hatz jedoch Mitte Februar ab, als er vom Fachblatt «Auto Motor und Sport» gefragt wurde, ob es nicht Zeit sei für einen «Tesla-Gegner» von Porsche.

Im März lobte Porsche-Chef Matthias Müller Tesla an der Aktionärs-GV für sein «aussergewöhnliches Auto». Die Kali­fornier hätten «eine sehr pragmatische Herangehensweise» und mit dem Modell S «einen Standard gesetzt, dem wir jetzt folgen müssen». Nur um dann im Mai gegenüber US-Medien zu behaupten, er könne nichts zu Tesla sagen, er wisse nichts über die Firma. Sie mache so viele Verluste, dass er sie ignoriere.

Jetzt hat VW-Konzernchef Winterkorn allem Anschein nach genug vom Zickzackkurs bei Porsche und den Frontalangriff auf Tesla verordnet. Noch dieses Jahr soll entschieden werden, ob der E-Porsche in die Massenproduktion geht. Martin Winterkorn drängt mit gutem Grund zur Eile. Anfang nächstes Jahr will Tesla das Modell X lancieren, einen Geländewagen mit Elektroantrieb, der den Porsche-Modellen Cayenne und Macan Marktanteile im hochmargigen Segment der SUV für Gutbetuchte abjagen soll. Gelingt Tesla bei den Geländewagen ebenfalls der Durchbruch, werden die Amerikaner selbst für Porsche zur Gefahr.

Porsche ist daher, wie andere Hersteller von Luxuswagen auch, gut beraten, Teslas Angriffen eigene Angebote entgegenzusetzen, bevor Gründer Elon Musk sein erklärtes Ziel verwirklicht – und den viel breiteren Markt der Mittelklasse-­ E-Autos für unter 35'000 Dollar aufrollt.

Winterkorns offensiverer Kurs gegenüber Tesla mag beeinflusst sein vom Erfolg der Porsche-Rennwagen mit Hybrid­antrieb, die im Juni im 24-Stunden-Rennen von Le Mans die Konkurrenz deklassierten: Alle drei Hybrid-Porsches kamen ins Ziel und belegten die Plätze 1, 2 und 5. Toyota landete auf den Plätzen 6 und 8. Die konzerninterne Konkurrenz von Audi, die drei Jahre lang in Le Mans siegte, musste mit den Rängen 3, 4 und 7 vorliebnehmen. Mit den Hybridrennern hat Porsche punkto Batterietechnik und Energierückgewinnung in kurzer Zeit einen Sprung gemacht.

Ob die Zuversicht anhält, ist offen. Im März klagte Porsche-Chef Müller noch, der Hype um Elektroautos sei «verflogen», die Batterieentwicklung «aufwendiger als geplant». Es sei schwierig, Hersteller oder Zulieferer zu finden, die in die neue Technik investieren wollten. Wer weniger als 100'000 Elektroautos absetze, werde «sich schwertun und ist letztlich auf Dritte angewiesen». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.09.2015, 08:27 Uhr

Goldrausch in China vorbei

Autoverkäufe sind rückläufig

Jahrelang war China für die Autobranche das gelobte Land: sagenhafte Wachstumsraten von bis zu 70 Prozent, höhere Preise als in vielen anderen Teilen der Welt, traumhafte Renditen. Doch die goldenen Zeiten sind nach Ansicht von Experten vorbei. Denn der grösste Automarkt der Welt ist gereift – die Kunden sind kostenbewusster geworden. Tapfer sprechen die Automanager auf der Automesse IAA in Frankfurt von «Normalisierung» und bekräftigten ihre Zuversicht. Dass der Boom nicht ewig anhalten würde, hatten sie gewusst. Überrascht wurden sie aber, wie schnell sich der Wind in China gedreht hat.

«Bei VW, BMW oder GM ist die Stimmung sehr gedrückt», sagt Clemens Wasner von der österreichischen Unternehmensberatung EFS, die deutsche Autobauer in Asien berät. Die Hiobsbotschaften für die Autobauer häufen sich schon seit geraumer Zeit in der Volksrepublik: Die Kunden forderten zunehmend Rabatte, die Preise gerieten unter Druck, das lastete auf den Renditen. Dann verstärkte die chinesische Regierung den Kampf gegen Korruption und ging wegen angeblich überhöhter Preise für Ersatzteile oder Service gegen Autobauer vor. Zudem verlangten die Mitarbeiter höhere Löhne. Die Konjunkturschwäche und der Börsencrash im Sommer taten ein Übriges. Seit fünf Monaten sinken die Verkaufszahlen in China. (Reuters)

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