Wirtschaft

«Die Schlacht ist noch nicht geschlagen»

Aktualisiert am 13.07.2010

Eine kurze Zeit lang schien es am Dienstag so, als könnten die 25'000 Karstadt-Beschäftigten aufatmen. Im Verkaufspoker um Karstadt wird geblufft und getrickst.

Noch sind die dunklen Wolken über der insolventen Warenhauskette nicht verzogen: Karstadt.

Noch sind die dunklen Wolken über der insolventen Warenhauskette nicht verzogen: Karstadt.
Bild: Reuters

Der Käufer der insolventen Warenhauskette, Nicolas Berggruen, verkündete eine Einigung mit der wichtigen Gläubigerbank Valovis über Mietkürzungen. Eine der grössten Hürden für die Rettung des Konzerns schien genommen. Doch dann zerstörte das Vermieterkonsortium Highstreet die Hoffnungen der Beschäftigen: Berggruen habe «einmal mehr eine Einigung verkündet, die keine ist», empörten sich die Vermieter.

Fünf Wochen ist es her, dass Berggruen den Kaufvertrag für Karstadt unterzeichnete. Doch inzwischen scheint das Klima zwischen dem Käufer und seinem wichtigsten Vermieter auf dem Gefrierpunkt. Berggruen hatte bei der Vertragsunterzeichnung im Juni das Inkrafttreten des Verkaufvertrages davon abhängig gemacht, dass er sich mit Highstreet über Mietkürzungen einigt. Tatsächlich wurde schon im Juni eine Grundsatzpapier unterzeichnet, zumindest von der Mehrheit der Highstreet-Eigentümer und -Gläubiger.

Probleme mit der Valovis-Bank

Doch der Teufel lag im Detail. Ausgerechnet die Valovis-Bank, in Besitz der KarstadtQuelle Mitarbeitertrust, stellte sich quer. Ihr Problem: Sie hat einen ungewöhnlich grossen Teil ihrer Mittel als Kredit an die Karstadt-Vermieter gegeben - insgesamt 850 Millionen Euro. Zugeständnisse bei der Miete drohen deshalb grosse Löcher in ihre Bilanz zu reissen und könnten rasch zu Problemen mit der Bankaufsicht BaFin führen. Ihr Spielraum für Zugeständnisse ist deshalb eng begrenzt.

Zwei ausufernde Verhandlungsrunden lang suchten Berggruen und Valovis nach einer Einigung, ohne sich im entscheidenden Punkt, der Eintragung von Mietdienstbarkeiten im Grundbuch, näher zu kommen. Am Ende verständigten sich beide Seiten auf eine «zügige, vorzeitige Ablösung des spätestens 2014 auslaufenden Darlehens» der Valovis-Bank. Doch die Sache hat einen Haken: Das Geld für die Ablösung will nicht Berggruen aufbringen. Aus seiner Sicht sollen die Highstreet-Eigentümer und -Gläubiger zahlen. Immerhin befinden sich darunter grossen Namen wie die Deutsche Bank oder Goldman Sachs.

Bei Highstreet ist man nicht amüsiert

Bei Highstreet war man darüber allerdings nicht amüsiert. In einer ungewöhnlich schroffen Erklärung der Vermieter hiess es, Berggruens Vorschlag setze voraus, «dass ein Dritter das Darlehen der Valovis Bank in Höhe von 850 Millionen Euro über Nacht ablöst.» Und dann weiter: «Bisher hat Herr Berggruen noch nicht bestätigt, dass er dazu bereit ist.» Der Milliardär selbst erhöhte jedoch den Druck auf die Vermieter. In einem Interview mit der «Tageszeitung» (Mittwochsausgabe) drohte er ganz offen mit dem Rückzug aus dem Geschäft, falls ihm die Zugeständnisse nicht ausreichten. «Es nützt niemandem, wenn ich Karstadt kaufe - und dann verliert es Geld, während ich Karstadt für zwei, drei Jahre subventioniere. Damit Karstadt langfristig überlebt und gut lebt, muss es wirtschaftlich erfolgreich sein», zitierte die Zeitung den Milliardär.

In dem Verkaufspoker geht es um viele Millionen Euro. Und so wird wohl bis zuletzt getrickst und geblufft werden. «Die Schlacht ist noch nicht geschlagen», meinte einer der Beteiligten am Dienstag. Doch die Zeit wird langsam knapp: Wenn bis Ende des Monats keine Einigung erreicht ist, wird der Kaufvertrag nach DAPD-Informationen ungültig. Dann drohte Karstadt doch noch die Zerschlagung. (mt/dapd)

Erstellt: 13.07.2010, 22:00 Uhr

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