Banken testen Angestellte auf Kokain
Von Bruno Kaufmann, Stockholm. Aktualisiert am 22.10.2009 6 Kommentare
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Wenn am späten Nachmittag die Stockholmer Börse schliesst und die Lichter in den Bankbürotürmen am Sveavägen langsam ausgehen, füllen sich die In-Lokale am nahen Stureplan. In den Nobelkneipen wird am Feierabend gebechert und gesnifft. «Immer mehr Leute aus der Finanzwelt konsumieren Kokain», sagt Jan Westling, Chef der Stockholmer Drogenpolizei. «Die Preise sind in den vergangenen Monaten gesunken.» Kostete ein Gramm der weissen Droge vor einem Jahr rund um den Stureplan noch fast 100 Franken, ist es jetzt schon für etwa 60 Franken zu haben. Schwedens sehr restriktive Drogenpolitik verbietet nicht nur den Handel mit Drogen, sondern auch den individuellen Konsum. Ertappten Konsumenten drohen lange Gefängnisstrafen.
Zum Schutz der Angestellten
Angesichts der begrenzten Ressourcen der Polizei, die es nicht erlauben, in den frühen Abendstunden im Stureplanquartier wirkungsvoll Jagd auf kleine Tütchen zu machen, suchen nun Arbeitgeber und Gewerkschaften nach Lösungen zur Eindämmung der «Kokainepidemie auf dem Finanzplatz» (Tageszeitung «Expressen»): «Alle Personen, die neu bei uns arbeiten, müssen sich einem Drogentest unterwerfen», sagt Marianne Lien, Personalchefin der Grossbank Nordea in Stockholm. Das Finanzhaus führt zudem auch Drogentests beim bestehenden Personal durch: «Bei einem positiven Resultat wird der betreffende Angestellte nicht entlassen, sondern erhält das Angebot einer Behandlung», erklärt Lien. In Übereinkunft mit den Arbeitnehmer-Organisationen hat zudem in diesem Jahr ein weitere Grossbank, SEB, Drogentests für Angestellte eingeführt. Allerdings werden diese nicht generell, sondern stichprobenartig durchgeführt: «Diese Tests machen wir zum Schutz unserer Angestellten», sagt Informationschefin Viveka Hirdman-Ryrberg. «Wir können niemandem zumuten, mit einem Kollegen zusammenzuarbeiten, der Rauschgift konsumiert.»
Die Drogentests in der Stockholmer Finanzwelt sind umstritten: Zwei weitere Grossbanken, Swedbank und Handelsbanken, verzichten darauf. «Wir bilden stattdessen unsere Kader aus, allfällige Signale eines Rauschgiftkonsums unter den Angestellten frühzeitig zu erkennen und aktiv zu werden», sagt Johan Häst, Betriebsarzt bei Handelsbanken. Wer Rauschgift missbrauche, der müsse nicht verfolgt, sondern dem müsse geholfen werden.
Testmöglichkeiten sollen eingeschränkt werden
Eine weitere Hürde dürfte den firmeninternen Drogentests bald auch auf dem Gesetzesweg erwachsen. Die bürgerliche Regierung möchte die Möglichkeit von Firmen begrenzen, ihre Angestellten auf Drogen untersuchen zu lassen. Eine solche mögliche Einschränkung stösst bei der Bank Nordea, wo neu angestellte Mitarbeiter seit über zehn Jahren einem Drogentest unterzogen werden, auf wenig Verständnis: «Bei uns hat sich niemand über diese Tests beschwert», sagt Berit Ohlsson, Gewerkschaftsvertreterin bei Nordea. «Sie sind für die Mitarbeiter zu etwas Selbstverständlichem geworden.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.10.2009, 04:00 Uhr
6 KOMMENTARE
Total dagegen! Damit wird dem Arbeitgeber wiedermal Tür und Tor geöffnet seine Angestellten nach Lust und Laune durchzufilzen. Drogen, BodyMassIndex, Blut und Leberwerte, Gentest ob in 10 Jahren eine mögliche Krankheit droht. NEIN! Sofort im Keim ersticken solche Geschichten! Verdachtsmomente sind wieder eine andere Geschichte, aber Massentestest oder Stichproben, NEIN!
Kokain oder Profit? Egal. Ausser dass es bei der Droge namens "Profit" 100% auf Kosten anderer geht.
Beamte und Politiker sind von solchen Tests natürlich ausgeschlossen, und Kinder von besseren Steuerzahlern.
Was zum Teufel geht einen Arbeitgeber den Koks-Konsum "seiner" (...) Angestellten nach Feierabend an??? Und was wird mit Personen gemacht, die keinen Abend und kein Wochenende ohne Alkohol ertragen und können?
Wetten, dass jetzt einige Spitzenkräfte bzw Talente, die diesen Bericht lesen, weiche Knie bekommen? Keine Bange, Entzugskuren gib's auf Spesen!
Bravo, dass müsste bei allen Banken gemacht werden und zwar alle auch ganz oben ohne Ausnahme.
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