Wirtschaft

CS mit Gewinnrückgang – Aktie unter Druck

Aktualisiert am 22.07.2010 2 Kommentare

Die CS hat im zweiten Quartal einen Reingewinn von 1,6 Milliarden Franken erzielt. Das ist mehr, als die Analysten erwartet hatten. Die Aktie fällt trotzdem. baz.ch/Newsnet hat die Medienkonferenz live übertragen.

Die Lage bleibt angespannt: Hauptsitz der CS in Zürich.

Die Lage bleibt angespannt: Hauptsitz der CS in Zürich.
Bild: Credit Suisse

(bru)

  • Zusammenfassung  

    Credit Suisse verliert an Glanz

    Ganz so glänzend wie zu Jahresbeginn hat die Grossbank Credit Suisse im zweiten Quartal nicht mehr abgeschnitten: Der Reingewinn sank im Vergleich zum Vorquartal um 22 Prozent auf 1,6 Milliarden Franken. Die Grossbank bewegt sich damit aber auf dem Niveau des Vorjahres.

    Die Credit Suisse (CS) spürte insbesondere die schwierigeren Marktverhältnisse im Investmentbanking. Namentlich das Anleihengeschäft verlief im letzten Quartal harzig, während der Aktienhandel und das Emissions- und Beratungsgeschäft gut liefen. Der Nettoertrag der Konzernsparte ist insgesamt um über ein Fünftel eingebrochen.

    Mit 784 Millionen Franken betrug der Vorsteuergewinn der Investmentbank im zweiten Quartal nicht einmal mehr halb so viel wie von Januar bis März. Die CS verdiente mit dem Investmentbanking sogar weniger als mit der Vermögensverwaltung (Private Banking), die einen Quartalsgewinn von 874 Millionen Franken auswies.

    Damit blieb das Geschäft mit vermögenden Kunden (Wealth Management) und Schweizer Klein- und Firmenkunden im Vergleich zum ersten Quartal stabil. Einen Gewinnrückgang von fast 90 Prozent auf 22 Millionen Franken musste die CS dagegen beim Asset Management, also mit der institutionellen Vermögensverwaltung und den alternativen Anlagen, hinnehmen.

    Als hoch bezeichnet die CS den Zufluss neuer Kundengelder. Dieser belief sich konzernweit auf netto 14,5 Milliarden Franken, wobei 13,8 Franken bei der Vermögensverwaltung und knapp 1,3 Milliarden Franken beim Asset Management verbucht werden konnten. Im Vergleich zum Vorquartal, als der Nettoneugeldzufluss 26 Milliarden Franken betagen hatte, konnte die Bank aber deutlich weniger neue Kundengelder verzeichnen.

    Deutsche nehmen Geld von Schweizer Konten

    Keine neuen Angaben machten Konzernchef Brady Dougan und Finanzchef Renato Fassbind am Donnerstag zu den Hausdurchsuchungen in den deutschen CS-Niederlassungen respektive zum mutmasslichen Diebstahl von Kundendaten. Die CS tue alles, um die Unsicherheit möglichst schnell aus dem Weg zu räumen, sagte Dougan einzig.

    Die Bank sei überzeugt davon, sich immer gesetzestreu verhalten zu haben und kooperiere daher mit den Behörden. Dougan verneinte zudem, dass die CS mit den deutschen Behörden Verhandlungen über eine Beilegung der Probleme führe.

    Zu spüren bekommen hat die CS die Affäre um die CD mit gestohlenen Bankdaten und die Razzien in ihren Filialen dennoch: Im Deutschland-Geschäft kam es gemäss Dougan zu minimalen Abflüssen von Kundengeldern.

    Walter Berchtold, Leiter des Vermögensverwaltungsgeschäfts, präzisierte allerdings, dass nur in der Schweiz verbuchte deutsche Kundengelder abgeflossen seien. In Deutschland selbst habe im zweiten Quartal ein Zufluss von Kundengeldern resultiert.

    Warnung vor strenger Regulation

    Vor den Medien strichen Dougan und Fassbind auch die Solidität ihres Instituts heraus. Dieses müsse sich regelmässig den Stresstests der Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) stellen, die deutlich strenger seien als jene der Europäischen Zentralbank (EZB).

    Er sei überzeugt davon, dass die CS aus den europäischen Stresstests als eine der bestkapitalisierten Banken hevorgehen werde, sagte Dougan. Er verwies auf den ständigen Dialog mit den Regulationsbehörden und den bereits ergriffenen Massnahmen.

