Wirtschaft

Bankdatendieb fürchtet die Rache der Mafia

Hervé Falciani hat Tausende Kundendaten der HSBC Private Bank in Genf gestohlen. Die Informationen wollte er im Libanon verkaufen – vergebens. Jetzt fürchtet er die Rache der Mafia.

Schildert sein Handeln als einen ethischen Reflex: Hervé Falcianis ehemaliger Arbeitsort in Genf.

Schildert sein Handeln als einen ethischen Reflex: Hervé Falcianis ehemaliger Arbeitsort in Genf.
Bild: Keystone

Ehemaliger Spezialist für Datenbanken bei der HSBC: Hervé Falciani.

Ehemaliger Spezialist für Datenbanken bei der HSBC: Hervé Falciani.

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Eric de Montgolfier, Staatsanwalt von Nizza, ist eigenen Angaben zufolge im Besitz aller 130’000 gestohlenen Kundendaten der HSBC (HSBA 69.2 -0.14%) Private Bank in Genf. Davon sollen 4000 Konten französischen Bürgern oder Firmen gehören, für die sich der französische Haushaltsministerminister Eric Woerth interessiert. Woerth hatte im August verkündet, er verfüge über 3000 Namen französischer Steuerflüchtlinge mit Schwarzgeld in der Schweiz.

Ausgehändigt hat die sensiblen Daten der Ex-Mitarbeiter von HSBC und Informatikspezialist Hervé Falciani. Gemäss einem HSBC-Sprecher habe er Frankreichs Justiz allerdings «höchstens zehn Namen» von Bankkunden nennen können. Was Frankreich wirklich in der Hand hat, wird frühestens im Januar klar, wenn die Frist für Selbstanzeigen abgelaufen ist.

«Der Informant riskiert sein Leben»

Der Datenklauer Falciani lebt heute mit einer neuen Identität in Südfrankreich und wird von der französischen Polizei geschützt. Ermittler halten ihn für gefährdet, weil er die Mafia stören könnte. Gewisse Kunden der HSBC könnten nach Aussagen der Ermittler ein gefährliches Profil haben: «Der Informant riskiert sein Leben.»

Umso erstaunlicher, dass Falciani am Sonntagabend am französischen Fernsehen unverhüllt auftrat. Der französisch-italienische Doppelbürger bekräftigte, dass er keine Angst habe und für die Daten von den französischen Behörden auch nicht bezahlt worden sei. Als Motivation für seine Tat gab er einen ethischen Reflex an. Sein Verteidiger, Patrick Rizzo, beschreibt ihn als einen Idealisten, der schockiert gewesen sei über die «grosse Menge unlauterer Vermögen», die er in den Datenbank ausgemacht habe. «Falciani hat sich geweigert, auch nur auf indirekte Art für das organisierte Verbrechen zu arbeiten.»

Gegen eine Bezahlung für seine hehren Dienste war Falciani aber dann doch nicht ganz abgeneigt. «Er wollte sein Wissen verkaufen», schreibt «Le Parisien» unter Berufung auf Ermittler. Mit seiner ebenfalls bei der Bank arbeitenden italienisch-libanesischen Freundin Georgina M. sei Falciani nach Beirut gefahren, um dort HSBC-Kundendaten anzubieten. Das habe nicht geklappt, und die beiden seien zurück nach Genf geflogen.

«Sie wussten es nicht, doch ihre Fahrt hat das Pulver entzündet», schreibt die Zeitung gemäss «Financial Times Deutschland» weiter. «Die libanesischen Behörden haben ihre Schweizer Kollegen alarmiert», sagte ein Ermittler. Daraufhin seien Georgina M. und Hervé Falciani am 22. Dezember 2008 verhaftet worden. Wenige Stunden später waren beide wieder auf freiem Fuss. «Hervé Falciani hat in derselben Nacht seine Koffer gepackt» und sei nach Frankreich geflohen, sagte ein Ermittler. Georgina habe sich «in Luft aufgelöst».

