Wirtschaft

«Bolliger betreibt Rufschädigung»

Aktualisiert am 28.12.2009

Nach seiner Attacke gegen die Discounter Aldi und Lidl muss Migros-Chef Herbert Bolliger selbst Kritik einstecken – von Wirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger.

Bolliger betreibt seiner Ansicht nach Interessenvertretung: Reiner Eichenberger.

Bolliger betreibt seiner Ansicht nach Interessenvertretung: Reiner Eichenberger.

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In einem Interview mit der Zeitung «Sonntag» beklagte Migros-Chef Bolliger die Preispolitik der deutschen Discounter: «Die Preisdrückerei in Deutschland schwappt auf die Schweiz über.» Das sei eine «ungesunde Entwicklung, die auch hierzulande volkswirtschaftliche Probleme verursacht».

Die Besitzer von Alid und Lidl würden die Preise auf Kosten von Produzenten und Mitarbeitenden drücken. Der volkswirtschaftliche Schaden sei enorm.

Höhere Preise hätten «verheerende Folgen»

Falsch, kontert nun Wirtschaftsprofessor Eichenberger im Interview mit der «Mittelland-Zeitung» vom Montag. Es sei vielmehr so, dass höhere Lebensmittelpreise «verheerende Folgen» für die Volkswirtschaft hätten. Überhaupt sorge sich Bolliger «weder um die Volkswirtschaft noch um die Konsumenten». Er betreibe Interessenvertretung.

Jahrzehntelang hätten Migros und Coop überhöhte Preise von den Konsumenten verlangt, sagt Eichenberger. Dies hätte den beiden Detailhändlern überdurchschnittlich hohe Margen eingebracht - und Managern wie Bolliger «ein angenehmes Leben» beschert.

Korrekte Löhne zwingend

Der Markteintritt in der Schweiz von Aldi und Lidl brächten langfristig tiefere Preise von 20 bis 30 Prozent. «Das hat die Migros jetzt erkannt», sagt Eichenberger. «Nun wird versucht, gezielt den Ruf von Aldi und Lidl zu schädigen, um zu verhindern, dass die Preise allzu schnell fallen».

Auch Bolligers Vorwurf der Lohndrückerei lässt der Wirtschaftsprofessor nicht gelten. Der Migros-Chef spreche nur von Deutschland. In der Schweiz dagegen seien Aldi und Lidl auf leistungsfähige und motivierte Angestellte angewiesen, «und die müssen sie auch korrekt entlöhnen».

Preisdruck wird zunehmen

Der von Bolliger beklagte Preisdruck wird laut Eichenberger nicht nachlassen. Im kommenden Jahr würden die Preise je nach Produkt zwischen 3 bis 8 Prozent sinken.

Der Preiskampf im Detailhandel hat Grossverteiler Migros 2009 zu spüren bekommen: Der Umsatz wird auf Vorjahresniveau stagnieren. Und auch für das kommende Jahr stellte Bolliger lediglich gleichbleibende Umsätze in Aussicht. (oku/sda)

Erstellt: 28.12.2009, 15:00 Uhr

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