Das sagt der Verleger zum BaZ-Verkauf
Von Matthias Hagemann. Aktualisiert am 08.02.2010 1 Kommentar
Der scheidende BaZ-Verleger Matthias Hagemann. (Bild: Mischa Christen)
Wie wir heute Morgen mitgeteilt haben, haben wir, die Familie Hagemann und die PubliGroupe ihre Aktienanteile an den Basler Zeitung Medien Dr. Tito Tettamanti und Martin Wagner verkauft. Unsere Familie hat sich den Entscheid nicht leicht gemacht. Ein Unternehmen, dessen Geschicke unsere Familie immerhin seit gut 60 Jahren verantwortet hat, verkauft man nicht ohne tief greifende Überlegungen.
Wir haben innerhalb der Familie intensiv verschiedenste Szenarien diskutiert. Alle Optionen wurden geprüft. Einerseits die enge Zusammenarbeit mit einem anderen Verlagsunternehmen, verbunden mit dem Bemühen, die Mehrheit so lange wie möglich zu halten.
Andererseits die Variante eines Verkaufs der Mehrheit zum bestmöglichen Zeitpunkt an einen Käufer, der sich für Basler Zeitung so engagiert, wie wir es getan haben. Während des ganzen letzten Jahres haben wir engen Kontakt zur Minderheitsaktionärin PubliGroupe gepflegt. Es haben mehrere, sehr einvernehmliche Gespräche mit Hans Peter Rohner, dem VR-Präsidenten und CEO der PubliGroupe SA stattgefunden.
Publizistische Verantwortung für die Region Basel
Es zeigte sich, dass wir die gleichen Ziele verfolgen. Das Resultat dieser Gespräche war, die Verhandlungen mit allen Interessenten gemeinsam zu führen und sich durch einen gemeinsamen Bevollmächtigten, RA Oscar Battegay von der Kanzlei Staiger, Schwald & Partner, vertreten zu lassen. Letzten Herbst haben wir schliesslich einstimmig entschieden, für die Unternehmensgruppe mit ihrem Flaggschiff „Basler Zeitung“ eine geeignete Käuferin zu suchen. Ich meine „geeignet“ im Sinn des Wortes, also jemanden, der befähigt ist, das Unternehmen erfolgreich weiter zu führen.
Ein Käufer, der auch bereit ist, mit der Basler Zeitung die publizistische Verantwortung für die Region Basel zu übernehmen.
Wir haben mit verschiedenen Interessenten konkrete Verhandlungen über mehrere Monate hinweg geführt. Schliesslich konnten wir am letzten Freitag gegen 18 Uhr die letzte Unterschrift unter das letzte Dokument setzen. Wir sind durchaus glücklich über die nun erreichte Lösung. Wir haben Tito Tettamanti und Martin Wagner als harte aber faire Verhandlungspartner erlebt, bei denen der Erhalt der Basler Zeitung als eine unabhängige Tageszeitung ein tiefes Anliegen ist.
Eigenständige regionale Tageszeitung
Der wichtige Wirtschaftsstandort Basel hat mit den neuen Besitzern die Gewähr, weiterhin mit einer gut gemachten, eigenständigen regionalen Tageszeitung mit Qualitätsanspruch bedient zu werden.
Martin Wagner, der neuer Verwaltungsratspräsident und damit auch Verleger der BaZ wird, ist als langjähriger Konzernanwalt eng mit den Basler Zeitung Medien verbunden. Er weiss, dass bei der BZM Menschen arbeiten, die sich - viele schon seit langen Jahren - für dieses Unternehmen einsetzen und die gewillt sind, auch unter einem neuen Besitzer ihr Bestes zu geben.
Neue Rolle als Verwaltungsrat
Ich persönlich freue mich auf meine neue Rolle als Verwaltungsrat und werde mich nach Kräften dafür einsetzen , dass Tito Tettamanti und Martin Wagner mit ihrem Engagement bei der BZM Erfolg haben werden. Meine Damen und Herren, dieser Verkauf erfolgt vor dem Hintergrund des starken strukturellen Wandels und der Konsolidierung des Schweizer Tageszeitungsmarktes.
