Wirtschaft

American Airlines sorgt für Turbulenzen im Reisebusiness

Von Rita Flubacher. Aktualisiert am 12.01.2011 7 Kommentare

Der US-Konzern will Reservierungsanbieter verdrängen. Onlineportale und Reisebüros sind alarmiert.

Anflug auf New York. Die Flüge von American Airlines sind nicht mehr auf allen Plattformen buchbar.

Anflug auf New York. Die Flüge von American Airlines sind nicht mehr auf allen Plattformen buchbar.
Bild: Mauritius Images

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Wer seinen Flug online buchen will, hat eine ganze Reihe von Internetportalen zur Auswahl: Expedia, Orbitz, Opodo oder Ebookers – um nur die bekanntesten zu nennen. Man gibt den Abflugort ein – beispielsweise Zürich – und die Destination – etwa New York – und erhält umgehend eine Liste aller Flugverbindungen, aus der man den günstigsten Anbieter auswählen kann. Transparenz, wie es sich Privat- und Geschäftsreisende wünschen.

«Direct Connect»

Seit kurzem fehlen jedoch auf den Portalen von Orbitz und Expedia die Flüge der drittgrössten US-Gesellschaft American Airlines (AMR 0.24 0.00%) (AA), die Zürich und New York täglich im Direktflug verbindet. Grund ist ein Machtkampf zwischen AA und zentralen Reservierungssystemen wie Amadeus, Sabre, Worldspan und Galileo, die sich auf die globale Verteilung von Fluginformationen spezialisiert haben. Für die gewünschte Liste der Flüge von Zürich nach New York ruft Expedia die Daten bei Sabre ab. Finanziert werden Sabre & Co. durch Gebühren, die sie den Fluggesellschaften in Rechnung stellen.

American Airlines, die wie viele andere Fluggesellschaften unter enormem Preiswettbewerb und dem Druck auf die Margen leidet, will die zentralen Reservierungssysteme umgehen. Stattdessen möchte AA ihre Angebote direkt mit Online-Portalen wie Orbitz oder Ebookers, aber auch mit den traditionellen Reisevermarktern verknüpfen. «Direct Connect» nennt AA dieses neue Modell.

«Nicht im Sinne der Kunden»

Bei den Portalen kommt dieses Ansinnen überhaupt nicht an. Denn sie würden ihren wichtigsten Vorteil verlieren: die Möglichkeit für Konsumenten, mit einem Klick die Preise zu vergleichen. Das AA-Modell sei «wettbewerbs- und konsumentenfeindlich», kritisierte Expedia. Und: «Das Ergebnis werden höhere Kosten und geringere Transparenz für Kunden sein.»

Der Streit ist lanciert: Weil Orbitz sich weigerte, bei Direct Connect mitzumachen, zog AA mit richterlicher Unterstützung im Dezember ihre Angebote von der Plattform zurück. Darauf warf das grösste US-Online-Reiseportal Expedia die Airline ihrerseits aus dem Programm. Damit nicht genug: Sabre beschloss, im Sinne einer Strafaktion die AA-Flüge jeweils an den Schluss ihrer Angebotsliste zu setzen. Diese Massnahme sei «konsumenten- und wettbewerbsfeindlich», protestierte AA und rief einen Richter in Texas an. Vor wenigen Tagen entschied dieser, dass Sabre die Daten vorläufig nicht zum Nachteil der Fluggesellschaft präsentieren dürfe.

Der Streit unter den Amerikanern beschäftigt mittlerweile auch die Reisefachleute in Europa. Roland Zeller, Geschäftsführer des Schweizer Portals Travel.ch, befürchtet Mehrkosten, wenn sich das Modell von American Airlines durchsetzen sollte. Reisebüros und Websites müssten die Tarife künftig direkt und individuell bei den Fluggesellschaften abfragen, was zusätzliche Technik bedingt. In der Branche moniert man, dass die Auswahl und die Transparenz für den Endkunden erheblich geschmälert würde. Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizerischen Reisebüro-Verbands, sorgt sich um die kleineren Reisebüros. Grosse Anbieter könnten auf ein anderes zentrales Reservierungssystem ausweichen, kleinere dagegen müssten Mehrkosten auf die Kunden abwälzen.

Werbung für Zusatzservice

Für Kunden von American Airlines kommt es je nach Buchung jetzt schon teurer als zuvor. Die Fluggesellschaft verrechnet den Reservierungssystemen Galileo und Worldspan eine Gebühr, die diese umgehend in die Tarife und damit in die Ticketpreise integriert haben. Laut Roland Zeller, auf dessen Website Travel. ch Angebote von American Airlines vorübergehend nicht mehr aufgeführt waren, verlangt AA für jede Reservation einen Zuschlag von 50 Franken.

Fachleute vermuten hinter dem Vorgehen von American Airlines ein weiteres Motiv: Sie könnte mit Direct Connect gezielter für Zusatzleistungen werben. Zum Beispiel für Sitze mit mehr Beinfreiheit oder Fensterplätze – gegen Aufpreis (siehe Grafik links).

Ob sich andere Fluggesellschaften American Airlines anschliessen werden? Bei der Swiss will man sich zur Angelegenheit nicht äussern und verweist an die Muttergesellschaft Lufthansa – die schweigt ebenfalls. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.01.2011, 07:15 Uhr

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7 Kommentare

Tobias Weisskopf

12.01.2011, 09:27 Uhr
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Dabei wird vergessen, dass die Reservierungsportale sich seit Jahrzehnten am oberen Ende der Profitabilität in der Aviatik-Branche festsetzen, die Airlines am unteren. Diese Portale bringen zwar dem Kunden einen Nutzen, aber viel mehr sich selbst zum Nachteil der Airlines. Es ist eine Frage der Zeit, bis sich Airlines aus dieser Umklammerung lösen. Antworten


Christian Sterchi

12.01.2011, 09:45 Uhr
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Wer sich nur auf diese Portale verlässt, um den günstigsten Flug zu finden, kann sowieso nicht sicher sein, wirklich das günstigste Angebot zu kriegen. Es lohnt sich, auf den Internetseiten der Fluggesellschaften direkt die Preise zu vergleichen und auch dort zu buchen. Dann hat man bei allfälligen Problemen auch noch einen klaren Ansprechpartner. Antworten



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