«Die Höhe des Gewinns überrascht»

Die Nationalbank gab heute einen Gewinn von 13 Milliarden Franken bekannt. Was ist davon zu halten? Der Chefökonom für die Schweiz bei der ZKB analysiert für baz.ch/Newsnet die heute publizierten Zahlen.

Sorgte für Buchgewinne: Gold der Schweizerischen Nationalbank.

Sorgte für Buchgewinne: Gold der Schweizerischen Nationalbank. Bild: Keystone

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«Dass der Gewinn der Nationalbank so hoch ausfällt, das hat uns überrascht.» David Marmet, Chefökonom für die Schweiz bei der ZKB, spricht wohl für seine gesamte Kollegenschaft. «Wir wussten vom Gold, dass das etwa fünf Milliarden Franken für die SNB bringen würde.» Die Analysten rechneten mit einem hohen einstelligen Gewinnbetrag der SNB für 2011 – und 13 Milliarden Franken sind es geworden. Im Jahr 2010 hat die Nationalbank einen Verlust von 19,2 Milliarden Franken ausgewiesen.

Die Zahl überrascht unter anderem auch deshalb, weil im September des Vorjahres für die ersten drei Quartale ein Fremdwährungsgewinn von lediglich 300 Millionen Franken erzielt wurde. Jetzt werden es mehr als sieben Milliarden sein. Definitive Zahlen veröffentlicht die SNB am 8. März 2012.

Goldbestände haben sich kaum verändert

Von den 13 Milliarden Jahresgewinn für das Stammhaus entfallen rund fünf Milliarden Franken auf Gold. «Gold wertete sich auf, weil die Unsicherheit im Markt gross ist und das Edelmetall die Funktion eines sicheren Anlagehafens hat», sagt Marmet. Die Goldbestände haben sich seit Anfang 2011 kaum verändert, das bedeutet, dass es sich um reine Buchgewinne handelt.

Bei den Devisenbeständen dürften die Fremdwährungen Euro, Dollar und britisches Pfund zu erklecklichen Gewinnen geführt haben. Wobei Dollar mit umgerechnet 103 Milliarden Franken und Euro mit umgerechnet 155 Milliarden Franken per Ende November 2011 in den Büchern der SNB stehen.

«Das schafft Vertrauen»

Nun waren die Währungen aber nicht so volatil, dass sich daraus der enorme Fremdwährungsgewinn erklären liesse. Marmet schätzt, dass die hohen Gewinne vor allem von Fremdwährungsanlagen in Aktien und Anleihen kommen. Rund zehn Prozent hat die SNB in Aktien investiert. Anleihencoupons, also im wesentlichen Zinserträge auf Staatspapiere, haben demnach weitere Gewinne eingefahren.

Inwieweit Devisenspekulationen für das gute Ergebnis mitverantwortlich sind, lässt sich aus den statistischen Monatsheften nicht eruieren. Tatsache aber ist, dass sich die Devisenreserven in der Bankbilanz bis Weihnachten kaum verändert haben. Das lässt den Schluss zu, dass die SNB bisher nur in geringem Ausmass intervenieren musste, um der Frankenaufwertung entgegenzuwirken.

Als Munition im weiteren Kampf gegen die Ausläufer der Eurokrise und den Aufwärtsdruck für den Franken ist das Ergebnis hilfreich. Mehr als drei Milliarden Euro sollen für zusätzliche Währungsreserven auf die Seite gelegt werden. «Das schafft Vertrauen gegenüber der SNB, die auf ihre Reputation angewiesen ist», sagt Marmet. (baz.ch/Newsnet)

(Erstellt: 13.01.2012, 09:56 Uhr)

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(Bild: sda)

Leiter Volkswirtschaft Schweiz bei der Zürcher Kantonalbank: David Marmet (Bild: zvg).

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