Bankdatendieb fürchtet die Rache der Mafia

Aktualisiert am 16.12.2009 18 Kommentare

Hervé Falciani hat Tausende Kundendaten der HSBC Private Bank in Genf gestohlen. Die Informationen wollte er im Libanon verkaufen – vergebens. Jetzt fürchtet er die Rache der Mafia.

Schildert sein Handeln als einen ethischen Reflex: Hervé Falcianis ehemaliger Arbeitsort in Genf.

Schildert sein Handeln als einen ethischen Reflex: Hervé Falcianis ehemaliger Arbeitsort in Genf.
Bild: Keystone

Ehemaliger Spezialist für Datenbanken bei der HSBC: Hervé Falciani.

Ehemaliger Spezialist für Datenbanken bei der HSBC: Hervé Falciani.

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Eric de Montgolfier, Staatsanwalt von Nizza, ist eigenen Angaben zufolge im Besitz aller 130’000 gestohlenen Kundendaten der HSBC (HSBA 62.7 0.89%) Private Bank in Genf. Davon sollen 4000 Konten französischen Bürgern oder Firmen gehören, für die sich der französische Haushaltsministerminister Eric Woerth interessiert. Woerth hatte im August verkündet, er verfüge über 3000 Namen französischer Steuerflüchtlinge mit Schwarzgeld in der Schweiz.

Ausgehändigt hat die sensiblen Daten der Ex-Mitarbeiter von HSBC und Informatikspezialist Hervé Falciani. Gemäss einem HSBC-Sprecher habe er Frankreichs Justiz allerdings «höchstens zehn Namen» von Bankkunden nennen können. Was Frankreich wirklich in der Hand hat, wird frühestens im Januar klar, wenn die Frist für Selbstanzeigen abgelaufen ist.

«Der Informant riskiert sein Leben»

Der Datenklauer Falciani lebt heute mit einer neuen Identität in Südfrankreich und wird von der französischen Polizei geschützt. Ermittler halten ihn für gefährdet, weil er die Mafia stören könnte. Gewisse Kunden der HSBC könnten nach Aussagen der Ermittler ein gefährliches Profil haben: «Der Informant riskiert sein Leben.»

Umso erstaunlicher, dass Falciani am Sonntagabend am französischen Fernsehen unverhüllt auftrat. Der französisch-italienische Doppelbürger bekräftigte, dass er keine Angst habe und für die Daten von den französischen Behörden auch nicht bezahlt worden sei. Als Motivation für seine Tat gab er einen ethischen Reflex an. Sein Verteidiger, Patrick Rizzo, beschreibt ihn als einen Idealisten, der schockiert gewesen sei über die «grosse Menge unlauterer Vermögen», die er in den Datenbank ausgemacht habe. «Falciani hat sich geweigert, auch nur auf indirekte Art für das organisierte Verbrechen zu arbeiten.»

Gegen eine Bezahlung für seine hehren Dienste war Falciani aber dann doch nicht ganz abgeneigt. «Er wollte sein Wissen verkaufen», schreibt «Le Parisien» unter Berufung auf Ermittler. Mit seiner ebenfalls bei der Bank arbeitenden italienisch-libanesischen Freundin Georgina M. sei Falciani nach Beirut gefahren, um dort HSBC-Kundendaten anzubieten. Das habe nicht geklappt, und die beiden seien zurück nach Genf geflogen.

«Sie wussten es nicht, doch ihre Fahrt hat das Pulver entzündet», schreibt die Zeitung gemäss «Financial Times Deutschland» weiter. «Die libanesischen Behörden haben ihre Schweizer Kollegen alarmiert», sagte ein Ermittler. Daraufhin seien Georgina M. und Hervé Falciani am 22. Dezember 2008 verhaftet worden. Wenige Stunden später waren beide wieder auf freiem Fuss. «Hervé Falciani hat in derselben Nacht seine Koffer gepackt» und sei nach Frankreich geflohen, sagte ein Ermittler. Georgina habe sich «in Luft aufgelöst».

Steuersünder sollen Selbstanzeige erstatten

Frankreich nutzt die Daten, um Steuersünder zur Selbstanzeige zu bewegen. Noch bis zum 31. Dezember 2009 läuft das Angebot des französischen Staats, Schwarzgelder gegen einen aushandelbaren Strafzoll und die Entrichtung der Steuerschuld zu legalisieren. Bisher sei es nach der Behandlung von 1400 Dossiers gelungen, 500 Millionen Euro Strafsteuern zu generieren, sagte Woerth bei einem Fernsehauftritt letzte Woche. Woerth nannte das Resultat «gar nicht schlecht». Frankreichs Wirtschaftspresse ist dagegen der Meinung, das Ergebnis sei eher dürftig. (bru)

Erstellt: 16.12.2009, 09:43 Uhr

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18 Kommentare

roger göttschi

16.12.2009, 09:26 Uhr
Melden

Ja... wer andern eine Grube gräbt! Antworten


Res Zaugg

16.12.2009, 09:11 Uhr
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Nach Deutschland reiht sich nun auch Frankreich in die Liste der amtlich registrierten Hehler ein. Traurig aber leider Realtität: Je schlechter ein Staatshaushalt geführt wird, umso radikaler die Methoden der Geldbeschaffung (siehe auch Italien). Antworten



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