An Vasella scheiden sich die Geister

Von Daniel Zulauf. Aktualisiert am 03.09.2010 5 Kommentare

Nach fünf Jahren Abwesenheit kehrt die Basler Pharmaindustrie mit einem ihrer mächtigsten Vertreter in den Vorstandsausschuss des Wirtschaftsdachverbands zurück. Vasellas Wahl bedeutet mehr, als es Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer zugeben will.

Hat alles im Griff: Daniel Vasella ist neues Vorstandsmitglied von Economiesuisse – nicht zur Freude aller.

Hat alles im Griff: Daniel Vasella ist neues Vorstandsmitglied von Economiesuisse – nicht zur Freude aller.
Bild: Keystone

Novartis-Präsident Daniel Vasella wurde heute in den Vorstandsausschuss von Economiesuisse gewählt. Die Wahl war reine Formsache, denn die Pharma- und Chemiebranche hat nach den Verbandsstatuten Anspruch auf zwei Vertreter im Gremium. Thomas Wellauer, der bei Novartis über die Klinge springen musste, wird seinen Sitz räumen. Vasellas Kandidatur auf den frei werdenden Platz neben Christoph Mäder, Präsident des Branchenverbandes SGCI Chemie Pharma Schweiz, gilt als unbestritten.

Für Gerold Bührer sei der Einzug des mächtigen Basler Wirtschaftsführers ein «ganz gewöhnlicher Vorgang», wie er im Gespräch mit der BaZ vor der Wahl betonte. «Weil Wellauer geht, muss ein neuer kommen, und das ist nun einfach Daniel Vasella», erklärte er lakonisch.

Vasella künftig Economiesuisse-Präsident?

Der Verbandspräsident und langjährige Politiker ist offensichtlich darum bemüht, die Rolle seines neuen Vorstandskollegen herunterzuspielen. Die Frage, ob Vasella dereinst auch im Präsidium der Economiesuisse Einsitz nehmen könnte, habe er sich «ganz ehrlich noch gar nie überlegt». Dabei war Roche-Präsident Franz Humer vor fünf Jahren noch Economiesuisse-Vize und vor ihm stellten mit dem ehemaligen Roche-Vize Andres F. Leuenberger, dem früheren Ciba-Geigy-Präsidenten Louis von Planta und dem einstigen Roche-Chef Etienne Junod Spitzenkräfte der Basler «Chemie» regelmässig auch den Präsidenten im Dachverband.

Bis zum Austritt Humers bestand das Vizepräsidium der Economiesuisse jeweils aus drei Personen: einem Vertreter des Finanzplatzes (zurzeit Patrick Odier), einem Vertreter der Industrie (zurzeit Johann Schneider-Ammann) und einem Vertreter der Chemie- und Pharmabranche. Die Grösse des Vizepräsidiums sei statutarisch nicht beschränkt, sagt Bührer. Denkbar also, dass Vasella schon bald auch in diesem noch kleineren und einflussreicheren Klub Einsitz nehmen kann. Bührer will sich auf solche Gedankenspielereien gar nicht einlassen, denn kleinere Verbandsmitglieder sehen die Macht und den Einfluss der Pharmabranche ziemlich kritisch.

Eine Gewichtsverschiebung zugunsten der Pharmamultis könnte das fragile Gleichgewicht der Economiesuisse empfindlich stören. Als vor fünf Jahren mit Andreas Schmid ein Vertreter des Finanzplatzes das Präsidium hätte übernehmen sollen, rebellierte die Maschinenindustrie mit ihrem Spitzenvertreter und Bundesratskandidaten Johann Schneider-Ammann. Auch die Baumeister drohten mit Austritt. Erst Bührer konnte den Verband wieder auf einen einheitlichen Kurs einschwören. Doch die Angst vor Richtungskämpfen prägt und schwächt den einst fast übermächtigen Verband bis heute.

Konsenspolitik führt nicht zum Ziel

Vasella bewegt sich mit seinem hohen Salär und seinen Vorstellungen von Aktionärsdemokratie selbst innerhalb der Economiesuisse weit ab vom Konsens. Doch es gibt nicht wenige einflussreiche Wirtschaftsführer, die sich just daran stören, dass die Economiesuisse unter Bührer verlernt hat, kantige Positionen zu vertreten. Wichtige Standortfragen in der Schweizer Wirtschaft seien mit seiner Konsenspolitik nicht zu lösen, sagen Kritiker.

Vasella selbst wollte sich zu seinen Zielen in der Economiesuisse nicht äussern. Schon vor fünf Jahren schrieb die BaZ unter Verweis auf gut unterrichtete Kreise, ein «gewisses Interesse» am Präsidium des Dachverbandes sei bei ihm vorhanden. Nun, seit er bei Novartis nur noch die Geschäfte des Verwaltungsrats führen muss, hätte er vielleicht sogar Zeit dafür. Bührers Amtsperiode dauert noch bis 2012. Ob er dann, nach sechs Jahren, nochmals eine Dreijahresperiode anhängen wolle, lässt er offen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 03.09.2010, 12:54 Uhr

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5 Kommentare

Daniel Zurbriggen

03.09.2010, 14:23 Uhr
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Her Vasella war doch der welcher u.a (Fifa, Nestle etc.) kürzlich meinte Die Schweiz sei nicht zwingend ein Standort für die Novartis falls es mit den Steuren nicht nach seinem Gusto ginge. Na ja in diesen Verein (Machtballung) kommt man dann wenn das profil Aalglatt abgeschmirgelt ist.. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt auf "small is beautiful" hin zur Musse weg vom Stress Wahrheit statt Lüge etc Antworten


peter meier

03.09.2010, 15:58 Uhr
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ja, jetzt sind sie ja wieder zusammen vereint..die Abzocker meine ich. Und schon wieder ein paar tausen Franken Sitzungsgelder in den Geldbeutel.....ist eigentlich Erpressung legal.... Antworten



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