Barclays wollte sich die UBS schnappen

Aktualisiert am 16.03.2010 18 Kommentare

Die UBS soll für die britische Grossbank Barclays im Sommer 2008 das Übernahmeobjekt Nummer eines gewesen sein. Heute dürfte sie froh sein, dass sie damals nicht zugriff.

Wollte sich die UBS einverleiben: Barclays Bank (im Bild: Bankomatenreihe in London).

Wollte sich die UBS einverleiben: Barclays Bank (im Bild: Bankomatenreihe in London).
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Im frühen Sommer 2008 machten Gerüchte um eine Übernahme der stark angeschlagenen UBS (UBSN 11.15 -0.89%) die Runde. HSBC sei interessiert, hiess es in der Presse. Auch der Name der Grossbank Barclays fiel. Analysten verwiesen diese Spekulationen damals ins Reich der Märchen; sie seien bewusst lanciert worden, um die Kurse nach oben zu bewegen.

Wie die «Financial Times» heute berichtet, hatten die Gerüchte indes durchaus einen wahren Kern: Trotz ihrer stark aufgeblähten Bilanzsumme und trotz der faulen Kredite in Milliardenhöhe war die UBS damals das favorisierte Übernahmeobjekt von Barclays gewesen. Laut FT präsentierte die Spitze von Barclays Capital, die Investmentsparte der Bank, an einer Sitzung im Juli 2008 die UBS «als beste Option», noch vor Lehman Brothers. Das bestätigten mehrere damalige und heutige Barclays-Manager. Die UBS selbst wollte den Bericht gegenüber baz.ch/Newsnet nicht kommentieren.

Privatbanking als Zückerchen

Von einer Fusion mit der UBS erhoffte sich Barclays Capital die globale Marktführerschaft im Aktiengeschäft zu übernehmen. Damit hätte sie ihr eigenes bereits starkes Fixed-Income-Geschäft (Obligationen, Währungen, Rohstoffe) ergänzen können. Als Juwel in der Krone galt aber das Vermögensverwaltungsgeschäft der UBS. Hier war die UBS damals weltweit führend. Zum Deal kam es dann bekanntlich aber nicht: Barclays griff stattdessen einige Wochen später bei Lehman zu und kaufte das Nordamerika-Geschäft der Investmentbank.

Den Plan einer Übernahme der UBS hatte die Bankführung von Barclays gefasst, nachdem sie gescheitert war, die marode niederländische Bank ABN Amro zu übernehmen. Den Zuschlag erhielt stattdessen eine Gruppe anderer Finanzkonzerne. Zwei Banken des Konsortiums, Royal Bank of Scotland Group und Fortis, überlebten danach nur dank Milliardenzuschüssen des Staates.

Verschrobene Wahrnehmung

Die Übernahmegelüste von Barclays sagen einiges über die damalige, verschrobene Wahrnehmung der Bankmanager in London aus: Selbst inmitten der grössten Finanzkrise seit der grossen Depression hätten sie nicht davor zurückgeschreckt, das Geld der Bank in ein so stark angeschlagenes Unternehmen wie die UBS zu stecken. Heute dürften die Manager von Barclays erleichtert sein, dass die Fusion nicht geklappt hat: Seit Juni 2008 musste die UBS toxische Papiere in der Höhe von über 50 Milliarden Franken abschreiben, Kunden zogen seither Vermögen in der Höhe von über 200 Milliarden Franken ab. Und noch ist die Bank nicht aus den roten Zahlen.

(dvp)

Erstellt: 16.03.2010, 12:43 Uhr

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18 Kommentare

Heinz Martin

16.03.2010, 13:51 Uhr
Melden

Ich kann das gejammere der sogenannten "Mittelschicht" über Boni gar nicht mehr höhren! Holt Euch doch so eine Ausbildung zum Chartered Financial Analyst doch einfach selber! Mal sehen ob Ihr es überhaupt schafft! Antworten


Beat Bünzli

16.03.2010, 12:58 Uhr
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Hauptsache die Boni fliessen rekordmässig. Ist zwar nicht nachvollziehbar, aber die Ausreden werden trotzdem akzeptiert. Antworten



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