Steuersünder sollen Selbstanzeige erstatten

Frankreich nutzt die Daten, um Steuersünder zur Selbstanzeige zu bewegen. Noch bis zum 31. Dezember 2009 läuft das Angebot des französischen Staats, Schwarzgelder gegen einen aushandelbaren Strafzoll und die Entrichtung der Steuerschuld zu legalisieren. Bisher sei es nach der Behandlung von 1400 Dossiers gelungen, 500 Millionen Euro Strafsteuern zu generieren, sagte Woerth bei einem Fernsehauftritt letzte Woche. Woerth nannte das Resultat «gar nicht schlecht». Frankreichs Wirtschaftspresse ist dagegen der Meinung, das Ergebnis sei eher dürftig. (bru)

Erstellt: 16.12.2009, 09:43 Uhr

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18 Kommentare

Bruno Ehrlich

21.12.2009, 10:24 Uhr
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Es passt halt einfach alles in unsere Zeit. Die Politik ist weder hier noch anderswo glaubwürdig und um sich an der Spitze zu halten oder um "populär" zu sein, greift sogar sie zu kriminellen Mitteln. Der einzelne Bürger wird wegen Kleinigkeiten massiv zur Kasse gebeten, ihm wird verboten und vorgeschrieben und die Selbsterlauchten machen, was sie wollen. Und was schwören sie? Zum Wohle des Volke Antworten


Wolfgang Erschwil

17.12.2009, 07:23 Uhr
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Lieber Herr Zaugg, Nur wir Schweizer haben das Recht die Leute zum Betrug gegenüber Ihrer Regierung anzustiften und sie dabei zu unterstützen. Und jede Regierung die Daten über diese Betrüger in die Hände gespielt bekommt, sollte diese, ohne Strafverfolgung vernichten. Was für ein Denken.... aber Betrüger machen ihre eigne Gesetze. Antworten


Georg Aschwanden

16.12.2009, 19:44 Uhr
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Herr Merz ist einmal mehr in einen Fettnapf getreten. Vor einem Jahr sagte er noch: "Sie (die ausländischen Gegner des Bankgeheimnisses) werden sich die Zähne ausbeissen." Inzwischen hat Herr Merz selber kein Gebiss mehr. Antworten


Maese Hinz

16.12.2009, 16:38 Uhr
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@ Andreas Maier: Ausgerechnet D & F, es sind immer dieselben, die diesen Kontinent in regelmaessigen Abstaenden in den Abgrund gebomt haben, spielen sich hier als Moralapostel auf. Es sind ILLEGAL erworbene Daten und ein Staat bezahlt dafuer. Das ist der Skandal! Soll hier jeder mal drueber nachdenken ob bei seiner eigenen STE alles korrekt gelaufen ist. Antworten


Jüge Diener

16.12.2009, 13:06 Uhr
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Andreas Meier/Kevin Käser: Reden wir mal über das Thema wenn Ihr zu viel Geld kommen solltet, auch Ihr werdet versuchen es vor dem Steueramt zu verstecken, es versucht schon jeder kleine Steuerpflichtige die Behörde zu bescheissen! Das liegt nun mal in der Natur des Menschen, dass er von dem was er hat, nichts, oder möglichts wenig abgeben will. Mit kleinen Ausnahmen natürlch, aber sehr kleinen! Antworten


Kevin Käser

16.12.2009, 12:45 Uhr
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Einfach nur erbärmlich, wie wieviele Schweizer reflexartig die Gaunerbanken verteidigen. Nazis, Organisiertes Verbrechen, Mafia, Steuerhinterzieher und -betrüger ... - ist uns doch wurst, woher das Geld kommt, Hauptsache der Boni-Kaste, die uns den ganzen aktuellen Wirtschafts-Schlamassel eingebrockt hat, geht es blendend... Geht mal ein bisschen in euch, Leute. Antworten


Andreas Maier

16.12.2009, 12:02 Uhr
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@ Ress Zaugg: Bei Ihrem Kommentar kann man nur den Kopf schütteln ! Frankreich und Deutschland gehen gegen die Schweizer ´Rosinenpicker`vor und Sie bezeichnen das als Hehlerei ?! Vergessen sie bitte nicht, dass Sie Staatsangehöriger der größten `Hehlernation`der Welt sind !!!! Antworten


Heinz Gfeller

16.12.2009, 11:48 Uhr
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Es ist mir unverständlich, weshalb die Bank nicht dafür in die Pflicht genommen wird, dass dieser Wirtschaftsspion "ihre" Daten klauen konnte. Weshalb wird denn seitens der Banken nicht mehr für den Datenschutz der Kunden getan? Diesbezüglich hat wieder einmal eine "ehrenwerte" Bank den ganzen Finanzplatz blamiert! Antworten


