Wirtschaft
«Die Suite des Scheichs erstreckt sich über drei Stockwerke»
Interview: Claudio Habicht. Aktualisiert am 04.01.2010
«Der Burj Dubai wird wohl für länger das höchste Gebäude der Welt bleiben»: Guido Achermann.
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N’H Akustik + Design AG
Die Firma N’H Akustik + Design AG mit Sitz in Lungern beschäftigt rund 80 Angestellte und führte unter anderem den Innenausbau für den Reichstag in Berlin oder das Auditorium der US-Zeitung «New York Times» aus. Die Firma ist spezialisiert auf schallabsorbierende Deckenverkleidungen und ist auf diesem Bereich einer der Marktleader.
Herr Achermann*, heute wird der Burj Dubai eingeweiht, an dem ihre Firma mitgebaut hat. Wie fühlen Sie sich?
Wir sind uns gewohnt, an grossen Projekten mitzuarbeiten. Dennoch wird der Burj Dubai unseren Mitarbeitern besonders in Erinnerung bleiben: So anspruchsvolle Aufträge gibt es nicht tagtäglich. Zudem stellte das Geschäften im arabischen Raum grosse Herausforderungen an unsere Firma.
Welche sind das?
Mit den Scheichs – den eigentlichen Auftraggebern – hatten wir nie persönlichen Kontakt. Alles lief über das amerikanische Architekturbüro und den südkoreanischen Innenausbauer. Die Zusammenarbeit war um einiges komplizierter als mit Partnern in der Schweiz oder in Deutschland. Wir mussten alles genau dokumentieren, das Vertrauen der Bauherren und Architekten erarbeiten.
Wie sind Sie zu diesem prestigeträchtigen Auftrag gekommen?
Im Frühling 2008 reichten wir unser Angebot für die Deckenbekleidungen der sogenannten Skylobby auf der 123. Etage ein. Unsere Idee fand Anklang und wir lieferten einen Prototypen nach. Darauf besuchten wir die Baustelle – die Architekten und der Innenausbauer haben ihre Büros im Fundament und der Tiefgarage des Turms – und erläuterten den Verantwortlichen im Sitzungszimmer mit dem sinnigen Namen ‹war room› die Details. Im Sommer erhielten wir dann den Zuschlag. Kurz darauf der erste Rückschlag: Wegen der Finanzkrise ordnete die Bauleitung den Stopp der Arbeiten an. Erst im Sommer 2009 wurden diese wieder aufgenommen.
Sie konnten auch die Luxussuite von Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktoum ausbauen.
Ja. Diesen Auftrag erhielten wir parallel zum ersten. Die persönliche Business-Suite des Scheichs erstreckt sich vom 152. bis zum 154. Stockwerk und ist nicht öffentlich zugänglich. Auch wir durften den Raum nicht betreten, wir erhielten nur Zugang zur Skylobby. Vorgängig wurden alle Besucher eine halbe Stunde geschult: Wie trage ich den Helm, wo ist der Notausgang. Die Sicherheitsvorkehrungen waren meines Erachtens strenger als in der Schweiz.
Und die Bestimmungen bezüglich Terror?
Während der Bauphase erhielt nur Zugang, wer eine Bewilligung vorweisen konnte. Zudem haben wir mehrere Ausschnitte in die Decken gefräst, die für Überwachungskameras vorgesehen sind.
Wie lief die Montage in dieser schwindelerregenden Höhe ab?
Alle Deckenteile wurden in Lungern hergestellt und danach nach Dubai verschifft und geflogen. Montiert wurden sie von Arbeitern vor Ort, unsere Spezialisten haben nur Empfehlungen für den Einbau abgegeben.
Glauben Sie, dass der Bauboom in Dubai nach der Krise wieder an Fahrt gewinnen wird?
Meiner Meinung nach ist es für die Region ein Glück, dass die Finanzkrise ausgebrochen ist. Sonst wären wohl Projekte aufgegleist worden, die man dann nicht hätte beenden können. Ich denke, der Burj Dubai wird wohl für länger das höchste Gebäude der Welt bleiben, die Projekte für noch höhere Gebäude sind einstweilig in der Schublade verschwunden.
*Guido Achermann ist Verkaufsleiter Export der Firma N’H Akustik + Design AG in Lungern und Mitglied der Geschäftsleitung. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.01.2010, 16:05 Uhr
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