Wirtschaft

Die Schonzeit für Banker ist vorbei

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 16.07.2010 12 Kommentare

Das neue Gesetz zur Finanzmarktreform in den USA und der Vergleich zwischen der Börsenaufsicht und Goldman Sachs sind Anzeichen, dass die Banken nun härter angefasst werden.

Bild: Christo Komarnitski, Bulgarien/Cagle.com

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Das neue Gesetz ist mehr als 2000 Seiten dick. Trotzdem ist es alles andere als umfassend. Banken könnten weiterhin mit komplexen Derivaten handeln, der Eigenhandel sei ungenügend eingedämmt und die «Too Big to Fail»-Problematik damit noch längst nicht im Griff, nörgeln Kritiker. Das stimmt, doch auch in den USA gilt: Politik ist die Kunst des Machbaren. Und bei den gegenwärtigen Machtverhältnissen im Kongress lag nicht mehr drin. Zudem legt das neue Gesetz nur die Rahmenbedingungen fest. Erst bei der konkreten Umsetzung wird sich zeigen, was es wirklich wert ist.

Deshalb ist diese Finanzmarktreform bisher vor allem ein Gradmesser des politischen Klimas. Es zeigt sich, dass für Wallstreet rauere Zeiten anbrechen werden. Das immer wieder gehörte Argument, die Banken würden wieder fröhlich so weiterfahren wie vor der Krise, stimmt nicht. Allein die Tatsachen, dass dieses Gesetz vom Kongress verabschiedet worden ist, macht deutlich, dass auch die Amerikaner wollen, dass die Geldinstitute an die kürzere Leine genommen werden. Und was in den USA geschieht, hat nach wie vor Auswirkungen auf die übrige Welt – auch auf Schweizer Grossbanken.

Aus der Portokasse

Gleichzeitig mit der Verabschiedung des neuen Gesetzes durch den Senat wurde auch der Deal zwischen der US-Börsenaufsicht SEC und Goldman Sachs ( 96.7 -0.17%) bekannt. Die Investmentbank hat einem Vergleich zugestimmt, der sie zu einer Busse von 550 Millionen Dollar verpflichtet. Im Gegenzug stellt das SEC sein Verfahren gegen die Bank ein. Goldman war verdächtigt worden, bei komplexen Derivatgeschäften gegen die Interessen seiner Kunden gehandelt zu haben.

Es ist ein Zufall, dass diese beiden Ereignisse zusammenfallen, aber nicht nur. Die 550 Millionen-Dollar-Busse ist für Goldman Sachs imagemässig eine Niederlage, obwohl sie sie quasi aus der Portokasse zahlen kann. Letztes Jahr hat die Bank einen Gewinn von 13,39 Millliarden Dollar erzielt. Doch der Vergleich zeigt auch, das die Gesetze der Schwerkraft auch für Goldman Sachs wieder gelten, und dass sich die Behören auch gegen die stolzen Elitebanker durchsetzen können. Das und das neue Gesetz zur Finanzmarktreform sind Zeichen, dass die Entwicklung fortschreitet. In kleinen Schritten zwar, aber in die richtige Richtung.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.07.2010, 14:43 Uhr

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12 Kommentare

Max Meier

16.07.2010, 15:10 Uhr
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Die Schonzeit ist für alle ausser Politiker vorbei, dabei sollten gerade die am Dringensten "gejagt" werden, die haben den ganzen Schlamassel ja verursacht. Leider sind die in all den Pseudodemokratien an der Macht und der Mächtige macht selten jagd auf sich selbst. Die Jagd nach Geld um politisch zu überleben wird also weitergehen und die Rechstsstaatlichkeit wird mehr und mehr vergessen werden. Antworten


Reto Huber

16.07.2010, 15:53 Uhr
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Wers glaubt soll sich freuen... Antworten



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