Wirtschaft
Coop verkauft Nespresso-Klone
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 18.05.2011 51 Kommentare
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Im September will die Ethical Coffee Company des früheren Nespresso-Chefs Jean-Paul Gaillard laut «Financial Times Deutschland» «mit einem grossen Handelspartner in Deutschland und der Schweiz auf den Markt kommen». Und das Wirtschaftsmagazin «Capital» weiss: «Rewe soll Insidern zufolge die Kapseln ins Sortiment aufnehmen.»
Gemäss Recherchen des TA handelt es sich beim Handelspartner in der Schweiz um Coop. Die Nummer zwei im hiesigen Detailhandel kooperiert auf diversen Ebenen mit dem deutschen Handelsgiganten Rewe. Wie der TA weiss, hat sich dieser bereits in einem frühen Stadium für die Alternativkapseln zu Nespresso interessiert. Coop bestätigte gestern lediglich, «unter anderem auch mit Herrn Gaillard von der Ethical Coffee Company in Kontakt zu stehen». Weitere Details könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommunizieren.
Gaillard selbst, der finanzstarke Partner wie die Benetton-Familie mit ihrer Edizione-Holding oder den französisch-italienischen Private-Equity-Fonds 21 Partners an seiner Seite hat, gab dazu keinen Kommentar ab.
Nespresso erhöht Preise nicht
Neben den Nespresso-Klonen von Denner, die nach der Aufhebung eines Verkaufsstopps durch das Handelsgericht St. Gallen seit Anfang April wieder verkauft werden, wird es also auch in der Schweiz schon bald eine zweite Kapsel geben, die in die Nespresso-Maschinen passt. Sie ist biologisch abbaubar und soll deutlich günstiger sein als die Edelkonkurrenz aus dem Hause Nestlé.
Immerhin wird Nespresso hierzulande nicht teurer: Anders als etwa in Frankreich, wo die Kapseln demnächst 6 Prozent aufschlagen, beabsichtigt Nespresso Schweiz zurzeit laut Geschäftsführer Pascal Hottinger nicht, die Kapselpreise zu erhöhen. «Die Preise hängen von verschiedenen Faktoren ab, die wir laufend überprüfen. Entscheidungen werden für jeden Markt individuell gefällt.»
Zum Nachahmen prädestiniert
Weltweit macht Nespresso unterdessen über 3 Milliarden Franken Umsatz. Mit Haushalten, Büros und der Gastronomie beträgt der Gesamtmarkt für portionierten Kaffee geschätzte 10 Milliarden Franken. Auf Basis von Daten des Marktforschers Nielsen schätzt Nestlé das Portionsgeschäft in den 14 wichtigsten Kaffeemärkten auf 8 Prozent der Menge, aber bereits 25 Prozent des Wertes. Kenner der Materie sprechen von Bruttomargen über 60 Prozent.Nespresso ist zwar das System mit der grössten Verbreitung. Aber die Kapseln dazu gibt es nur in exklusiven Boutiquen und via Internet, in aller Regel aber nicht im regulären Detailhandel.
Deshalb ist Nespresso prädestiniert für die Hersteller von Nachahmerkapseln. Um die unzähligen Patente von Nespresso dennoch zu verteidigen, beschäftigt Nestlé eine ganze Armada von Anwälten. Die Hersteller von Generikakapseln indes scheinen ihrer Sache ziemlich sicher zu sein. Sie gehen entschlossener zur Sache denn je. Etwa Sara Lee: Nach Holland und Frankreich, wo der US-Konzern wie auch die Ethical Coffee Company eine Klage von Nestlé am Hals hat, begann der Konsumgüterkonzern Anfang Mai auch in Spanien, seine Nespresso-Klone in den Supermärkten anzubieten.
In Frankreich habe man in einem Jahr mit 175 Millionen Kapseln deutlich mehr als erwartet verkauft, erklärte Sara Lee bei der Lancierung in Spanien. Vor Klagen habe man keine Angst, da die von der eigenen Forschung entwickelten durchsichtigen Kapseln aus Kunststoff sich ganz klar von jenen von Nespresso unterscheiden würden.
Pakt von Nestlé und Sara Lee?
Ethical-Coffee-Chef Gaillard hat seine eigene Theorie, weshalb sich Sara Lee so sicher fühlen kann: «Vieles deutet darauf hin, dass es zwischen Sara Lee und Nestlé eine Vereinbarung gibt», sagt er im Gespräch mit dem TA. Die Klage von Nestlé gegen den US-Konzern betreffe nicht die eigentliche Schwäche der Kapsel, die gemäss Patentanwälten tatsächlich ein Patent von Nestlé verletze, sondern einen Nebenschauplatz. Gaillard wirft Nestlé vor, mit Sara Lee seine marktbeherrschende Stellung künstlich zu schwächen. Nespresso bestreitet, mit irgendeinem Konkurrenten eine Vereinbarung getroffen zu haben.
Zumindest in der Schweiz wartet die Wettbewerbskommission immer noch auf Gaillards Argumente für die von ihm angeführte Beschränkung des Wettbewerbs durch Nespresso. «Solange keine Klage vorliegt, unternehmen wir nichts», so Vizedirektor Patrik Ducrey. Von Amtes wegen werde die Weko nicht tätig.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.05.2011, 07:33 Uhr
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51 Kommentare
Ich finds einfach störend das es die Kapseln nur im Nespresso-Shop gibt. Der Preis: Ja, eher teuer, aber der Kaffee ist wirklich gut und die Maschinen halten ewig. Nur mag ich nicht nach dem Einkaufen im Migros noch extra einen Umweg machen um im Pseudo-Luxus-Shop von Nespresso noch einmal an der Kasse anstehen zu müssen.. Antworten
Das ist das Schöne an Kaffeevollautomaten: Bester Geschmack und kompatibel zu allen Kaffeebohnen.
Zugegeben, sie sind teurer in der Anschaffung, aber die Tasse Kaffee kostet ungefähr 10 Rp und nicht über 50.
Da haben sich die Mehrkosten nach ungefähr 1-2 Jahren amortisiert und nebenbei hat man eine Menge Aluminiummüll vermieden.
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