Wirtschaft
Der Stundentakt erreicht die Luftfahrt
Von Olivia Raths. Aktualisiert am 25.10.2012 26 Kommentare
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Wenn der Winterflugplan diesen Sonntag beginnt, testet die Kranich-Airline stündliche Flüge ab Frankfurt nach München, Hamburg und Berlin. Wie «Spiegel online» berichtet, gilt der Stundentakt werktags zwischen 6 und 20 Uhr. Morgens und abends wird teilweise sogar halbstündlich geflogen. Die Flüge nach München und Hamburg sollen jeweils zur vollen Stunde starten, diejenigen nach Berlin zur 45. Minute jeder Stunde. Der neue Takt bringt nicht mehr Flüge, sondern eine andere Anordnung der bestehenden Anzahl Flüge.
Bei Verkehrsmitteln wie der Bahn ist der Stundentakt bereits gang und gäbe. «Diesen Service wollen wir unseren Kunden nun auch bieten», sagte Lufthansa-Sprecher Boris Ogursky gegenüber «Spiegel online». So könnten sich Reisende die Uhrzeiten für Starts leichter merken und müssten sich nicht jedes Mal über den Flugplan informieren. Der Service ist laut Ogursky vor allem für Geschäftsreisende mit flexiblen Tickets sinnvoll und biete mehr Planungssicherheit und Flexibilität beim Reisen. «Wenn man eine Maschine verpasst, kann man – sofern ein Platz frei ist – 60 Minuten später fliegen.» Das System soll zunächst nicht auf andere Städte ausgeweitet werden, wie der Sprecher weiter sagte.
Wäre ein Stundentakt auf bestimmten Swiss-Strecken auch ein Thema? Immerhin fliegt die Airline neunmal täglich zwischen Zürich und dem 229 Kilometer entfernten Genf. Dennoch sieht Swiss von einem Stundentakt ab, wie Sprecher Mehdi Guenin auf Anfrage sagt. «Grundsätzlich braucht man für das Konzept zwei Elemente: zwei Hubs und eine genug grosse Distanz zwischen beiden Flughäfen.» In der Schweiz seien die Distanzen viel zu kurz und das Potenzial zu gering für einen Stunden- oder Halbstundentakt. Auch auf Europastrecken, die von Geschäftsreisenden gut gebucht werden, lohne sich die Einführung eines Stundentakts nicht, so Guenin. Dafür sei der Markt zu klein.
Nur, wenn die Flüge pünktlich sind
Der Frankfurter Aviatik-Experte Clemens Bollinger hält das Konzept mit dem Stundentakt für eine «grundsätzlich gute Idee» und es sei einen Versuch wert. Ins weiter entfernte Hamburg sei es wahrscheinlich sinnvoll. Bei der Strecke von München nach Frankfurt könne man sich allenfalls fragen, ob es bei der vierstündigen Bahnverbindung wirklich einen so dichten Flugplan brauche. «Man denke dabei an die Passagiere, die von Stadtzentrum zu Stadtzentrum reisen wollen.» Andererseits entstehe bereits ein gutes Passagieraufkommen, weil die Lufthansa (LHA 15.815 -1.31%) bekanntlich ihre Doppel-Hub-Strategie mit Frankfurt und München verfolgt.
Wie Bollinger weiter sagt, stehe und falle das Konzept des Stundentakts mit den passenden Slots an den Flughäfen, aber auch mit der pünktlichen Abwicklung der Flüge. Dies hänge auch davon ab, wie ausgelastet ein Flughafen sei: In Frankfurt gibt es nun mehr Platz, wurden doch erst kürzlich ein neuer Runway und ein neues Terminal eröffnet. In München dürfte eine pünktliche Flugabwicklung momentan auch gut funktionieren. «Weil aber vorerst keine dritte Start- und Landebahn gebaut werden darf, könnte dies in den kommenden Jahren eine Herausforderung werden», so Bollinger. Berlin-Tegel sei schon heute ausgelastet. Laut dem Experten dürfte sich die Situation erst entspannen, wenn der neue Flughafen einst in Betrieb genommen wird. «Ein wichtiges Kriterium für den Erfolg von stündlichen Flügen ist zudem, dass der Ticketpreis attraktiv ist.»
Kunden schätzen flexible Angebote
Eine Airline mit Taktflugplan gab es bereits in den 1960er-Jahren in den USA: Eastern Air Lines flog stündlich von New York (La Guardia) nach Washington D.C. – egal, wie ausgelastet das Flugzeug war. Wenn alle Plätze besetzt waren, setzte die Airline einfach eine weitere Maschine ein. Es gab weder Sitzplatzreservationen, noch wurden Sitze zugeteilt. Anfangs war nicht einmal ein Check-in nötig, und Boardingpässe wurden auch nicht ausgehändigt. Wie lange und mit welchem Erfolg dieses Angebot existierte, war nicht in Erfahrung zu bringen.
Zwar nicht genau im Stundentakt, aber in einer ähnlichen Häufigkeit wie die Lufthansa fliegen British Airways und American Airlines zwischen London und New York. Vor März 2011 starteten Flüge beider Airlines teils gleichzeitig. Das sei eine Verschwendung des Flugplans gewesen, heisst es bei der Medienstelle von British Airways auf Anfrage. So habe man die Flüge besser verteilt. Beide Airlines hätten bisher positive Rückmeldungen auf den geänderten Flugplan erhalten. Konkrete Passagierzahlen für die Strecke London–New York nennt British Airways allerdings nicht. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.10.2012, 12:25 Uhr
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