Wirtschaft
Deutsche Kunden sind wütend auf Credit Suisse
Von David Nauer. Aktualisiert am 12.07.2012 188 Kommentare
Versicherungsmäntel
Steuerlich attraktive Produkte
Mit sogenannten Versicherungsmänteln wird das Vermögen des Kunden wie etwa Aktien oder Obligationen über eine Einmaleinlage in eine Lebensversicherung eingebracht. Das Vermögen bleibt zwar bei der Bank angelegt, lautet nun jedoch nicht mehr auf den Kunden, sondern auf den Namen der Versicherung. Der Name des Kunden taucht damit bei der Bank nicht mehr auf, womit sich die Gefahr, als Steuerflüchtling enttarnt zu werden, stark reduziert. Im Gegensatz zu einer normalen Versicherungspolice kann der Kunde weiterhin mitbestimmen, wie das Geld angelegt wird.
Die in den vergangenen Jahren stark gestiegene Nachfrage nach den Versicherungsmänteln – auch Insurance Wrappers genannt – geht auf die diversen Steuervorteile zurück. Die jährlich anfallenden Zinszahlungen und Kapitalgewinne werden nicht besteuert. Erst bei der Rückzahlung des einbezahlten Kapitals fallen Steuern an, allerdings zu einem reduzierten Satz. Steuerlich privilegiert ist auch die Übertragung von Vermögenswerten an ausgewählte Begünstigte. Dies macht die Konstrukte etwa für Nachfolgeregelungen reicher Privatkunden attraktiv.
Die Versicherungsmäntel werden vor allem aus Liechtenstein und Luxemburg heraus angeboten, weil über diese beiden Staaten der europaweite Vertrieb möglich ist.
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Der Steuerstreit zwischen Deutschland und der Schweiz geht in eine neue Runde, und wieder steht die Credit Suisse (CSGN 26.42 0.08%) im Visier. Die Grossbank soll im grossen Stil unversteuerte deutsche Vermögen auf die Bermudas verschoben haben, versteckt in Pseudo-Lebensversicherungen, sogenannten Insurance Wrappers. Diese Finanzprodukte sind so konstruiert, dass sich der wahre Eigentümer nur schwer ermitteln lässt.
Doch ein ungetreuer CS-Mitarbeiter hat der reichen Kundschaft einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie Recherchen des «Tages-Anzeigers» ergaben, transferierte der Mann im Januar 2011 eine Liste mit einschlägigen Anlegern auf einen Computer der Bank in Frankfurt. Dabei muss er sehr raffiniert vorgegangen sein. Offenbar überwand er mehrere interne Sicherheitsbarrieren. Auch soll er Bankkollegen und Vorgesetzte bewusst getäuscht haben.
Ungetreuer Banker entlassen
Kurze Zeit später durchsuchten Ermittler die Räume der CS in der westdeutschen Bankenstadt. Dabei stiessen sie auf die Daten über die Insurance-Wrappers-Kunden. Ob es sich um einen Zufallsfund handelte, ist unklar. In Bankenkreisen wird spekuliert, die Behörden hätten möglicherweise einen Tipp erhalten. Über die Motivation des fehlbaren CS-Bankers, der inzwischen entlassen wurde, ist nichts bekannt. Nach vorläufigen Informationen hat er für seine Tat kein Geld erhalten.
Die Credit Suisse wollte sich gestern zu dem Sachverhalt nicht äussern. Offenbar weiss die Bank erst seit einigen Wochen davon, dass ihr Daten abhandengekommen sind. Offiziell hat sie immer betont, dass es Sache der Anleger sei, ihr Geld korrekt zu versteuern. Beim Kauf eines Insurance Wrapper mussten die Kunden sogar eine entsprechende Erklärung unterzeichnen.
Deutsche Behörden arbeiten die CS-Liste ab
Steueranwälte berichten jedoch, dass einige ihrer Klienten «ziemlich sauer» seien auf die CS. Schliesslich hätten die Berater den Anlegern die Lebensversicherungen auf den Bermudas «richtiggehend aufgeschwatzt». Vor allem in den Jahren 2005 und 2006 lief das Geschäft gut. Denn die Insurance Wrappers sind auch dazu geeignet, die EU-Zinsrichtlinie zu umgehen.
Derzeit sind die deutschen Behörden daran, die CS-Liste abzuarbeiten, wie das «Handelsblatt» gestern berichtete. Sebastian Engler, Steueranwalt aus München, bestätigt: Mehrere seiner Klienten hätten Besuch respektive Post von der Steuerfahndung erhalten. Erst kürzlich sei er bei einer Hausdurchsuchung dabei gewesen.
Steuerdealgegner bestätigt
Die Affäre um die Credit-Suisse-Geschäfte auf den Bermudas kommt in einem politisch brisanten Moment. Das deutsch-schweizerische Steuerabkommen sollte bis zum Spätherbst ratifiziert werden, stösst jedoch bei SPD und Grünen auf heftige Ablehnung. Die Gegner des Deals fühlen sich nun bestätigt. «Die Ereignisse zeigen, dass eine entschlossene Steuerfahndung für unser Gemeinwesen unverzichtbar ist, solange es Scheunentor-grosse Schlupflöcher für Steuerhinterzieher gibt», sagte gestern Norbert-Walter Borjans, SPD-Finanzminister von Nordrhein-Westfalen. Er ist einer der prominentesten Kritiker des Schweizer Finanzplatzes. Die Banken, sagte er, wollten mit dem noch ausstehenden Steuerabkommen ihren beunruhigten Kunden wieder einen sicheren Hafen versprechen. «Wir werden jedoch alles dafür tun, dass Schwarzgeldbesitzer nicht ruhig schlafen können.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.07.2012, 06:45 Uhr
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188 Kommentare
Es kann sicher nicht die Aufgabe der Banken sein sicherzustellen, dass jeder Kunde seine Steuer korrekt ausrichtet. Einen automatischen Informationsaustausch zwischen Banken und Staat ist auch nicht im Interesse der Bürger. Allerdings kann es sicher nicht sein, dass Banken wie die CS solche Produkte "anbieten", die Steuerhinterziehung begünstigen. Und Konten auf den Bermudas? Also wirklich. Antworten
Auch wenn die Zweifel langsam überwiegen - Schweizer Banken betreiben ihr Geschäft hier und da auch noch legal. Gut, wenn eine Bank ihren Kunden Lebensversicherungen andreht, dann mag das zwar etwas befremdlich wirken, aber angesichts der Tatsache, dass sie heutzutage von ihrer Bank gern mal zum Abschuss freigeben werden, ist es eigentlich nur logisch. Im Uebrigen, ist der Gauner immer der Kunde. Antworten
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