Wirtschaft

Der Whistleblower war ein frustrierter Loser

Von Simon Schmid. Aktualisiert am 19.10.2012 24 Kommentare

In einem spektakulären Artikel in der «New York Times» prangerte Greg Smith einst die Praktiken bei Goldman Sachs an. Nun zeigt sich: Der Banker schmiss seinen Job deshalb, weil er nicht befördert worden war.

Das Monster schlägt zurück: Goldman-Sachs-Terminal an der New Yorker Börse.

Das Monster schlägt zurück: Goldman-Sachs-Terminal an der New Yorker Börse.
Bild: Keystone

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«Warum ich Goldman Sachs verliess»: Greg Smiths Buch gelangt am 22. Oktober in den Handel.

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Dieser Bericht kommt für Greg Smith höchst ungünstig: In einer Woche erscheint das Buch des Ex-Bankers, in dem er seinen Abgang bei der mächtigsten Bank der Welt schildert. «Warum ich Goldman Sachs (GS 157.57 -1.11%) verliess», heisst das Werk, in dem Smith die Macho-Kultur bei der Bank sowie seinen vergebenen Kampf gegen die Verrohung der dortigen Sitten ausführlich schildert.

Beinahe unter identischem Titel hatte Smith im März dieses Jahres einen Aufsehen erregenden Artikel der «New York Times» publiziert. Seine Enthüllung provozierte grossen Aufschrei, aber auch Gelächter in der Öffentlichkeit. Smith schrieb damals, Angestellte bei Goldman wären nur am Abzocken ihrer Kunden interessiert und würden diese intern als «Muppets» bezeichnen. Die Wall-Street-Bank, die als eine der Profiteure aus der Finanzkrise gilt, stand ein weiteres Mal in schlechtem Licht.

Pünklich vor der Buchveröffentlichung schlägt das «Monster» zurück – und Smith droht im Gegenzug, selbst als Depp dazustehen. Die Nachforschungen, die Goldman Sachs in der Zwischenzeit angestellt hat, stellen den ehemaligen Aktienhändler nämlich nicht als edelmütigen Whistleblower, sondern als genauso geld- und statusgierig dar, wie die Banker, die er kritisiert.

Auswertungen zurück bis ins Jahr 2000

Und als Verlierer obendrein: Wie aus einem Artikel bei «Bloomberg» hervorgeht, muss Smith sich über längere Zeit vergeblich um Gehaltserhöhungen in seinem Job bei der Londoner Investmentabteilung von Goldman Sachs bemüht haben. Letztmals war dies offenbar wenige Wochen vor Smiths Kündigung der Fall. «Smith hat unrealistische Vorstellungen», schreibt einer seiner Vorgesetzten dazu. Das passt schlecht zum Image des feinfühligen Altruisten, das sich Smith nach seiner Kündigung in der «New York Times» gab.

Es ist die Bank selbst, welche die Hintergründe zu dieser alternativen Darstellung der Ereignisse liefert. Nach Greg Smiths Abgang hatte sich die Bank mit beispielloser Akribie auf die Suche nach internen Dokumenten, Memos, Emails und Aufzeichnungen gemacht. 125 Mitarbeiter wurden zum Fall befragt. Nach dem Aufschrei, den Smiths Op-Ed verursacht hatte, wollte die Bankführung um CEO Lloyd Blankfein unbedingt wissen, warum die Gefahr, die von diesem frustrierten Banker ausging, den Verantwortlichen nicht aufgefallen war. Die Erkenntnisse hat Goldman Sachs in einem neunseitigen Bericht zusammengefasst, der Bloomberg vorliegt.

Der Report zeichnet das Bild eines Strebers, der als Händler unbedingt Geld machen wollte und bedrückt war, weil ihm der interne Aufstieg verwehrt blieb. Im Jahr 2000 angeheuert, war Smith seit 2006 im Rang eines Vice President klassiert. Mit der Beförderung zum Managing Director klappte es jedoch trotz expliziter Zielsetzung nicht. Masslos übertrieben hat Smith seine Stellung in der Bank dagegen vis-à-vis der Öffentlichkeit: Entgegen seinen Schlilderungen sei Smith nicht für wichtige Fonds zuständig gewesen und habe keine Beratungsfunktion inne gehabt, schreibt Bloomberg basierend auf dem Bericht von Goldman Sachs.

Auf der Abschussliste

Offenbar muss Smith ein regelrechter Underperformer gewesen sein. Laut Goldman Sachs bezog der Banker zu seinem Kündigungszeitpunkt den tiefsten Lohn unter allen Vice Presidents, die derselben Gruppe ehemaliger Praktikanten wie er angehört hatten. Dies zu verkraften, muss Smith je länger je schwieriger gefallen sein. In den regelmässigen Mitarbeiterevaluationen gab sich der 33-jährige, gebürtige Südafriker gemäss den Bankangaben stets höhere Noten, als er im Gegenzug von seinen Peers erhielt.

Wochen vor seinem Abgang ahnte der Banker wohl bereits, dass eine weitere seiner Hoffnungen nicht in Erfüllung gehen würde. Smith, der in seinem Artikel den Niedergang der Beraterkultur bei Goldman Sachs anprangert, strebte offenbar einen Wechsel zu einem wichtigeren Handelsdesk der Bank an. In dieser neuen Funktion hätte er seinen Lohn auf gegen eine Million Dollar verdoppeln können.

Ob dieser Rückschlag das Fass bei Smith zum überlaufen brachte, wird durch den Report nicht restlos geklärt. Eine Stellungnahme von Smiths Anwälten liegt noch nicht vor. Eine Möglichkeit ist, dass Smith mit seinem Abgang einer Entlassung zuvorkam. Denn wie ein Manager zu Protokoll gibt, stand der Banker intern bereits auf der Abschussliste. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.10.2012, 21:14 Uhr

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24 Kommentare

Fred David

18.10.2012, 22:04 Uhr
Melden 134 Empfehlung 17

Na und? Ist er eben ein Looser. Wichtig ist doch, ob seine veröffentichten Interna mehr oder weniger wahr sind. Im Bloomberg-Artikel steht offenbar nichts Gegenteiliges. Wenn selbst eine Top-Bank von Wall Street so lustig mit albernen Titeln wie "Vice President" hantiert, muss sich niemand wundern, wenn man die Branche nicht mehr ganz so ernst nimmt, wie sie sich selber gern gibt: Aufgeplustert. Antworten


Alfred Bischof

18.10.2012, 22:24 Uhr
Melden 88 Empfehlung 6

Simon Schmid,
Wenn der Bericht nur zum Ziel hat, die Glaubwuerdigkeit von Greg Smith zu untergraben, sollte das alles besser im Konjuktiv geschrieben sein. Diesen "Bericht" fabrizierte einer Bank, die ein unlimitiertes PR-Budget hat, und Greg Smith ist/war fuer sie ein ziemlicher Supergau. Diesen Bericht als "Die Wahrheit" zu publizieren, ist naiv oder korrupt und lenkt nur vom GS-Problem ab.
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