Massimo Copatelli

16.12.2009, 11:15 Uhr
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Wenn sich Daten einfach so klauen lassen, fehlts am Sicherheitskonstrukt. Denke, solche Massnahmen wären bei IT-Systemen Peanuts. Aber, man hats ja gewusst - einfach totgeschwiegen! Nehmern wir inskünftig besser wieder das Sparbüechli und den Ringordner zur Hand. Vermutlich kämen wir volkswirtschaftlich und sicherheitstechnisch damit um eingiges weiter. Antworten


Sonja Kellermann

16.12.2009, 11:00 Uhr
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@Res Zaugg: Je schlechter ein Staatshaushalt geführt wird, umso mehr muss er Drogen- und Waffengelder waschen (oder warum hat der Datendieb Angst vor der Mafia?). Und dann noch das ganze jüdische Geld, das die Naziverbrecher in der Schweiz untergebracht hatten. Die Schweizer sollten endlich mal den Dreck vor der eigenen Türe kehren und dann erst auf Ausländer zeigen. Antworten


Dieter Wundrig

16.12.2009, 10:44 Uhr
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Ist man nicht auch Hehler wenn Menschen zum Betrug ermuntert werden.Geld am Steueramt vorbeigemogelt wird & andere Staaten und deren Bürger betrügt?!Und diese Bankmanager mangels ungenügender Gesetze bzw. bewusst ungenügend gemachter Gesetze nicht vor Gericht bringt.Somit ein Produkt der Betrugsländer! Ich glaube,da haben einige Kommentarschreiber einen Gerechtigkeitssinn nur auf einer Kopfseite. Antworten


Gino Cinzano

16.12.2009, 10:29 Uhr
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Der Mann kann hoffen, dass er möglichst bald von der CH Justiz in Gewahrsam genommen wird. - Kostet dann leider wieder den Steuerzahler. Antworten


Romeo Zolin

16.12.2009, 10:18 Uhr
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Warum wird Falciani niemand glauben aus ethischem Reflex gehandelt zu haben?Ganz einfach weil es nicht stimmen kann.Wer bei einer Bank in dieser Position arbeitet weiss auf was er sich einlässt,ausser er ist unzurechnungsfähig. Das ist er nicht,er hats mit seiner Aktion bewiesen.Nun kann er auf Kosten des französischen Staats Südluft schnuppern.Der Schuss ging dennoch nach Hinten los.Bis jetzt... Antworten


simon sieber

16.12.2009, 09:46 Uhr
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Wenn Staaten ein solches Verhalten gutheissen und sich der Hehlerei schuldig machen, indem solche Daten abgekauft werden. Oder wurde gar zur Straftat angestiftet? Dann meinte ich, dass nur noch diese beschriebene Angst, Nachahmer vor Diebstahl abschrecken kann. Da nützt auch eine neue Identität nichts - irgendwann wird jeder von der Wahrheit/Realität eingeholt. Antworten


Michel Koller

16.12.2009, 09:43 Uhr
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So ganz uneigennützig kommt mir das nicht vor. Sein Ethikgefühl hat sich anscheinend erst nach dem misslungen Verkaufsversuch eingeschaltet. Dies ist aber wohl auch eher ein Selbsterhaltungtrieb, denn so ist die Chance grösser nicht ins Gefängnis zu kommen. Wäre er tatsächlich so ein schockierter, moralischer Mensch, hätte er die Daten sofort an Regierungen, Medien etc. schicken können. Antworten


roger göttschi

16.12.2009, 09:26 Uhr
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Ja... wer andern eine Grube gräbt! Antworten


Res Zaugg

16.12.2009, 09:11 Uhr
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Nach Deutschland reiht sich nun auch Frankreich in die Liste der amtlich registrierten Hehler ein. Traurig aber leider Realtität: Je schlechter ein Staatshaushalt geführt wird, umso radikaler die Methoden der Geldbeschaffung (siehe auch Italien). Antworten


silvio Steiger

16.12.2009, 08:18 Uhr
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"Wer andern eine Grube gräbt......"! Hier ist es wohl anders: "Wer sich selber eine Grube gräbt....:". Falciani hat das oberste Gebot eines CH-Bankangestellten missachtet und verletzt. Dies wird in inergeinder Form bestraft werden. Ich hoffe für ihn, dass es die CH-Justiz sein wird, die ihn zur Rechenschaft ziehen wird und nicht die Mafia. Antworten



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