Wirtschaft
Aus Not kommt es zur grünen Revolution
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 03.12.2008 64 Kommentare
Die Bosse aus Detroit haben bei ihrem Bittgang in Washington schlechte Karten: Die Autoverkäufe erreichen jeden Monat neue Tiefstwerte, ihre Cashreserven schmelzen wie Schnee an der Sonne. Das schlägt aufs Selbstbewusstsein. Noch vor kurzem war ihr Ego der Automanager vergleichbar mit der Arroganz der Investmentbanker. Aber wie die «Masters of the Universe» von der Wallstreet sind auch sie demütig geworden. Sie betteln ums nackte Überleben, kürzen ihre Jahresgehälter auf einen symbolischen Dollar und verkaufen die Firmenjets.
Vor allem sind die Autobosse bereit, ihre Industrie vollständig umzukrempeln. Die Ära der klotzigen Benzinschlucker ist vorbei. Auch Detroit setzt nun auf kleinere Wagen, die viel weniger und möglichst erneuerbare Brennstoffe verbrauchen, denn nur so kann Detroit auf die Hilfe von Washington hoffen. Der neu gewählte Präsident Barack Obama hat klar gemacht, dass für ihn das Motto «die Krise ist auch eine Chance» mehr ist als ein ausgelutschter Spruch. Er ist entschlossen, aus der Not eine Tugend zu machen, er will die die US-Autoindustrie auf umweltverträgliche Füsse stellen. Damit sollen zwei Dinge gleichzeitig erreicht werden: Die Abhängigkeit der USA von ausländischem Öl drastisch zu reduzieren und die amerikanische Wirtschaft anzukurbeln. Obama will die dritte industrielle Revolution.
Alternative Transportsystem werden getestet
Die industrielle Revolution stand im Zeichen der Kohle. Dampfmaschinen und Eisenbahn leiteten im 19. Jahrhundert eine neues Wirtschaftszeitalter ein. Das 20. Jahrhundert wurde von Öl und dem Verbrennungsmotor dominiert. Beide sind im 21. Jahrhundert überholt. Die Zukunft gehört Autos, die mit erneuerbarer Energie betrieben werden, doch dazu müssen mehr als neue Antriebssysteme geschaffen werden. «Der Wechsel vom Verbrennungsmotor zu einem Elektro- oder Wasserstoffmotor ist nur möglich, wenn auch in der Infrastruktur eine dritte industrielle Revolution erfolgt», stellt Jeremy Rifkin in der «Financial Times» fest.
Diese Revolution ist mehr als Wunschdenken. In der Praxis werden bereits alternative Transportsystem erprobt. So testet Shai Agassi, einst Wunderkind in der IT-Branche, in Israel und Dänemark ein System, das auf Autos mit Elektroantrieb basiert. Er hat in den USA prominente Kapitalgeber und mit Renault-Nissan einen grossen Autokonzern als Partner. Die ersten Elektroautos für sein alternatives Transportsystem werden noch dieses Jahr ausgeliefert. 2011 soll das Modell in Massenproduktion gehen.
Ein intelligentes Stromnetz
Systeme, wie das von Agassi, haben einen Rattenschwanz von Innovationen zur Folge. Vor allem braucht es eine neue Stromversorgung, ein so genanntes «smart grid». Dieses intelligente Stromnetz muss in der Lage sein, die Elektroautos rasch wieder aufzuladen. Gleichzeitig müssen viele kleine alternative Energiequellen eingespeist werden. Eine gigantische Aufgabe, die dank moderner IT jedoch gelöst werden kann.
Ein Infrastruktur mit einem «smart grid» wird es möglich machen, dass alternative Energien (Sonne, Wind, Biomasse, etc.) wirtschaftlich genutzt werden können. Es macht auch möglich, dass Barack Obama seine Wahlversprechen einlösen kann: Der 44. Präsident will die USA von ihrer fatalen Abhängigkeit vom Erdöl zu befreien, und er will auch 2,5 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen. Mit einer grünen Revolution in der Autodindustrie ist beides möglich geworden. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.12.2008, 21:24 Uhr
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64 Kommentare
Es sind mindestens 5 bis 10 Jahre notwendig, um die GM Modellpalette grundlegend zu ändern und komplett neue Technologien massenmarkt-tauglich einfliessen zulassen. Die Hilfe aus Washington ermöglicht GM primär die nächsten Jahre (quasi subventioniert) die alten Modlle zu verkaufen und so im Markt bleiben zu können, damit eventuell irgendwann konkurrenzfähige Modelle angeboten werden können... Antworten
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