Wirtschaft

Alle hoffen – nur George Soros nicht

Börsenguru George Soros hat das amerikanische Bankensystem als «quasi bankrott» bezeichnet. Den Meldungen über einen kommenden Aufschwung traut er nicht.

Mahner für die amerikanische Wirtschaft: George Soros.

Mahner für die amerikanische Wirtschaft: George Soros.
Bild: Keystone

«Die Erholung wird sich langsam vollziehen», sagte Soros laut einem Bericht der Zeitung «Financial Times Deutschland» (FTD) am Montag auf einer Veranstaltung im Rahmen der IWF-Tagung in Istanbul: «Die Vereinigten Staaten haben noch einen langen Weg vor sich.» Einem Aufschwung steht nach seiner Einschätzung nicht nur das angeschlagene Finanzsystem entgegen, sondern auch die Tatsache, dass zahlreiche Verbraucher verschuldet sind.

Im Zuge der Finanzkrise haben Geldhäuser in den USA laut der FTD bislang 1100 Milliarden Dollar abgeschrieben. Zudem geht das Bankensterben seit Monaten ungebremst weiter. Erst am vergangenen Freitag schlossen die US-Behörde die Jennings State Bank in Minnesota und die Southern Colorado National Bank. Damit sind seit Jahresbeginn bereits 98 amerikanische Banken pleitegegangen – fast viermal so viele wie im gesamten vergangenen Jahr. 2008 traf es insgesamt 25 Institute; 2007 waren es lediglich drei gewesen.

Haushalte in den USA auf Sparkurs

Parallel dazu kletterte die Sparquote der amerikanischen Verbraucher laut dem FTD-Bericht auf den höchsten Stand seit 24 Jahren, weil sich die Haushalte angesichts fallender Häuserpreise, steigender Arbeitslosigkeit und hoher Vermögenseinbussen einschränken. Ein Impuls für einen Aufschwung dürfte von dort also kaum zu erwarten sein.

Europa sei weniger hart getroffen, sagte Soros weiter. Die Europäische Zentralbank werde vor der amerikanischen Notenbank Fed den Leitzins erhöhen, denn «für die USA wäre ein Ausstieg aus den Nothilfen zu früh».

Eine Reform des Finanzmarktes sei schwierig, so Soros. «Der Crash aus dem Jahr 2008 ist in den Köpfen vieler Menschen zu einem schlechten Traum geworden», sagte er, «sie vergessen ihn einfach und gehen zum Alltag über.»

(raa)

Erstellt: 06.10.2009, 09:49 Uhr

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11 Kommentare

Markus Steiner

12.10.2009, 18:52 Uhr
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Bei Soros weiss man nie so genau, mit welchen Interessen er seine Kommentare abgibt. Er gilt als der Finanzspekulant schlechthin. Seine Analyse dürfte dennoch wohl kaum weit von der Wirklichkeit weg sein. USA ist mittlerweile das höchstverschuldete Land der Welt. Es muss sich die Frage stellen, "wie kommen wir da wieder raus!". Durch kalte Entschuldung via Inflation oder neue Währung? Antworten


Kurt Meier

06.10.2009, 14:57 Uhr
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Wenn immer mehr Jobs in die dritte Welt ausgelagert werden haben die Menschen in der "ersten" Welt immer weniger Geld zur verfuegung und die Wirtschaft schrumpft als folge bis sie am ende ganz zusammenbricht, dann werden die Chinesen ihre arbeit zu uns outsourcen weil wir dann die jenigen sind die fuer einen hungerlohn arbeiten und das ganze spiel geht wieder von vorne los. Antworten


Barbara Stucki

06.10.2009, 13:07 Uhr
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Haha, lasst Euch Euer Erspartes weiter abknöpfen und total verbraten, Banker und andere Insider wissen genau, wie das auch in der Krise geht und kassieren so ungeniert weiter ihre Boni. Wir sind ihnen auf den Leim gegangen und nun ist es zu spät zur Umkehr. Wir sind quasi zu Geiseln des darwinistischen Zockersystems einiger Privilegierter geworden. Vielen Dank auch noch? Antworten


Kurt Aegeri

06.10.2009, 11:54 Uhr
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@ Ulrich Raumer: Kurz und treffend auf den Punkt gebracht. Danke. Antworten


Ulrich Raumer

06.10.2009, 11:34 Uhr
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Geld aus Luft und Gerüchten zu erzeugen oder zu vernichten wie es die Finanzmärkte und Börsen taten kann kein gangbarer weg für die Zukunft sein. Das Bankensystem muss stark zurückgestutzt und Lufschlossanlagen verboten werden. Erst dann fliesst das Geld wieder in die reale Wirtschaft und bringt Arbeit und (später) auch dem Otto Normalverbraucher wieder Wohlstand. Antworten


Bruno Bänninger

06.10.2009, 11:33 Uhr
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Endlich sagt wenigstens einer wie es wirklich ist. Realitäten erkennen und benennen heisst nicht Angst vor der Zukunft zu haben. Banker, CEO's und Politiker müssen sich nur endlich auf den Weg zum Besseren machen und die Zukunft gestalten. Sowohl Euphorie, Panik oder Lethargie sind dabei schlechte Wegweiser. Antworten


Kurt Dolder

06.10.2009, 10:58 Uhr
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@Müller: Jedes Land hat eine Währung, eine eigene oder eine fremde. Dies bleibt auch weiterhin so und gilt auch für den Vatikan. Antworten


Rudolf Bächtold

06.10.2009, 10:47 Uhr
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Soros hat natürlich vollkommen recht, und viele, die wieder fröhlich im Casino mitmischen, werden eine zweite harte Landung erleben. Alle sogenannten "positiven Signale" sind trügerisch: Es ist derart viel Substanz vernichtet worden und wird noch vernichtet werden, dass wir schon wieder mitten in einer neuen Börsen-Blase stecken. Nur die angeblichen "Experten" sehen sie wie 2007/2008 nicht. Antworten


Martin Müller

06.10.2009, 10:26 Uhr
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Bravo Herr Soros, es gibt noch Menschen die etwas von Wirtschaft verstehen. Die Menscheit steht vor der grössten Krise, die es jemals gegeben hat. Da hift auch kein Schönreden. Wirtschaft und Währung werden zusammenbrechen. Das steht schon in der Bibel! Antworten


Nadine Binsberger

06.10.2009, 10:05 Uhr
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Sparkurs der Haushalte bremst Wirtschaft. Wer eine florierende Wirtschaft will, muß Geld ausgeben. Auch der Staat ist ein Haushalt. Wer einen staatlichen Sparkurs vertritt, bekämpft die Erholung der Wirtschaft. Antworten


Robert Josef Stadler

06.10.2009, 09:28 Uhr
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Ich teile die Meinung von G. Soros bezüglich dem Zustand der traditionellen Banken. Der Zusammenbruch unseres alten Währungssystems, das vollständig auf den USD ausgerichtet ist, lässt sich kaum vermeiden. Es sei denn, dass der Wert von Komplementärwährungen, wie sie Prof. Dr. Bernard Lietaer seit 1999 fordert, rasch erkannt würde. Antworten



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