Wirtschaft

Clariant schliesst Produktion in der Schweiz fast vollständig

Aktualisiert am 16.02.2010 28 Kommentare

Der Baselbieter Spezialchemie-Konzern Clariant hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 194 Millionen Franken eingefahren und will 500 weitere Stellen streichen – ein Grossteil davon in Muttenz. Arbeitsplätze werden nach Asien und Spanien verlegt.

Vom Abbau betroffen: Das Clariant-Werk in Muttenz.

Vom Abbau betroffen: Das Clariant-Werk in Muttenz.
Bild: Keystone

Artikel zum Thema

Stichworte

SwissquoteExklusiver Trading-Partner

[Alt-Text]

400 davon werden im Baselbieter Muttenz verschwinden. Konkret werden in den nächsten drei bis vier Jahren die Produktion von Farbstoffen und Chemikalien für die Textilindustrie (Textile Dyes und Textile Chemicals) nach Asien und die Produktion von Chemikalien für die Papierindustrie (Paper Chemicals) nach Spanien verlagert.

Nach Angaben von Konzernchef Hariolf Kottmann beschäftigt Clariant (CLN 10.2 -0.97%) in der Schweiz derzeit noch 1400 Angestellte. Nach dem erneuten Abbau werden es demnach noch 1000 sein, wovon noch rund 100 in der Produktion tätig sein werden.

Bereits 2009 hat Clariant seinen weltweiten Stellenbestand von 20'100 auf rund 17'500 reduziert. Wegrestrukturiert wurden vor allem Büroarbeitsplätze in der Verwaltung und im Verkauf, wodurch die Verwaltungs- und Verkaufskosten 2009 von 1,64 Milliarden auf 1,47 Milliarden Franken sanken.

Nachfrage leicht angezogen

Mit dieser Restrukturierung in der Verwaltung kämpfte die Clariant-Führung allerdings nicht gegen den krisenbedingten Umsatzrückgang des letzten Jahres, sondern mit den strukturellen Problemen des Konzerns. Der jüngste Nachfrageeinbruch konnte Clariant dagegen mit temporären Werkschliessungen, mit dem Abbau von Überzeit und mit Kurzarbeit auffangen.

Zudem hat die Nachfrage gegen Ende des Jahres wieder leicht angezogen, was sich in einem Umsatzwachstum von 2 Prozent im vierten Quartal niederschlug. Übers ganze Jahr fiel der Umsatz des Spezialitätenchemiekonzerns um 18 Prozent auf 6,61 Milliarden Franken.

Der Nachfragerückgang drückte auch auf das Betriebsergebnis (EBIT), das die Restrukturierungskosten nicht miteingerechnet um 49 Prozent auf 270 Millionen Fr. sank. Die Kosten für den Unternehmensumbau dazugezählt verzeichnete Clariant gar einen Betriebsverlust von 20 Millionen Franken.

Stellenabbau geht weiter

Für die kommenden Monate hat sich die Clariant-Führung vorgenommen, die Produktion für die Zukunft fit zu trimmen. Einen ersten Abbau von 570 Stellen hat das Unternehmen bereits im November kommuniziert. Geplant ist nebst der Produktionsverlagerung von Muttenz nach Asien respektive Spanien auch eine Stilllegung von Teilen der Fabrik im brasilianischen Resende.

Geschlossen werden sollen zudem die Werke im indischen Thane und - wie bereits bekannt - in Milford (USA) und Lachine (Kanada). Kottmann liess am Dienstag vor den Medien durchblicken, dass es im Laufe der nächsten Monaten noch weitere Werkschliessungen geben könnte und der Abbau weiterer Stellen bekannt gegeben werden müsse.

15 Jahre zu spät

Der grundlegende Unternehmensumbau bei Clariant hat seine Ursachen in der Veränderung des Marktes. «Clariant hinkt der Produktionsverlagerung an Standorte wie Asien 10 bis 15 Jahren hinterher», sagte Kottmann vor den Medien. So importiert Clariant heute etwa Rohstoffe von China in die Schweiz, um daraus Farbstoffe für die Textilindustrie in China herzustellen.

Das sei gegen jegliche wirtschaftliche Logik und schädige die Wettbewerbsfähigkeit von Clariant ernsthaft, so Kottmann. Die Produktionsverlagerung und die Personalreduktion seien daher unabdingbar, um die Zukunft von Clariant zu sichern.

Das Spezialchemieunternehmen hat nicht erst letztes Jahr, sondern bereits 2006 und 2007 einen Verlust verzeichnet. Daher werden die Aktionäre erneut auf eine Dividende verzichten müssen, wie am Dienstag bekannt wurde. Clariant scheint zudem auch in der Gunst der Anleger gesunken zu sein: Die Aktie verlor nach Bekanntgabe der neuen Restrukturierungen am Dienstag bis um 15.00 Uhr 5,5 Prozent an Wert. (amu/tan/sda)

Erstellt: 16.02.2010, 15:58 Uhr

28

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

28 Kommentare

Urs Gautschi

16.02.2010, 08:45 Uhr
Melden

Das bedeutet also, dass in absehbarer zukunft Clariant KEINE Produktion mehr in Muttenz haben wird. Nur noch der "Wasserkopf" von Clariant international. Auch dieser dürfte sich noch verlegen lassen... Und dann wird diese Firma salopp gesagt in der Schweiz nicht mehr present sein. Tragisch für alle guten, jahrelang treuen Mitarbeiter. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Gewerkschaften durchsetzen. Antworten


Markus F. Baumgartner

16.02.2010, 10:30 Uhr
Melden

Keine Angst, nach dem vollzogenen Stellenabbau wird im nächten Quartal die Bilanz wieder schwarze Zahlen schreiben ...und DIES auf dem Buckel der entlassenen Angestellten. Wann wird endlich eine Busse fürs Entlassenwerden eingeführt damit die Arbeitslosenkasse nicht auf dem Buckel der Steuerzahler ausgetragen wird ? Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!