    Der CS-Chef warnte aber auch vor negativen Auswirkungen auf den Finanzplatz Schweiz und die Realwirtschaft des Landes, falls die hiesige Regulation deutlich schärfer ausfallen würde als jene in anderen Ländern.

  • Interview mit Dougan  

    «Wir haben im zweiten Quartal ein gutes Resultat erzielt, wenn man die schwierigen Marktbedingungen in Betracht zieht», sagt CS-Chef Brady Dougan gegenüber Cash.ch. Natürlich sei das Investment Banking betroffen gewesen von den Bedingungen, so Dougan weiter. Die Leistung des CS-Investment-Banking sei aber, verglichen mit der Konkurrenz, ziemlich stark gewesen, so Dougan.

  • Börsenkurs  

    Um 9.11 Uhr notiert die Aktie der CS bei 43.10 Franken (-2,6 Prozent). Obwohl die Erwartungen der Analysten für den Reingewinn im zweiten Quartal deutlich übertroffen wurden, ist die Aktie stark unter Druck geraten. Das dürfte auch am schlechten Resultat im Bereich Investment Banking liegen. Dort betrug der Vorsteuergewinn 784 Millionen Franken. Hier hatten Analysten mit einem höheren Gewinn von zwischen 1 und 1,3 Milliarden Franken gerechnet.

    Auch unter Berücksichtigung von Sonderfaktoren hat die Grossbank die Analysten-Erwartungen indes verpasst. Dies zeigt sich insbesondere darin, dass Branchenbeobachter für alle drei Geschäftsfelder ein besseres Vorsteuerergebnis erhofft hatten.

    Enttäuscht waren die Experten insbesondere vom Nettoneugeldzufluss, der in der privaten Vermögensverwaltung die Erwartungen zu erfüllen vermochte, in der institutionellen Vermögensverwaltung und bei den alternativen Produkten (Asset Management) aber schwächer ausfiel.

  • Stresstest  

    An einer Telefonkonferenz ging CS-Finanzchef Renato Fassbind auf die Stresstests ein, denen die europäischen Banken ausgesetzt wurden und deren Ergebnisse heute publiziert werden. Die Credit Suisse müsse stattdessen regelmässig die Stresstests der Schweizer Finanzaufsicht (Finma) bestehen, sagte Fassbind.

    Da diese deutlich strenger als jene der Europäischen Zentralbank (EZB) seien, sei er überzeugt davon, dass die CS aus den europäischen Stresstests als eine der bestkapitalisierten Banken hervorgehen würde, sagte er.

    Gleichzeitig warnte Fassbind davor, dass die Schweizer Behörden in ihren regulatorischen Massnahmen weiter gehen als andere Länder. Dies könnte negative Auswirkungen auf den Schweizer Finanzplatz und die Realwirtschaft haben.

  • Sonderfaktoren  

    Die britische Bonisteuer ist indes nicht der einzige Sonderfaktor, der das Quartalsergebnis der Credit Suisse beeinflusste. Durch eine Steuervergütung infolge eines Zusammenschlusses von Rechtseinheiten konnte die Bank auch eine Steuergutschrift von 552 Millionen Franken verbuchen. Für Rechtsstreitigkeiten wiederum hat die CS 216 Millionen Franken zurückgestellt.

    Die Neubewertung des Fremdkapitals in der Bilanz wiederum hat der Bank einen buchhalterischen Gewinn von 922 Millionen Franken beschert.

  • Britische Bonisteuer  

    Die Sondersteuer in Grossbritannien auf hohe Managerboni belastet das Quartalsergebnis der Credit Suisse merklich. Die Grossbank weist den durch die Steuer verursachten zusätzlichen Personalaufwand in ihrer Medienmitteilung mit 447 Millionen Franken aus.

    Mit den Steuereinnahmen aus der Bonisteuer will Grossbritannien die Banken an den Kosten für staatliche Rettungsaktionen während der Finanzkrise beteiligen. Gemäss Angaben von Anfang Jahr hat die CS ihrem oberen Kader in London aber aufgrund der Steuer die variablen Lohnzahlungen gekürzt.

  • Reaktion des Chefs  

    Konzernchef Brady Dougan ist mit dem Ergebnis zufrieden. Die CS habe trotz schwieriger Bedingungen im Bankensektor ein gutes Ergebnis erzielt. Der anhaltende Geldzufluss in der Vermögensverwaltung und die wachsenden Marktanteile im Investment Banking und dem institutionellen Geschäft in der Schweiz unterstrichen die Marktstärke der Bank.

