Wirtschaft

«Die Schweiz holte bei den Verhandlungen das Letzte heraus»

Interview: Olivia Raths. Aktualisiert am 12.07.2012 53 Kommentare

Der neue Staatsvertrag mit Deutschland bringt den Flughafen Zürich in eine Zwickmühle: Was, wenn der Pistenausbau vor dem Volk scheitert? Flughafen-CEO Thomas Kern sagt, was das für den Hub Zürich bedeutet.

Thomas Kern, CEO des Flughafens Zürich: «Die Schweiz hat bei den Verhandlungen mit Deutschland das Letzte herausgeholt.»

Thomas Kern, CEO des Flughafens Zürich: «Die Schweiz hat bei den Verhandlungen mit Deutschland das Letzte herausgeholt.»
Bild: Keystone

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Haben Sie gejubelt, nachdem die Resultate der Fluglärmverhandlungen zwischen der Schweiz und Deutschland bekannt wurden? Immerhin wird Deutschland darauf verzichten, die Zahl der Flugbewegungen einzuschränken.
Nein. Meine erste Reaktion war: Ich hätte es mir besser gewünscht. Um es auf einen Nenner zu bringen: Es ist schlechter als erhofft und besser als befürchtet. Die Intensität der Verhandlungen deutet darauf hin, dass die Schweizer Delegation das Letzte herausgeholt hat. Positiv ist, dass der neue Staatsvertrag ein moderates Wachstum für den Flughafen zulässt. Wir haben gewisse Entwicklungsmöglichkeiten gewonnen. Der Preis dafür ist, dass wir mehr Bewegungen über der Schweiz werden abwickeln müssen.

Waren Sie involviert bei den Verhandlungen zum Staatsvertrag?
Ein Vertreter des Flughafens Zürich war bei den Verhandlungen als technischer Berater dabei. Dazu hatten wir ein Team, das die Machbarkeit der politischen Ideen beurteilte. Wir waren aber nicht verhandlungsführend, die Verhandlungen wurden auf Bundesebene geführt. Auch mit der Swiss haben wir uns abgestimmt.

In München haben die Stimmbürger gegen eine dritte Piste an ihrem Flughafen gestimmt, Frankfurt führte das Nachtflugverbot ein. Ist das eine Chance für den Flughafen Zürich?
Vor allem ist das ein Signal, dass in Westeuropa Bewegungen gegen Expansionen im Flugbetrieb im Gang sind. Dies wider das Wissen, dass Flughäfen ein wichtiger Wirtschaftsmotor sind.

Was, wenn die Pistenverlängerungen an der Urne scheitern?
Dann wird es schwierig. Falls nun die Pistenverlängerung abgelehnt werden sollte, kommt eine Betriebsvariante zur Anwendung, die vermehrt Anflüge von Süden und Starts von Osten vorsieht. Das würde die Gesamtkapazität unseres Systems verringern.

Könnte der Flughafen Zürich dann noch als Hub funktionieren?
Davon gehen wir aus.

So oder so wird der Flughafen Zürich irgendwann an Wachstumsgrenzen stossen. Was dann?
Wir haben immer gesagt, dass wir nicht unendlich wachsen können. Bei optimalen Voraussetzungen erreichen wir bei 350'000 Bewegungen pro Jahr unsere Grenzen, heute sind es rund 280'000 Bewegungen pro Jahr.

Die Swiss wird ab 2014 ihre Europaflotte mit der leiseren C-Series von Bombardier ausrüsten. Was erhoffen Sie sich davon?
Die Einführung der neuen Maschinen ist ein gutes Signal an die Bevölkerung. Man geht davon aus, dass der Lärm um etwa 20 Prozent abnimmt, was für das Hörempfinden sehr viel ausmacht. Das würde uns helfen, die Belastung durch zusätzliche Flüge über der Schweiz etwas zu kompensieren. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.07.2012, 15:44 Uhr

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53 Kommentare

Derek Richter

12.07.2012, 17:58 Uhr
Melden 67 Empfehlung 0

Wenn im Gegenzug der LKW Verkehr in der Nord-Südachse auf eben dieselben Zeiten beschränkt wird, würde ich diesem schlechten Kompromiss zustimmen. Antworten


Reto Stadelman

12.07.2012, 18:16 Uhr
Melden 46 Empfehlung 0

Und jetzt die Klagen von meinen Vorkommentatoren... "Schweizbashing", nutzlose EU, wir Schweizer sind die Ärmsten... Ich kann es langsam nicht mehr hören... Benehmt euch wie Erwachsene und seht der Realität ins Auge: 8 Mio Einwohner CH gegen 80 Mio. Einwohner DE, wer hat wohl mehr zu sagen? Aha, tja, Pech gehabt, würde ich mal meinen hmm? Werdet ruhig sauer, mir egal. Ich verlange RATIONALITÄT! Antworten



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