Die Schweizer Presselandschaft steht in einer harten Rezession und, was noch schwerer wiegt, einem andauernden Strukturwandel. Grund dafür ist das Internet, das das Geschäftsmodell der regionalen Tageszeitung ernsthaft bedroht. Die Inserate wandern in Onlineportale ab, die Gratisinhalte Online und Print schmälern den Abonnentenstamm.
Parallel dazu verläuft eine rasante Konsolidierung des Schweizer Medienmarktes. Die Verkäufe von Espace Media AG an die Tamedia AG im 2007 und von Edipresse Schweiz an Tamedia AG im Frühjahr 2009 waren hier die herausragenden Ereignisse. Die gesunkene Erlöskraft der Tageszeitungen macht die Einbettung in einen grossen Medienkonzern oder in ein Aktionariat mit den entsprechenden finanziellen Ressourcen notwendig.
Die Zeiten, in denen ein regionaler Tageszeitungsverlag von einer unabhängig handelnden Besitzerfamilie kontrolliert werden kann, gehen bedauerlicherweise zu Ende. Wir mussten einsehen, dass das ursprüngliche und immer mit Vehemenz verfolgte Ziel, die Mehrheit am Unternehmen „Nationalzeitung und Basler Nachrichten AG“ für die nächste Generation in der Familie zu halten, nicht mehr realistisch ist.
Der Kapitalbedarf, den es braucht, um aus dem Strukturwandel gestärkt hervorzugehen, kann von Familienaktionären allein nicht mehr aufgebracht werden.
Eine loyale Mannschaft
An dieser Stelle möchte ich ein paar Dankesworte aussprechen.
Die Familie Hagemann möchte sich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der BZM herzlich für ihr Engagement bedanken. Das sind 1‘200 Menschen, von denen ich mit einem gewissen Stolz sagen kann: Das ist eine loyale Mannschaft, das sind tüchtige und kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das sind Leute, die sich für ihr Unternehmen einsetzen.
Unser besonderer Dank geht an die Unternehmensleitung der BZM, an Jürgen Hunscheidt, unserem Finanzchef, an Roland Steffen, den Verlagsleiter, an den Chefredaktor der BaZ, Matthias Geering, an Daniel Merkel, den Unternehmensleiter der Druckerei Birkhäuser.
Einen ganz persönlichen Dank möchte ich Beat Meyer aussprechen. Als CEO der Basler Zeitung Medien hat er mit seiner ruhigen, überlegten Art das Schiff während 10 Jahren durch manchen Sturm gelenkt. Er hat dabei sowohl Umsicht als auch Tatkraft bewiesen.
Mein Dank gilt jedoch auch meiner Familie und namentlich meiner Cousine Ruth Ludwig. Meine Familie hat den für uns so schwierigen Entscheid zum Verkauf nach intensiver Diskussion in Frieden und Eintracht gefällt. Ich fühlte mich all die Jahre immer unterstützt und getragen.
Liebe Ruth, wir haben nun 13 Jahre lang in engster Zusammenarbeit das Unternehmen geführt. Du hast hervorragende Arbeit geleistet. Und nun haben wir auch den Verkaufsprozess Schulter an Schulter entschlossen durchgezogen, gerade weil dies für uns das emotional Schwierigste war, was wir in all den Jahren tun mussten.
Abschied mit einem guten Gefühl
Wir verabschieden uns von den Mitarbeiterinnen und den Mitarbeitern der Basler Zeitung Medien, von deren Geschäftspartnern und Kunden und auch von den Leserinnen und Lesern der Basler Zeitung, bei aller Wehmut mit einem guten Gefühl. Dem Gefühl nämlich, alles dafür getan zu haben, dass die Basler Zeitung eine unabhängige Tageszeitung bleibt. Im Interesse der Region Basel und im Interesse der Pressevielfalt in diesem Land. (bazonline.ch/Newsnetz)
Erstellt: 08.02.2010, 13:58 Uhr
1 KOMMENTAR
Ich möchte Ihnen danken. Zum einen, weil ich es Ihnen nachfühlen kann, wie schwer die Entscheidung gewesen sein muss, zum anderen für all die Jahre, die Sie diese Zeitung herausgegeben haben. Heute wird vieles für selbstverständlich gehalten, insbesondere dass es Zeitungen gibt. Aber dahinter stehen Menschen und Unternehmer, die an eine Vision oder Aufgabe glauben, und sie umsetzen. Danke.
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