Wirtschaft

Das sagen Brutschin und Jimenez zum Novartis-Abbau

Aktualisiert am 26.10.2011 25 Kommentare

Novartis will 760 Stellen in Basel streichen. Konzernchef Joseph Jimenez rechtfertigt die Massnahme mit dem steigenden Preisdruck. Der Basler Wirtschaftsminister Christoph Brutschin ist beunruhigt und verlangt Erklärungen von Jimenez.

Nicht die Frankenstärke ist der Grund: Schuld am Stellenabbau ist gemäss Konzernchef Jimenez vor allem der Preisdruck der hochverschuldeten Staaten auf die Medikamente.

Nicht die Frankenstärke ist der Grund: Schuld am Stellenabbau ist gemäss Konzernchef Jimenez vor allem der Preisdruck der hochverschuldeten Staaten auf die Medikamente.
Bild: Roland Schmid

Ist enttäuscht: Christoph Brutschin will das Gespräch mit Jimenez suchen. (Bild: Daniel Desborough)

Was UNIA und die Basler Finanzdirektorin Eva Herzog zum Stellenabbau sagen. (Video: Keystone)

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Novartis will mit dem Abbau von 2000 Stellen, davon 1100 in der Schweiz, rund 200 Millionen Dollar pro Jahr sparen.

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«Ich werde Jimenez mit Nachdruck darauf hinweisen, dass da das letzte Wort noch nicht gesprochen sein kann», kommentiert ein enttäuschter Christoph Brutschin den Novartis-Stellenabbau gegenüber der Basler Zeitung. Den Vorsteher des Basler Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt beunruhigt, dass auch eine 270-köpfige Forschungsgruppe in Basel verschwinden soll. An der Forschung hänge letztlich die Zukunft des Standorts. Dazu wolle die Basler Regierung mit Novartis-Chef Joseph Jimenez persönlich sprechen. «Vor allem den Abbau der Forschungsstellen verstehe ich wirklich nicht. Das möchte ich von Jimenez erklärt haben», sagt Brutschin zur BaZ. An sich er sehr gute Beziehungen mit dem Novartis-Chef und denke, dass er rasch einen Termin bei ihm bekomme.

Brutschin sieht im angekündigten Stellenabbau in der Region lediglich einen punktuellen Eingriff. «Das ist keine Absage an den Standort Basel, da bin ich sicher. Weder die Investitionspläne in den Campus noch in Schweizerhalle sind tangiert.» Dass mit dem Abbau gleichzeitig ein Aufbau in Niedriglohnländern geplant ist, habe er erst auf baz.ch erfahren. Sein Baselbieter Amtskollege Peter Zwick verweist trotz des «tragischen» Arbeitsplatzabbaus darauf, dass Novartis (NOVN 49.92 0.89%) in den letzten Jahren jeweils hunderte von zusätzlichen Stellen geschaffen habe.

Wie der Konzernchef den Abbau erklärt

Novartis will mit dem Abbau der weltweit 2000 Stellen rund 200 Millionen Dollar pro Jahr sparen. Novartis plane die Schliessung einer Chemieanlage auf dem Novartis Campus in Basel und einer Fabrik in Nyon (VD). Diese Aktivitäten sollen an andere Novartis- Standorte oder an Drittanbieter verlagert werden, wie Jimenez in einer Telefonkonferenz am Dienstag erklärte. Dadurch gingen in der Schweiz rund 1100 Stellen verloren. Auf der anderen Seite wolle Novartis gemäss Jimenez in China, Indien und anderen Billiglohnländern 700 Jobs aufbauen.

Schuld am Stellenabbau sei vor allem der Preisdruck der hochverschuldeten Staaten auf die Medikamente. Im Interview mit der BaZ (morgen in der Zeitung) erklärt Jimenez: «Selbst in der Schweiz haben die Preissenkungen allein in den letzten drei Jahren zu Umsatzeinbussen von mehr als 100 Millionen Franken geführt. Um dem Preisdruck zu begegnen, müssen wir entsprechende Massnahmen ergreifen.» In diesem Jahr seien die Preise im europäischen Pharmageschäft um rund 5 Prozent gesunken. Zudem drückten Generika auf die Umsätze. Der starke Franken habe kaum eine Rolle bei dem Streichungsentscheid gespielt, sagte Jimenez. Bis die Einsparungen voll wirksam würden, dürfte es drei bis fünf Jahre dauern.

Keine Besserung in Sicht

Und der Preisdruck dürfte anhalten: «Ich glaube nicht, dass das Umfeld in den nächsten zwei bis drei Jahren materiell besser wird», sagte Jimenez. Dabei stehe Novartis noch besser da als eine Reihe von Konkurrenten. Nur 55 Prozent der Novartis-Verkäufe seien Medikamente, die in irgendeiner Form von Rückvergütungen an die Patienten abhingen. Bei gewissen Konkurrenten belaufe sich dieser Umsatzanteil gar auf 90 Prozent. Auf der anderen Seite kosten der Stellenabbau und die Verlagerungen eine Stange Geld. Laut Jimenez werde das vierte Quartal mit Einmalkosten von 300 Millionen Dollar belastet. Im nächsten Jahr sei der Aufwand nur noch «sehr gering».

Angestelltenvertretungen und die Regierungen der Betroffenen Kantone Basel-Stadt und Waadt hoffen nun auf Erfolge beim anlaufenden Konsultationsverfahren. Die Verbände wollen dabei möglichst Entlassungen vermeiden helfen. Auch Zwick hegt solche Hoffnungen, da andere Konzerne der Branche von angekündigtem Abbau am Ende real nur einen Bruchteil vollzogen hätten. Brutschin geht von grosszügigen Sozialplänen aus.

Das ausführliche Interview mit Novartis-Chef Jimenez gibt es morgen Mittwoch in der Basler Zeitung. (jg/sda)

Erstellt: 25.10.2011, 14:49 Uhr

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25 Kommentare

Ronnie König

25.10.2011, 15:36 Uhr
Melden 29 Empfehlung

Also hat Jimenez den Angestellten gegenüber die nicht die Wahrheit gesagt!!! Was hier im Bericht steht und was imn internen Mails an die Angestellten ging ist nicht das selbe. Lug und Trug. Wie kann da ein Novartis Mitarbeiter noch Vertrauen haben und loyal bleiben? Amerikaner sind nicht das Wohl dieser Welt, sag bloss noch. Und Chinesen oder Russen auch nicht. Antworten


hermann meier

25.10.2011, 19:25 Uhr
Melden 23 Empfehlung

Als Jimenez heute Nachmittag verkündet760Stellen zu streichen gab es keine Buh- Rufe, die Basler Mitarbeiter/innen auplaudierten. Wieso sind wir so freundlich zu ihm?Wenn nur Joe gehen würde->könnte Novartis mehr Geld einsparen und wohl deutlich produktiver sein. Er und Vasella verdienen soviel wie alle 760 Mitarbeiter/innen zusammen... Antworten



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