Wirtschaft

Die Finma ist auch ein Sprungbrett für lukrative Jobs

Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 20.09.2012 16 Kommentare

Insider der Finanzmarktaufsicht sind für Unternehmen Gold wert. Sie erhalten attraktive Angebote. Wechsel von der Aufsicht zu den Beaufsichtigten sind ohne Einschränkung möglich.

Die Seiten gewechselt: Eugen Haltiner, Monica Mächler, Daniel Zuberbühler (v.l.).

Die Seiten gewechselt: Eugen Haltiner, Monica Mächler, Daniel Zuberbühler (v.l.).
Bild: Keystone

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Monica Mächler ist das jüngste Beispiel. Der Versicherungskonzern Zurich hat diese Woche mitgeteilt, dass die 56-Jährige der Generalversammlung vom kommenden April zur Wahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen wird. Mächler ist heute Vizepräsidentin des Verwaltungsrats der Finanzmarktaufsichtsbehörde (Finma). Ende September tritt sie von dieser Funktion zurück.

Mächler stand fünf Jahre im Dienst der Aufsicht. 2007 wurde sie Direktorin des Bundesamts für Privatversicherungen. 2009 wurde das Bundesamt in die neue Finma integriert, Mächler amtete ab diesem Zeitpunkt als Vizepräsidentin des Verwaltungsrats.

Eigentlich ist sie aber eine Zurich-Frau. Sie will nicht nur dorthin. Sie kommt von dort. Die Juristin trat 1990 in die Dienste der Versicherungsgesellschaft. Von 1999 bis 2006 war sie Chefjuristin, ab 2001 auch Mitglied der erweiterten Konzernleitung. Zurich-Präsident Josef Ackermann freut sich: «Dank der breiten Erfahrung, die sie in aufsichtsrechtlichen Belangen als auch im Versicherungssektor gesammelt hat, wird sie unser Gremium in relevanter und wertvoller Weise ergänzen.»

Haltiner litt unter UBS-Stempel

Man kann sich fragen, ob vor diesem Hintergrund eine unabhängige Aufsichtstätigkeit überhaupt möglich ist beziehungsweise war. Dem früheren Finma-Präsidenten Eugen Haltiner wurde während seiner ganzen Amtszeit seine UBS-Vergangenheit um die Ohren geschlagen. Er konnte tun und lassen, was er wollte – Haltiner trug den UBS-Stempel und wurde stets verdächtigt, verlängerter Arm der Grossbank zu sein.

Bei der Finma selbst nimmt man das nur teilweise als Problem wahr. Gemäss Artikel 12 des Verhaltenskodex müssen Mitglieder des Verwaltungsrats, der Geschäftsleitung und des obersten Kaders in den Ausstand treten, sofern beaufsichtigte Unternehmen zur Debatte stehen, «für welche sie bis vor einem Jahr tätig waren». Artikel 11 verlangt den Ausstand unter anderem bei Geschäften, bei denen ein persönliches Interesse gegeben ist, in die man vor Aufnahme der Tätigkeit bei der Finma selber involviert war oder bei denen man befangen sein könnte «oder ein Anschein der Befangenheit besteht».

Das Organisationsreglement verlangt, dass die Mitglieder des Verwaltungsrats «von den Beaufsichtigten unabhängig» sind. Ferner heisst es auch: «Eine Organmitgliedschaft bei einem systemrelevanten oder sehr grossen Beaufsichtigten ist mit dem Mandat als Verwaltungsrat der Finma unvereinbar.» Darunter dürften neben den beiden Grossbanken noch die Zurich fallen.

Herkunft weckt Zweifel

Aktuell sitzen im neunköpfigen Verwaltungsrat der Finma fünf Persönlichkeiten mit unverkennbarem Stallgeruch: Neben Mächler sind dies Eugenio Brianti (Verwaltungsrat bei der Bank BSI), Paul Müller (bis 2008 Konzernleitungsmitglied Swiss Life), Charles Pictet (bis 2005 Senior Partner Bank Pictet) und Joseph Rickenbacher (bis 2010 Karriere bei der UBS). Ohne auf diese Beziehungen einzugehen, sagte die Genfer Professorin und Finma-Präsidentin Anne Héritier Lachat anlässlich der Jahresmedienkonferenz: «Damit wir unsere Aufsichtsaufgaben optimal erfüllen können, ist es unabdingbar, dass wir vollkommen unabhängig und so autonom wie möglich entscheiden und handeln können.» Zurzeit sind im Verwaltungsrat der Finma drei Sitze neu zu besetzen. Bereits wurde die Forderung laut, unabhängige Personen zu berufen.

Solange sie im Amt sind, haben Verwaltungsräte der Finanzmarktaufsicht Interessenkonflikte offenzulegen.

Solange sie im Amt sind, haben Verwaltungsräte der Finma Interessenkonflikte offenzulegen. Legen sie ihr Amt nieder, können sie tun und lassen, was sie wollen. Finma-Sprecher Tobias Lux bestätigt: «Für die Übernahme von neuen Funktionen von Verwaltungsräten der Finma nach ihrer Tätigkeit gibt es keine Einschränkungen.»

Monica Mächler muss man zugutehalten, dass sie zwischen ihrem Abgang bei der Finma und der Übernahme ihres Mandats bei der Zurich eine Anstandsperiode von einem halben Jahr verstreichen lässt – die Angelsachsen reden von einer «cooling off period». Der langjährige Finma-Mann Daniel Zuberbühler trat per Ende Dezember 2011 aus dem Finma-Verwaltungsrat zurück. Per 1. Januar 2012 wirkte er neu als Senior Financial Consultant der Prüfgesellschaft KPMG. Das ist rechtens und widerspricht nicht dem, was hierzulande als gute Unternehmensführung gilt. Der Swiss Code of Best Practice, eine Art Leitfaden für solche Fragen, schreibt keine Abkühlperiode vor. Ein Jurist und Privatdozent sagt aber, der internationale Trend gehe klar in diese Richtung: «Die Angelsachsen würden bei einem nahtlosen Übergang eher die Nase rümpfen.»

Dass Finma-Leute gute Jobs angeboten bekommen, löst innerhalb der Behörde auch ein wenig Stolz aus. «Man kann unsere Leute offenbar gebrauchen», sagt einer. «Wir sind nicht so schlecht, wie oft gesagt wird.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.09.2012, 06:19 Uhr

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16 Kommentare

Patrick Meier

20.09.2012, 06:34 Uhr
Melden 129 Empfehlung 0

Ein weiterer Beweis, dass diese "Behörde" nichts taugt. Keiner wird gegen einen eventuellen Zukünftigen Arbeitgeber hart vorgehen. Wer Bekannte im Bankenumfeld hat weiss: Niemand nimmt die FINMA wirklich ernst. Antworten


lucius mayer

20.09.2012, 08:02 Uhr
Melden 78 Empfehlung 0

Typisch gut und sauber eidgenössisch: die eine Hand wäscht die andere. Solange es mehr Geld und Posten gibt, herrscht der friedliche Konsens. Antworten



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