«Aus der Weltwoche wird die Köppel-Woche»

Von David Vonplon. Aktualisiert am 10.03.2009 172 Kommentare

In nur wenigen Monaten hat die «Weltwoche» einen grossen Teil ihrer profiliertesten Autoren verloren. Chefredaktor Roger Köppel scheint dies nicht zu stören. Im Gegenteil.

«Bloss noch eine schwache Erinnerung an das, was früher war»: Die Weltwoche von Roger Köppel im Umbruch.

«Bloss noch eine schwache Erinnerung an das, was früher war»: Die Weltwoche von Roger Köppel im Umbruch.

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Sie haben die «Weltwoche» über Jahre hinweg geprägt, jetzt wurde der eine entlassen – der andere geht aus freien Stücken. Vergangene Woche trennte sich «Weltwoche»-Chef Roger Köppel von seinem Autor Eugen Sorg, kurz darauf hat Hanspeter Born die Kündigung deponiert, wie der Branchendienst persoenlich.com vermeldete. «Die Freude ist leider weg», erklärt Born auf Anfrage von baz.ch/Newsnet, und Eugen Sorg ergänzt: «Die heutige Weltwoche ist bloss noch eine schwache Erinnerung an das, was früher war.»

In der Tat: Die prominenten Abgänge könnten das Ende einer Ära beim Traditionsblatt markieren. Denn mit Born und Sorg verabschieden sich die letzten Weggefährten Köppels, welche massgeblich zur erfolgreichen Neuausrichtung der «Weltwoche» von der liberalen Wochenzeitung zur rechtsgerichteten Zeitschrift beitrugen. Köppel holte den langjährigen früheren «Weltwoche»-Autor Hanspeter Born 1997 aus der Versenkung. Ein Glücksgriff, wie sich schon bald zeigte: Die Analysen und Reportagen des Doyens der «Weltwoche» trugen rasch zur Profilierung des Blattes bei. Genauso steuerte Eugen Sorg, ebenfalls seit vielen Jahren an der Seite Köppels, mit seinen brillanten Auslandsreportagen zum Ruf der Titels bei.

Köppel nimmt's locker

Herbe Verluste sind das für die «Weltwoche», die ihren Verleger und Chefredaktor Roger Köppel schmerzen müssten – würde man zumindest meinen. Doch dieser zeigt sich im Gespräch erstaunlich locker: Er sei nicht unglücklich, dass «interne Bereinigungsprozesse» stattfinden, erklärt er auf Anfrage, auch wenn es natürlich bedauerlich sei, dass die Kollegen nun gehen. Es scheint, Köppel sei es gerade recht, dass er seine langjährigen Arbeitskollegen los ist. Born und Sorg hatten zuletzt in immer deutlicheren Worten Kritik am Arbeits- und Führungsstil Köppels geübt. Der Chef soll dies zunehmend als Loyalitätsbruch aufgefasst haben.

Die beiden jüngsten Abgänge bilden indessen bloss die Spitze des Eisbergs. Köppel hat schneller als die meisten anderen Verlage auf die Wirtschaftskrise reagiert und die Redaktion erheblich ausgedünnt. Einige seiner besten Schreiber – darunter Thomas Widmer, Peer Teuwsen, Bruno Ziauddin, David Signer und Julian Schütt – liess er ziehen oder entliess sie. Mit Gion Cavelty, Güzin Kar, Albert Kuhn und Alix Sharkey entledigte er sich einer ganzen Reihe seiner hochdotierten Kolumnisten.

Personalabbau löst Meinungsverschiedenheiten aus

Dies vergiftete das Klima in der Redaktion und trug Köppel den Vorwurf ein, er nutze die Gunst der Stunde, um sich seiner ungemütlichen Kollegen zu entledigen und einen ideologischen Stosstrupp aufzubauen, welcher ohne Einwände seine publizistischen Strategien realisiert. Zur Radikalisierung auf der Redaktion trug nicht zuletzt auch die Anstellung von Blocher-Redenschreiber und SVP-Sprecher Peter Keller bei. Köppel selber nimmt die Kritik jedoch gelassen. Er hält die redaktionsinternen Konflikte für einen normalen Vorgang: «Bei der «Weltwoche» gab es immer schon starke Persönlichkeiten. Wenn der Chefredaktor die Kosten stark senken muss, kann es Mais geben.»

Auch wenn Köppel dies bestreitet: Für viele seiner Kritiker bedeutet der Umbruch bei der «Weltwoche» faktisch nicht weniger als den Abschied vom Autorenprinzip. «Köppel will nicht mehr, dass seine Journalisten eine eigene Sprache pflegen», sagt ein ehemaliger Redaktor. Noch drastischere Worte findet ein Kollege von ihm, der noch auf der Lohnliste der «Weltwoche» steht: «Was derzeit stattfindet, ist die Verwandlung der «Weltwoche» in die Köppelwoche». Er ist überzeugt, dass aus dem einstigen Autorenblatt nun ein Ein-Autor-Blatt wird.

Stärkung der Inland- und Wirtschaftsberichterstattung

Doch nicht nur der Personalabbau, sondern auch die abermals erneuerte publizistische Richtung, welche Köppel vorgibt, sorgt für rote Köpfe. Dem Chef schwebt eine «Weltwoche» vor, die genau genommen ihrem Namen nicht mehr gerecht wird: Die Auslandberichterstattung wird stark zurückgefahren, im Gegenzug das Inland und die Wirtschaft gestärkt. Hier sieht Köppel die Kernkompetenzen seines Blattes; und auf diese will er sich konzentrieren: «Ich habe in der Wirtschaft zwei neue Leute angestellt und den Recherchebereich Inland aufgerüstet.»

Auf der Strecke dagegen bleiben dabei andere Themengebiete – die zu einem grösseren Teil als bisher von freien Journalisten abgedeckt werden sollen. Auch das schafft böses Blut: «Im Kulturteil, oder besser im Lifestyle-Teil, geht es nur noch darum, Inserate zu generieren», kritisiert ein früheres Redaktionsmitglied, und fügt an: «journalistisch sauber ist das längst nicht mehr.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.03.2009, 23:26 Uhr

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172 Kommentare

Marc Meili

13.03.2009, 11:13 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Unglaublich aber wahr, es scheint tatsächlich noch Leute zu geben die dieses Schundblatt lesen... Wo bleibt da der gesunde Menschenverstand? Die Weltwoche war einst ein redaktionell hochstehendes Blatt, dass war jedoch noch vor Köppels Zeit bei der WW. Antworten


Markus Von Känel

15.03.2009, 16:09 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Die Weltwoche ist leider genau so unerträglich einseitig, überheblich und arrogant, wie ihr Besitzer. Jeder Seelenklempner hätte seine helle Freude am Psychogramm von R.K: Ich habe bis jetzt noch keinen Menschen gesehen, der sich und seine Meinung derart wichtig nimmt und absolut setzt, wie Herr K. Früher nannte man das Cäsarenwahn. Es ist gut, dass Herr K. nur Macht über ein Wochenblättchen hat. Antworten



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