Trotz Schneemangel läuft das Tourismusgeschäft – in der Höhe

Viele Skigebiete sind mit dem Geschäft über die Feiertage zufrieden – dank ausgefallenen Angeboten neben der Piste. Problematisch wird es für tiefer gelegene Orte.

Das Spektakel findet zunehmend neben der Piste statt: In Adelboden BE können Gäste Kamelritte buchen. (29. Dezember 2017)

Das Spektakel findet zunehmend neben der Piste statt: In Adelboden BE können Gäste Kamelritte buchen. (29. Dezember 2017) Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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In Teilen der Schweiz hat gestern Abend der Schneefall eingesetzt. Doch dies ändert am Schneemangel über die Festtage nichts. Der vergangene Dezember geht laut Messungen des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung als Rekordmonat in die Geschichte ein. Noch nie seit Messanfang lag vor und während der Weihnachtszeit so ­wenig Schnee in der Schweiz wie 2016.

Infografik: Schneefreie Tage im Dezember in Davos Grafik vergrössern

Überraschend kommt das für die Tourismusbranche nicht. Tatsächlich war es bereits das dritte Jahr in Folge, an dem die Mehrheit der Dezembertage am Messort Davos nicht weiss war. Viele Berggebiete und ihre Gäste haben sich daher inzwischen daran gewöhnt, dass über Weihnachten am Ferienort kein Schnee liegt. Dem entsprechend hielt sich die Katerstimmung in Grenzen. Das zeigt eine Umfrage von baz.ch/Newsnetbei 120 Bergbahnen und Skigebieten. Zwar rechnen 56 Prozent aufgrund des vielerorts schneelosen Dezembers mit Einbussen. Diese seien aber verkraftbar. 14 Prozent sehen keinen Einfluss auf das Wintergeschäft. Nur 30 Prozent befürchten einschneidende Umsatzrückgänge. Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr gelten in der Branche als wichtiger Gradmesser dafür, wie sich das Jahr allgemein entwickeln könnte.

Sonne ist wichtiger als Schnee

Mittlerweile ist nicht mehr der Schnee, sondern die Sonne entscheidend. Auch das zeigt die Umfrage. 67 Prozent der befragten Bergbahnen und Skigebiete glauben, dass sie ohne die vielen Sonnentage deutlich weniger Gäste begrüsst hätten.

Einzelne Gebiete konnten mit den vielen Sonnentagen gar mehr Besucher anlocken. Thomas Küng, Geschäftsführer der Brunni-Bahnen Engelberg AG, sagt, der Umsatz sei in den letzten fünf Jahren nur einmal besser gewesen. Arosa verzeichnete zwischen Weihnachten und Neujahr täglich bis zu 4000 Besucher mehr auf den künstlich beschneiten Pisten als noch 2015. Saas-Fee VS vermeldete am 30. Dezember einen 10-Jahr-Besucher­rekord.

Umfrage

Wie sollen Winterdestinationen auf den Schneemangel reagieren?





Feriendestinationen in den Alpen investieren zudem immer mehr in Alternativprogramme. Von den 120 angefragten Stellen meinte nur Thyon 4 Vallées VS: «Wir brauchen nicht unbedingt eine Alternative. 100 Prozent unserer Pisten sind geöffnet!» Die meisten anderen experimentieren mit teils ausgefallenen Angeboten. In Adelboden BE können Gäste Kamelritte buchen, in Laax GR steht ein Wakeboard-Lift zur Verfügung, und Arosa GR preist das Humorfestival als Besuchermagnet an.

Die am häufigsten genannte Alternative ist wenig überraschend: Wandern. In Braunwald GL, das auf 1260 Metern liegt, sagt der ­Geschäftsführer der Braunwald-Klausenpass Tourismus AG, André Huser: «Wir haben nie auf Winterbetrieb umgestellt, sondern führen einfach den Sommerbetrieb weiter.» So spare man Personal- und Betriebskosten. Das heisst aber auch: Kommt der Schnee nicht oder nur spärlich, werden drei der insgesamt sieben Bahnen gar nie in Betrieb genommen. «Kosten fallen dennoch an», sagt Huser. So sind Bahnbetreiber alle sechs Jahre dazu verpflichtet, die Rollbatterien zu prüfen und auszuwechseln. Allein für die nötigen Helikopterflüge kommt ein Betrag von 130'000 Franken zusammen.

Betriebswirtschaftlich rentieren die sieben Lifte in Braunwald längst nicht mehr. Der Verwaltungsrat der Aktiengesellschaft hat vorgerechnet, dass er seit 2006 jährlich 600'000 Franken eingeschossen habe. Nun prüft die Beratungsgesellschaft Grischconsulta bis zum Frühling, ob Bahnen geschlossen werden. «Wenn wir bis zum Frühling keine neuen Aktionäre finden, werden wir genau das tun müssen», sagt Geschäftsführer Huser.

So weit ist man in Amden SG nicht. Die Ortschaft liegt auf 1000 Metern. Amden konnte zwar die Kosten in die Bahninfrastruktur tief halten und etwa auf Kuppellifte verzichten, die das Ein- und Aussteigen bequemer machen. Doch auch diese Bahnen müssen unterhalten werden. Und derzeit läuft in der Ostschweizer Gemeinde nur ein Lift von insgesamt sechs. Was passiert, wenn der Schnee ganz ausbleibt? «Dazu machen wir uns keine Gedanken. Bis jetzt hat uns die Sonne gerettet, und noch ist der Schnee immer gekommen», sagt ­Thomas Exposito, Geschäftsführer von Amden & Weesen Tourismus. Was bleibt dem Mann anderes übrig?

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.01.2017, 07:16 Uhr

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