Boykott-Aufrufe gegen Schweizer Firmen

Von Andreas Flütsch und Richard Diethelm. Aktualisiert am 01.12.2009

Das Minarettverbot führt zu Drohungen gegen Nestlé und Swatch. Hoteliers klagen, Economiesuisse sei zu wenig engagiert gewesen.

Empört: Auf Facebook gibts bereits mehrere Gruppen, mit Hunderten Mitgliedern, die einen Boykott gegen die Schweiz fordern.

Empört: Auf Facebook gibts bereits mehrere Gruppen, mit Hunderten Mitgliedern, die einen Boykott gegen die Schweiz fordern.

Am Tag nach dem Minarettverbot starten islamische Websites erste Aufrufe. «Boykottiert Schweizer Produkte», steht auf Ummah.com. Geeignet seien vor allem Konsumprodukte von Bally, Caran d’Ache, Lindt & Sprüngli über Nestlé, Novartis bis zu Omega, Swatch und Rolex. Speziell Nestlé und Swatch solle man meiden, fordert ein Muslim aus Chicago, der den Aufruf startete.

Das Forum von Pakpassion.net empfiehlt Nestlé-Produkte wie Kaffee, Milchprodukte, Snacks, Mineralwasser und Kosmetika zum Boykott. Den Aufruf der Africa Muslim Party aus Südafrika, nicht in die Schweiz zu reisen und Schweizer Produkte zu meiden, haben knapp 50 Muslime unterzeichnet.

Genfer Regierung in Sorge

Noch sind weder Nestlé noch Swatch Group beunruhigt. «Wir sind zuversichtlich, dass die muslimische Welt anerkennt, dass Nestlé stets die Bedeutung von gegenseitigem Respekt und Toleranz unterstreicht», sagte eine Sprecherin. Swatch Group ist enttäuscht über das Ja, aber «nicht beunruhigt», sagte eine Sprecherin. Der Konzern stehe für Qualitäten wie weltoffen, multikulturell und tolerant. Holcim und Novartis sehen noch keine Reaktionen. Auch ein Topmanager der CS stufte mögliche Folgeschäden gegenüber der «New York Times» als gering ein.

«Wir haben keine Anzeichen, dass sich das Reiseverhalten muslimischer Gäste ändern wird», lässt Schweiz Tourismus verlauten. Wichtig sei «primär die touristische Attraktivität einer Destination». Genfs Regierungspräsident David Hiler dagegen befürchtet negative Folgen: Es brauche «grosse Überzeugungskraft des Bundesrats, um schädliche Effekte zu verringern.» Nächsten Sommer werde man wissen, ob Touristen aus den Golfstaaten, die vor der Sommerhitze in die Rhonestadt flüchten, ausbleiben. Mit 175 000 Logiernächten waren die Golfstaaten 2008 die fünftwichtigste Herkunftsregion von Touristen in Genf.

«Grösste Wichtigkeit»

«Für uns hatte das Thema grösste Wichtigkeit, für andere Verbände offensichtlich weniger», sagt Hotelleriesuisse-Präsident Guglielmo Brentel: «Es gab nicht mal richtige Gegenplakate gegen die liederlichen Plakate der Initianten, die zum Schaden der Schweiz in der Weltpresse gezeigt werden.» Brentel ist enttäuscht von Economiesuisse und Gewerbeverband: «Das Engagement der Verbände gegen die Initiative hätte grösser sein müssen. Das wird uns eine Lehre sein für nächstes Mal.»

Die Arabisch-Schweizerische Handelskammer in Genf äussert sich nicht: «Wir haben Freunde auf beiden Seiten.» Das Risiko von Vergeltungsmassnahmen sei gering, heisst es. Die Krise in Dubai überdecke das Ja in der Schweiz. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.12.2009, 08:25 Uhr

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