Prognose für KK-Prämie von über 500 Franken

Eine Verdoppelung der Krankenkassenprämien bis 2040, das erwarten die CS-Ökonomen. Die Gründe.

Hauptautor Andreas Christen erklärt, warum die Krankenkassenprämien weiter steigen dürften. (Video: SDA)

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Rund 70 Milliarden Franken werden in der Schweiz jährlich für die Gesundheit ausgegeben. Das sind 11 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Laut der Credit Suisse dürfte dieser Anteil 2040 sogar knapp 15 Prozent betragen.

Die Grossbank geht in ihrem am Montag publizierten «Monitor Schweiz» davon aus, dass die Gesundheitskosten jährlich um über 3 Prozent steigen werden. Die Krankenkassenprämien pro Kopf würden sich damit bis 2040 fast verdoppeln – von derzeit durchschnittlich 274 Franken auf 517 Franken. Bereinigt um die generelle Teuerung entspreche dies einem Anstieg um 44 Prozent.

Laut den Autoren der Studie sind die Gesundheitskosten in den vergangenen zehn Jahren um gut einen Drittel gestiegen. Entgegen der weitverbreiteten Annahme sei jedoch nicht die demografische Alterung hauptverantwortlich dafür gewesen. Hauptsächlich verursacht worden sei das Kostenwachstum durch den medizinischen Fortschritt, individuelle Mehrkosten und systembedingte Fehlanreize.

Wohlstands-Motor

Das Gesundheitswesen kostet aber nicht nur immer mehr, es leistet gemäss den CS-Ökonomen auch einen wichtigen Beitrag zur Beschäftigung und zum Wohlstand in der Schweiz. Bereits heute sei jede 10 Arbeitsstelle in diesem Sektor angesiedelt. Dieser Bedarf an Fachkräften werde in den nächsten Jahren noch zunehmen. Bis 2040 sei mit zusätzlichen 185'000 Vollzeitstellen zu rechnen – rund 50 Prozent mehr als heute.

Laut den CS-Ökonomen könnten theoretisch rund 23 Prozent der Tätigkeiten im Gesundheitssektor im Rahmen der voranschreitenden Digitalisierung automatisiert werden. Damit würde der Fachkräftebedarf bis 2040 lediglich um 67'000 steigen. Eine vollständige Ausschöpfung des Automatisierungspotenzials halten die Ökonomen jedoch als «nicht realistisch».

Spitalfinanzierungen nicht gesichert

Untersucht haben die Ökonomen im «Monitor Schweiz» auch den Investitionsbedarf der Spitäler und kommen dabei zum Schluss, dass die Finanzierung dieser Investitionen noch nicht gesichert ist. Laut Studienleiter Andreas Christen erreichen momentan nur etwa ein Viertel der Spitäler einen genügend hohen Gewinn zur nachhaltigen Finanzierung ihrer Infrastruktur.

Seiner Ansicht nach ist jedoch langfristig nicht mit einer grossen Zahl von Spitalschliessungen zu rechnen. Vielmehr sei davon auszugehen, dass einzelne Kantone – entgegen den Intensionen der neuen Spitalfinanzierung – weiter stützend in den Markt eingreifen werden.

Aus diesem Grund, aber auch wegen der steigenden Kosten, gelte es vermehrt neue Finanzierungsquellen zu erschliessen. Für öffentliche Spitäler sei beispielsweise die Finanzierung über die Finanzmärkte angesichts des Tiefzinsumfeldes derzeit attraktiv.

Ärztehäuser haben stark zugenommen

Einer der am schnellsten wachsenden Bereiche im Gesundheitswesen sind laut den CS-Ökonomen die Ärztehäuser. Deren Zahl nahm zwischen 2011 und 2014 um 19 Prozent auf 1300 zu. Am grössten war das Wachstum in den Zentren.

Ärztehäuser stellten sowohl für Patienten als auch für viele Ärzte eine attraktive Alternative zur klassischen Einzelpraxis dar, heisst es in der Studie. Patienten könnten von längeren Öffnungszeiten profitieren, Ärzte von flexibleren Arbeitszeiten und einer besseren Auslastung medizinischer Geräte.

Weil in den nächsten Jahren viele ältere Ärzte pensioniert werden, gehen die Studienautoren davon aus, dass die Zahl der Ärztehäuser in den nächsten Jahren weiter wachsen wird. Die Sharing Economy, das Teilen statt Kaufen, werde auch im Gesundheitswesen immer mehr an Bedeutung gewinnen. (jdr/sda)

Erstellt: 20.03.2017, 11:57 Uhr

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