Wirtschaft
Das grosse Abwerben der Frustrierten
Von Walter Niederberger. Aktualisiert am 10.01.2012 5 Kommentare
Banker-Entschädigungen sinken: Die Durchschnittslöhne bei Goldman Sachs (in 1000 Dollar). (Bild: TA-Grafik ib / Quelle: WSJ research; the companies)
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Wallstreet-Banker erhalten für 2011 deutlich tiefere Gewinnbeteiligungen. Sie zahlen so für massive geringere Gewinne und für die unsichere Lage an den Finanzmärkten. Doch hat sich die Einsicht in dieses veränderte Umfeld nicht voll durchgesetzt. Die Betroffenen fühlen sich betrogen. Einzelne Banken – darunter die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) – offerieren deshalb höhere Prämien, um verärgerte Berater anderer Banken abzuwerben.
Die Diskrepanz zwischen der neuen, durch tiefere Gewinne und ein schlechtes Image geprägten Realität und den Erwartungen der Banker ist grösser denn je. In einer Umfrage vom Herbst erklärten 62 Prozent der Banker an Wallstreet, ihre Boni sollten gleich gross oder sogar höher sein als 2010. Was sie erwartet, sind im besten Fall aber um 10 Prozent tiefere Boni, wie das «Wall Street Journal» am Beispiel des Branchenführers Goldman Sachs ( 96.7 -0.17%) berechnet hat.
Vom Topmanager bis zur Sekretärin
Hier dürften die Boni im Schnitt von 431'000 auf 385'000 Dollar sinken, wobei sämtliche Angestellte – vom Topmanagement bis zu den Sekretärinnen – erfasst werden. Weit stärker betroffen sind die rund 400 Partner von Goldman Sachs, die mit einem Teil ihres Privatvermögens an der Bank beteiligt sind. Ihre Gewinnanteile dürften um mindestens die Hälfte sinken. Auch müssen sich einzelne Händler auf einen Einschnitt von 60 Prozent und mehr einstellen.
Bei Morgan Stanley, ( 13.25 -0.45%) dem Erzrivalen von Goldman Sachs, sehen die Topverdiener 30 bis 40 Prozent tieferen Bonusbezügen entgegen. Auch die anderen Wallstreet-Häuser stehen gemäss einer Erhebung der Beratungsfirma Johnson Associates vor einem Bonuskuchen, der um etwa ein Drittel kleiner ist als 2010. Wie stark die Boni im Einzelfall gekürzt werden, wird sich in den kommenden Wochen zeigen, wenn die Banken ihre Jahresabschlüsse vorlegen werden.
Der Trend, der sich bei Goldman Sachs abzeichnet, deutet auf eine stärkere Differenzierung der Boni. In den klassischen Investmentbanken sind es die früheren Topverdiener, die am meisten zurückstecken sollen. So dürften die Partner von Goldman Sachs noch 3,5 bis 6 Millionen Dollar kassieren, mehr als die Hälfte weniger als in den goldenen Jahren vor der Finanzkrise von 2008. Dies ist eine direkte Folge der geringeren Geschäftsgewinne und der zusätzlichen Rückstellungen.
Spenden für gute Zwecke
Auch will Goldman Sachs 100 Millionen Dollar für gemeinnützige Zwecke spenden, um ihren erklärten Sinn für das Wohl der Allgemeinheit unter Beweis zu stellen. Trotzdem geht es Goldman Sachs vergleichsweise gut. Die Bank wird nach Angaben der Credit Suisse 44 Prozent ihres Profits in Form von Boni an ihre Angestellten und Partner auszahlen. Dies sind beinahe 13 Milliarden Dollar. Dagegen trifft es bei den Universalbanken die Berater und Verkäufer auf der unteren und mittleren Ebene stärker, wie das Beispiel der Bank of America zeigt. Sie hatte 2008 in der Finanzkrise die führende Vermögensverwalterin Merrill Lynch übernommen, deren Kundenberater als besonders aggressiv gelten und als «Thundering Herd» gefürchtet sind.
Die Bank of America drückte jedoch letztes Jahr ein Bonusprogramm durch, bei dem die Berater für verwaltete Vermögen von unter 250'000 Dollar keine Beteiligung mehr erwarten dürfen. Das Modell war als Anreiz gedacht, Kunden mit höheren Vermögen anzuwerben und somit den Gewinn zu steigern. Faktisch aber führte es dazu, dass auf rund 88 Milliarden Dollar des verwalteten Vermögens kein Bonus mehr bezahlt wird.
Auch die UBS ist am Fischen
Die Bank behält so 1,8 Milliarden Dollar an Gewinnanteilen zurück, die früher den Beratern zugestanden hätten. Die Folge: Mehr als je zuvor suchen Merrill-Lynch-Berater derzeit nach einer neuen Stelle. Im vergangenen Oktober etwa wechselte ein Team von fünf erfahrenen Beratern zu Morgan Stanley und nahm mehr als eine Milliarde Dollar an verwalteten Vermögen mit einem Profit von 14 Millionen Dollar mit sich.
Auch die UBS versucht, von der Verärgerung bei Merrill Lynch zu profitieren. Nach Angaben des Personalvermittlers Reed hob die UBS 2011 die Einstellungsprämie von 130 auf 180 Prozent des erzielten Jahresgewinns an und konnte so über ein Dutzend Berater abwerben. Topleute sind gesucht, da es in der Regel zehn Jahre braucht, bis sie ein Kundenvermögen von 100 Millionen Dollar erworben haben und damit einen Gewinn von mindestens einer Million Dollar abwerfen.
In London wollen einzelne Banker ihre Boni vor Gericht erstreiten. Sie müssten aber beweisen können, dass ihr Gewinnanteil unverhältnismässig stark gekürzt wurde. Dies dürfte umso schwieriger sein, als Banker noch immer sehr gut verdienen. Der Jahreslohn in New York lag 2010 bei 361'000 Dollar, über 13-mal höher als jener eines Durchschnittsverdieners. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.01.2012, 22:25 Uhr
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5 Kommentare
Wow, sie gehen vor Gericht! Vielleicht sollten sie sich gleich an die Europäische Menschenrechtskonvention stützen. Denn so wie mir die Politik und Wirtschaft es ständig vorleben, scheint es ein einklagbares Menschenrecht zu sein, viel Geld zu bekommen, wenn man erfolgreich eine Weltwirtschaft in die Wand fährt und andere bettelarm macht. Antworten
Es sind die Aktionäre oder Eigentümer die vom Management betrogen werden. Es bräuchte Klagen gegen die Pension- Rentenkassen Verwalter welche ihre Pflichten als Aktionäre verletzen und diesem Gebaren und letztendlich dem monetären Verlust der Versicherten nicht Einhalt gebieten. Die Presse welche die Eigentümer mit den Abzockern gleichstellt "subventioniert" diese Politik. Reich=schlecht, arm=gut! Antworten
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