Wirtschaft

«Der Bäcker und der Metzger haben grössere Synergien»

Im Fall OC Oerlikon drohen Rekordbussen. Für Ex-ABB und Ex-Sulzer-Chef Fred Kindle hat sich das Unternehmen vor allem strategisch ins Abseits begeben.

«Schweizer Industrie ist sehr fit»: Sulzer-Chef Fred Kindle.

«Schweizer Industrie ist sehr fit»: Sulzer-Chef Fred Kindle.
Bild: Keystone

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Die Hauptaktionäre von OC Oerlikon (OERL 6.51 -1.51%) sind zu einer hohen Busse verurteilt worden. Ist das übertrieben?
Im Detail weiss ich natürlich nicht genau, wie die Finanztransaktionen gelaufen sind. Grundsätzlich finde ich es aber gut, wenn das Justizsystem funktioniert und das geschriebene Recht angewendet wird. Das kann man auch im Fall der UBS sagen. Es ist gut, wenn sich die Judikative unabhängig zeigt. Sei es bei der UBS oder im Fall Viktor Vekselbergs.

Vekselbergs Berater Thomas Borer spricht von Protektionismus.
Mit Protektionismus hat das nichts zu tun. Ob Österreicher, Russen oder Schweizer: Für alle muss das Gesetz gelten. Das richtig zu beurteilen, traue ich der Schweiz zu.

Wie stehen Sie zur Vision der OC-Oerlikon-Aktionäre, dass man in der Schweiz einen neuen Industriekonzern bauen sollte?
Als ich gesehen habe, wie Oerlikon den Textilkonzern Saurer dazukaufte, dachte ich, das kann ja höchstens aus finanztechnischen Gründen richtig sein. Unternehmerisch ist das ein Schwachsinn. Hätten wir bei Sulzer einen solchen Blödsinn gemacht, dann hätten uns die Analysten in der Luft zerrissen. Das war nur möglich unter der österreichischen Ägide. Als Unternehmer habe ich immer grosse Fragezeichen gemacht und gedacht, das kann ja nicht gut gehen. Jetzt ist es genau so herausgekommen.

Ist Saurer ein schlechtes Unternehmen?
Nein, aber was macht es für einen Sinn, ein Textilgeschäft mit einem Unternehmen zusammenzutun, bei dem es um Getriebebestandteile und Oberflächentechnologie geht? Da haben ja der Bäcker und der Metzger noch grössere Synergien. Die machen zusammen ein Sandwich.

Die Rede war von Grössenvorteilen.
Das Textilgeschäft hat herzlich wenig mit dem Rest von OC Oerlikon zu tun. Das ist ein Firmengemisch, das sehr schwierig erfolgreich zu führen ist.

Man wollte eine neue General Electric gründen.
GE ist das Aushängeschild, das immer wieder angeführt wird, aber in den meisten Fällen geht das nicht gut. Bei Sulzer mussten wir 2000, 2001 einen grossen Schritt machen und uns auf vier Geschäfte konzentrieren. Darum ist heute Sulzer solide unterwegs. Oerlikon hat das Gegenteil gemacht. Meine Meinung dazu war immer, dass das unternehmerisch der Holzweg ist.

Was sollte OC Oerlikon jetzt tun? Saurer wieder abspalten?
Das ist im Moment natürlich schwierig, weil die Banken drin sind. Was später möglich ist, wird man sehen.

Wie sehen Sie die Zukunft der übrigen Schweizer Industrie?
Gut. Die ist sehr fit. Doch mit der Krise wird sich die Verlagerung der Produktion nach Asien beschleunigen.

Nach ABB sind Sie beim Private-Equity-Fonds Clayton, Dubilier & Rice eingestiegen. Wie haben Sie die Finanzkrise überstanden?
Anfang 2009 war es schwierig. Doch wir haben wieder Geld. Wir haben erst kürzlich einen neuen Fonds von 5 Milliarden Dollar aufgelegt.

Gehen Sie auf Einkaufstour? OC Oerlikon wäre billig.
Es gibt bei OC Oerlikon sehr interessante Geschäfte. Doch dort muss jetzt erst saniert werden.

Mit Fred Kindle sprach Arthur Rutishauser in Davos

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.01.2010, 06:36 Uhr

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