Wirtschaft
Coop importiert Nutella selber, doch der Konsument zahlt gleich viel
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 17.08.2011 49 Kommentare
Dossiers
Artikel zum Thema
- Migros senkt die Preise von über 500 Artikeln
- Coop kippt Uncle Ben's und Kinder-Schokolade aus dem Sortiment
- Grenzgänger wurden diskriminiert
- Innenstadt-Geschäfte senken Preise
- Wenig Sympathien für das Hilfspaket
Konsumenten verzichten gerne auf Markenprodukte: Befragung vor einer Coop-Filiale in Zürich. (Video: Simon Schmid)
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Coop importiert derzeit praktisch alle Ferrero-Produkte, die nicht gekühlt werden, auf eigene Faust. «Seit 1. Juni liefern wir keine Produkte aus dem gängigen Ferrero-Portfolio (etwa Nutella oder die Kinder-Produkte) mehr an Coop», heisst es bei Ferrero Schweiz. Coop-Sprecher Urs Meier erklärt, weshalb: «Die Einkaufskonditionen haben sich seit Dezember 2010 derart verschlechtert, dass wir seither immer mehr Produkte selbst importieren.» Und die gekühlten Produkte des italienischen Multis sind inzwischen zusammen mit Artikeln von L’Oréal und Mars aus dem Sortiment des Grossverteilers geflogen.
Im Normalfall profitiert der Kunde von Parallelimporten, indem er weniger für das auf dem Graumarkt eingekaufte Produkt zahlt. Nicht bei Coop: Das 400-Gramm-Glas Nutella, das in Italien beschafft wurde und italienisch beschriftet ist, kostet mit 3.50 Fr. gleich viel wie vorher, als Coop in der Schweiz einkaufte. Sackt der Detailhändler Einkaufsvorteil und Währungsgewinn für sich ein und tut damit genau das, was Coop-Chef Hansueli Loosli den Multis vorwirft?
Nein, heisst es bei Coop. Der Paralleleinkauf lasse unter dem Strich schlicht keine Preissenkung zu. «Wir kommen zwar günstiger zum Produkt. Aber für die Logistik und die zum Teil neue Etikettierung fallen Mehrkosten an, zudem zahlt uns Ferrero keine Beiträge an Aktionen und Werbung, und auch die Gebühren für die Aufnahme ins Sortiment entfallen», sagt Sprecher Urs Meier.Wenn das Ganze ein Nullsummenspiel ist: Weshalb importiert Coop überhaupt parallel? «Wir wollen den Druck auf jene Lieferanten erhöhen, die überhöhte Einstandspreise fordern», sagt Meier. Um gleich anzufügen, dass der Erfolg bisher ausblieb – sonst hätte man ja keine Produkte aus dem Regal nehmen müssen.
Das Problem sind die Mengen
Konkurrent Migros importiert «immer mal wieder» Produkte parallel, meistens Körperpflegemittel wie Duschmittel und Deos, Babypflegeartikel oder Rasierklingen. «Die damit verbundenen Preissenkungen fliessen meistens in die grossen Preisrunden ein», sagt Sprecherin Martina Bosshard. Auch die Migros-Tochter Denner kann dank Beschaffungen im Parallelmarkt die Preise senken. Bei der Zahnpasta Elmex zum Beispiel erwirkte Denner so schon vor dem Absturz des Euro eine Preissenkung von 15 Prozent. Aktuell zahlen Denner-Kunden dank Parallelimporten auch bei Damenhygiene-Artikeln von Always, Rasierklingen Gillette Mach 3, Nivea-Crème und den Zahnpastamarken Meridol, Colgate und Dentagard günstigere Preise.
Beide Detailhändler bestätigen aber, dass Parallelimporte kein Wundermittel sind. «Wir können diese als Druckmittel verwenden», heisst es bei der Migros. Das funktioniere aber nicht bei allen Markenartikelherstellern. Zudem sei es meistens ziemlich schwierig, die Ware überhaupt zu beschaffen. «Die Migros braucht sehr grosse Mengen eines Produktes, damit sie alle Filialen bestücken kann – und diese sind auf dem Grau- und Parallelmarkt oft nicht erhältlich.»
Vielsprachigkeit als Problem
Denner-Sprecherin Grazia Grassi ergänzt, dass man keine Produkte in die Schweiz einführen dürfe, auf denen das Land der Herstellung nicht angegeben ist. Erschwert werden Eigenimporte auch durch die Warn- und Sicherheitshinweise, die in drei Sprachen verfasst sein müssen. «Bei o.b.-Tampons tauschten wir früher die Bedienungsanleitung aus, bevor das Produkt in den Verkauf kam», sagt Grassi. Heute importiere man die Tampons nicht mehr selber, weil die Einkaufspreise gesenkt worden seien.
Selbst der Discounter Lidl, der anders als Konkurrent Aldi viele Markenartikel im Sortiment hat, importiert «nur ganz wenige Produkte selber» beziehungsweise über den deutschen Hauptsitz, etwa die Schokoriegel von Mars oder die Nivea-Creme. «Parallelimporte scheitern oft an den Importeuren, den Schweizer Vorschriften oder Handelshemmnissen», sagt Sprecherin Paloma Martino. «Wir sitzen da im gleichen Boot mit allen anderen Händlern.»
Händler gehen ein Risiko ein
Ein Insider, der anonym bleiben will, nennt weitere Hürden, an denen Parallelimporte scheitern können. «Sie müssen einen anderen Detailhändler finden, der bereit ist, regelmässig einen Teil der Ware in die Schweiz abzuzweigen – und das ohne dass er allzu viel Marge dafür verlangt.» Fliegt die Sache auf, riskiere der Händler, vom Hersteller mit schlechteren Einkaufskonditionen bestraft zu werden. Auch jeder Händler, der etwas parallel importiere, müsse sich fragen, ob er so nicht riskiere, vom Importeur schlechter behandelt zu werden. «Es ist ein ständiger Spagat.» Kein Detailhändler weiss allerdings von konkreten Strafaktionen von Multis zu berichten.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 17.08.2011, 06:55 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
49 Kommentare
Vielsprachigkeit ist absolut kein Problem, hallo jetzt wollen die uns für total blöd verkaufen. Hat jemand ein Produkt aus der EU genau angesehen. Die sind ja meistens (80%+) in D, F, I, NL, SP, CZ, S, FIN etc. beschriftet. Diese Ausrede lass ich nicht gelten und verstehe den Journi nicht der dies nicht hinterfragt. Antworten
Coop zockt immer noch dort, wo er kann. Ein Liter Milch (Past-Milch, nicht UHT) kostet bei Coop über 20% mehr als bei anderen Grossverteilern wie Migros, Aldi, Lidl oder Denner. Migros wiederum räumt kostengünstige Normalprodukte wie z.B. Brot am Sonntag aus den Regalen und bietet nur überteuerte Spezial-Versionen an. Auch über die grosse Masse kann man bei Milch und Brot täglich abzocken. Antworten
Wirtschaft
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Bitte warten

