Wirtschaft
Bankgeheimnis: Konrad Hummler sagt leise Ade
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 21.06.2009
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Die Botschaft über das Ende des Bankgeheimnisses ist auch bei den Privatbankiers angekommen. Um präzis zu sein: das Ende jenes Teils des Bankgeheimnisses, das Steuerflüchtige schützt. Konrad Hummler, Präsident der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers, brachte es an der Mitgliederversammlung am Freitag in St. Gallen mit folgendem Satz auf den Punkt: «Die Geschäftsmodelle, die mithilfe des Bankgeheimnisses vor einer Besteuerung schützen, müssen (...) überdacht werden.»
Es ist nicht Einsicht, die Hummler zum Umdenken bringt. Nicht das Einsehen, dass der Schutz von Steuerhinterziehern moralisch anrüchig sein könnte. Im Gegenteil: Der St. Galler Bankier zog gegen die «Ethik-Gurus an der hiesigen Universität» vom Leder. Ihre Gleichsetzung von Steuerehrlichkeit und Moralität wirke schon «sehr simplifizierend». Denn: «Es ist aus meiner Sicht mehr als fraglich, ob der dem Staat zugehaltene Steuerertrag letztlich nicht mehr denn weniger Übel angerichtet hat.»
Kecker Finanzminister – wer wohl?
Es ist die messerscharfe Analyse des Pragmatikers Hummler, der dennoch den Privatbankiers rät, vom fiskalischen Bankgeheimnis Abschied zu nehmen. Denn er hat erkannt, dass nach allen Übertreibungen und Skandalen in der Finanzbranche die Moralisten die Oberhand gewonnen haben: «Seien wir uns bewusst: So einfach denkt derzeit auch der Mainstream.» Ohne Umdenken sei deshalb die Gefahr zu gross, «dass unsere Kunden wie auch wir Bankiers als deren Dienstleister (...) vom Ausland her kriminalisiert werden». Die USA hätten es im Fall UBS vorgezeigt. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis «ein kecker europäischer Finanzminister» auf ähnliche Ideen komme.
Hummler fordert klare Regeln. Er schlägt die Einführung einer Abgeltungssteuer vor – eine Quellenbesteuerung von Kapitalerträgen. Gleichzeitig verbittet er sich jede «rückwirkende Kriminalisierung» bisheriger Bankkunden des Finanzplatzes Schweiz. Gratis will er das Asyl für Steuerscheue aber nicht preisgeben. Er verlangt vom Ausland als Gegenleistung die volle Dienstleistungsfreiheit, also die Marktzulassung der Schweizer Banken ohne Einschränkungen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.06.2009, 09:35 Uhr
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