  • Geldzufluss  

    Konzernweit verzeichnete die Credit Suisse einen Nettozufluss von Kundengeldern in Höhe von 14,5 Milliarden Franken. In den ersten drei Monaten des Jahres war dieser mit 26,0 Milliarden Franken noch deutlich höher ausgefallen.

    Die Hausdurchsuchungen in den deutschen Niederlassungen der Credit Suisse sowie der mutmassliche Diebstahl von Kundendaten verunsichern die deutschen Kunden. Laut CS- Finanzchef Renato Fassbind ist diese Verunsicherung leicht spürbar beim Zufluss neuer Kundengelder in Deutschland.

  • Private Banking  

    Mit einem Minus von 2 Prozent praktisch stabil war das Geschäftsergebnis bei der Vermögensverwaltung (Private Banking). Aus diesem Bereich meldet die Grossbank einen Vorsteuergewinn von 874 Millionen Franken sowie einen «hohen Netto-Neugeldzufluss, insbesondere im internationalen Geschäft».

  • Investment Banking  

    Der Rückgang des Gewinns um 22 Prozent gegenüber dem Vorquartal ist namentlich auf ein tieferes Ergebnis im Investment Banking zurückzuführen.

    In diesem Geschäftsbereich sank der Nettoertrag aufgrund der schlechten Marktsituation um 21 Prozent. Namentlich das Anleihengeschäft verlief im letzten Quartal harzig. Dagegen seien die Erträge im Aktienhandel und im Emissions- und Beratungsgeschäft gut.

    Der Vorsteuergewinn des Investment Banking ging gegenüber dem Vorquartal aber dennoch um mehr als die Hälfte auf 784 Millionen Franken zurück.

  • Die ersten Zahlen  

    Die ersten Zahlen sind da: Die Credit Suisse machte im zweiten Quartal einen Reingewinn von 1,6 Milliarden Franken. Damit werden die Erwartungen der Analysten übertroffen (siehe unten: «Vor der Präsentation»).

    Im Vergleich zum Vorquartal ist der Gewinn der Grossbank dennoch um 22 Prozent gesunken – erwartet wurde ein Rückgang von 40 Prozent. Tiefer ausgefallen ist dabei das Ergebnis aller drei Geschäftsbereiche.

    Rückläufig war auch der Zufluss neuer Kundengelder.

  • Vor der Präsentation  

    Der Gewinn der Credit Suisse wird im zweiten Quartal nach Einschätzung der Experten gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal um gut ein Fünftel gesunken sein, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt.

    Der Reingewinn wird von den Analysten mit einer Spanne zwischen 1,23 und 1,33 Milliarden Franken geschätzt – das sind 40 Prozent weniger als im ersten Quartal 2010.

    Investmentbanking leidet besonders

    Wie Reuters weiter schreibt, dürfe der Gewinnrückgang nicht überraschen. Das zweite Quartal sei geprägt von der EU-Schuldenkrise, was sich bremsend auf die Investitionstätigkeiten der Anleger und somit negativ auf die Börsen und Kapitalmärkte auswirke. In solchen Situationen leide bei den Banken traditionell das schwankungsanfällige Investmentbanking.

    So erwarten dann Analysten beim CS-Invetsmentbanking einen deutlichen Rückgang des Vorsteuergewinns auf 1,04 Milliarden Franken. Im Vorjahresquartal waren es noch 1,66 Milliarden Franken.

    Die Aktie der Credit Suisse hat in diesem Jahr bereits 16 Prozent verloren. Eine negative Überraschung könnte den Druck auf die Aktie weiter erhöhen.

Erstellt: 21.07.2010, 23:57 Uhr

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2 Kommentare

Hansueli Zürcher

22.07.2010, 09:36 Uhr
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Jetzt muss auch die CS über die Bücher und wird dann feststellen, dass es nie wieder so wird wie vor der Kriese. Geschäfte die sich sehr nahe bei Betrug ( am einfachen Volk ) bewegen können nicht ewig gut gehen. Die Einkommens-Schere ist schon viel zuweit geöffnet! Antworten


Ed Berg

22.07.2010, 12:27 Uhr
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Früher oder später wird man über den Casino-Kapitalismus als bisher grösstes Vermögensumverteilungssystem der Menschheit und das einhergehende Versagen der Politik nur noch den Kopf schütteln. Denn schlussendlich zahlt der Konsument / Bürger an der Basis die Preise / Steuern für die Löhne der wenigen Investment-Banker. Deshalb ist ein Gewinneinbruch der Sparte Investment AUCH EINE GUTE NACHRICHT. Antworten



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