Wirtschaft
Backwarenkonzern Aryzta schanzt dem Management Millionen zu
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 05.10.2011 40 Kommentare
Konzernchef und Mitglied des Verwaltungsrats: Der 58-jährige Ire Owen Killian. (Bild: Keystone )
Finanzchef und Mitglied des Verwaltungsrats: Der 44-jährige Ire Patrick McEniff. (Bild: Keystone )
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Wer die Aryzta-Website aufsucht, wähnt sich im falschen Film. Statt Bildern von Croissants oder Muffins schmücken Reisefotos die Site des Konzerns. 2008 ist er aus der Fusion des Schweizer Tiefkühlgipfelipioniers Hiestand mit dem irischen Konkurrenten Iaws entstanden. Beobachter sind sich einig: Für Aryzta ist das Produkt heute Nebensache, was zählt, ist die finanzielle Performance.
Zumindest für das Management zahlt sich das aus. Laut Geschäftsbericht, der am Dienstag publik wurde, hat Konzernchef Owen Killian im Ende Juli abgelaufenen Geschäftsjahr 8,57 Millionen Franken verdient – mehr als etwa Joe Hogan, Chef der ABB. Im Vorjahr waren es noch 2,45 Millionen gewesen. Der Lohn aller Mitglieder der Konzernleitung stieg von 6,25 auf 22,15 Millionen Franken. Wie kam es zu dieser Vermehrung?
Eine aggressive Firmenpolitik
Die Antwort gibt der aktienbasierte Anreizplan für das Management. Der Optionsplan wurde 2008 lanciert und lief dieses Jahr aus. Im Gegensatz zu anderen Anreizprogrammen, die sich auf mehrere Messgrössen stützen, wird die Leistung des Managements im Wesentlichen mit einem Parameter gemessen: der Entwicklung des Gewinns pro Aktie. Dieser lässt sich vor allem mit Zukäufen leicht manipulieren. «Beteiligungspläne auf der Basis des Gewinns pro Aktie honorieren eine aggressive Akquisitionspolitik ohne Aufnahme von Eigenkapital», sagt Gregor Greber vom unabhängigen Vermögensverwalter zCapital. Aryzta habe zuletzt mit mehreren Zukäufen die Verschuldungskapazität ausgenutzt und weise in der Bilanz über 2,65 Milliarden Euro Goodwill und immaterielle Vermögenswerte aus.
Die hohen Entschädigungen überraschen ihn nicht. «Der Longterm-Incentive-Plan, den wir immer kritisiert haben, beruht auf einem Zuteilungshebel, der sich am durchschnittlichen Gewinnwachstum pro Aktie von 2008 bis 2011 misst.» Dieses sei über der nötigen Hürde von 15 Prozent pro Jahr gelegen. «Das Management erhält aus dem Beteiligungsplan somit das Maximum, nämlich dreimal so viel Aktien wie bei einem Plus des Gewinns pro Aktie von 10 Prozent.»2010/11 waren im Lebensmittelbereich, dem Hauptgeschäftszweig von Aryzta, Zukäufe für 48,8 Prozent der Umsatzsteigerung verantwortlich. Und auch künftig will Aryzta über Akquisitionen diversifizieren. Für Zukäufe in Europa und Asien liegen 100 Millionen Euro bereit. Für Gregor Greber operiert Aryzta mit falschen Anreizen: «Dieses Jahr dürfen die Aktionäre erstmals über das Vergütungssystem konsultativ abstimmen. Wir werden es ablehnen, auch die zukünftigen Optionspläne basieren zu sehr auf dem Gewinn pro Aktie.»
Pionier Hiestand übt Kritik
Fredy Hiestand, der «seine» Gruppe damals an die Iren verkauft hatte und heute VR-Präsident von «Fredys Backwaren» ist, bleibt angesichts der Saläre nur das Staunen: «Es ist schon gewaltig, was für Summen da nun durchgereicht werden. Irgendwie erinnert das Gebaren an die Finanzbranche.»
Grösse mehrheitlich durch Zukauf statt Innovationsschöpfung; exorbitante Saläre, Boni oder «Entschädigungen»: Beides steht laut Hiestand diametral seinem ursprünglichen Unternehmensziel entgegen, das auf gesundes, selbst generiertes Wachstum setzte und über Mitarbeiteraktien das Personal am Erfolg teilhaben liess. «Abgesehen davon, dass Unternehmen, die einem einzelnen Kopf an der Spitze derartige Summen zugestehen, die Zeichen der Zeit komplett missverstanden haben, kann ich einfach nicht begreifen, weshalb der Bäcker, der letztendlich den Unternehmenserfolg ermöglicht, so viel weniger wert sein soll als der Manager.»
Aryzta ist in Zürich kotiert und hat eine Zweitkotierung in Dublin. Offiziell ist der Sitz des Konzerns am Talacker in Zürich, doch daran hält die irisch dominierte Aryzta wohl nur aus steuerlichen Gründen fest. Das Management des global tätigen Konzerns jedenfalls arbeitet kaum je in Zürich. Die Generalversammlung hielt Aryzta 2010 in Toronto ab, das Aktionariat kommt mehrheitlich aus dem angelsächsischen Raum. Von zehn Verwaltungsräten sind mit Maurice Zufferey und Hans Sigrist nur zwei Schweizer, beide waren früher bei Hiestand. Der Konzern rechnet in Euro ab, weist die Löhne aber in Franken aus.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.10.2011, 20:57 Uhr
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40 Kommentare
Warum bloss hat Fredy Hiestand, der noch ein Unternehmer alter Schule war, das Unternehmen verkauft? Hiestand hatte natürlich in der Vergangenheit Fehler gemacht (die USA-Expansion z.B.) aber das Produkt und dessen Qualität hatten hohen Stellenwert. Jetzt gehört es einem Heuschrecken-Management und ist für mich gestorben. Antworten
sie kommen, nehmen, zerstören und gehen wieder. langsam sollte man sich fragen wie lange diesem treiben noch zugesehen wird. irgendwann wird das ganze wohl oder übel eskalieren und alle fragen sich dann, wie es so weit kommen konnte obwohl es bereits alle wissen. Antworten
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