Wirtschaft
Die UBS verliert zwei Koryphäen
Von Angela Barandun und Bruno Schletti. Aktualisiert am 30.09.2009 1 Kommentar
Über die Nachfolge der beiden scheidenden UBS-Verwaltungsräte Sergio Marchionne und Peter Voser darf gerätselt werden. Darüber werde zu einem späteren Zeitpunkt informiert, heisst es bei der UBS bloss. Schon jetzt steht aber fest, dass Präsident Kaspar Villiger jene Leute erst finden muss, die über das Format des Fiat- und Chrysler-Chefs Marchionne und des Shell-Chefs Voser verfügen.
Beide spielen in der internationalen Top-Liga der Wirtschaft. Beide sind ausgewiesene Finanzfachleute. Beide haben einen Bezug zur Schweiz. Voser ist Schweizer und half als Finanzchef mit, die ABB zu sanieren. Marchionne wohnt in der Schweiz und stand zeitweilig an der Spitze der Lonza-Gruppe, später des Genfer Prüfkonzerns SGS. Was die beiden aber vor allem auszeichnet, ist ihr Ruf, unabhängige und eigenständige Persönlichkeiten zu sein.
Marchionne bot Ospel Paroli
Vor allem Marchionne galt als der UBS-Verwaltungsrat, der dem ehemals starken Mann Marcel Ospel Paroli zu bieten vermochte. Auch nach Ospels Abgang nahm er kein Blatt vor den Mund und platzierte dann und wann in aller Öffentlichkeit spitze Bemerkungen. Peter Kurers Wahl zum neuen Präsidenten sei nicht erste Wahl gewesen, liess er etwa verlauten. Oder: CEO Marcel Rohner habe viel dazugelernt.
«Marchionne ist ein höchst profilierter und quer denkender Typ», sagt Ulrich Fehlmann, Headhunter von Odgers Berndtson. Er und Voser hätten als Quereinsteiger bei der UBS eine gute Figur gemacht. Ob sie als solche am Ende der Bank so viel gebracht haben, wagt Fehlmann allerdings zu bezweifeln. Und er fragt sich, ob man die beiden nicht doch eher durch Banker ersetzen müsste.
Gerade weil Ospel angekreidet wird, er hätte sich nur mit Ja-Sagern umgeben, legen viele Beobachter Wert auf die Unabhängigkeit künftiger UBS-Verwaltungsräte. Andreas Venditti, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, sagt: «Es ist immer gut, wenn ein Verwaltungsrat nicht einfach ein Ja-Sager ist. Es braucht Leute, die eine eigene Meinung vertreten.» Der Headhunter Björn Johansson geht noch einen Schritt weiter: «Es braucht Leute mit Mut, die ihre Meinung sagen. Und es ist wichtig, dass die Leute finanziell unabhängig sind.» Sowohl Marchionne wie Voser waren als Konzernchefs grosser internationaler Konzerne nicht auf UBS-Verwaltungsratshonorare angewiesen. Das gab ihnen die Freiheit, zu sagen, was aus ihrer Sicht gesagt werden musste.
Herausforderung der UBS «politischer Natur»
Ein intimer Kenner der Grossbank verweist zusätzlich darauf, dass die Herausforderungen für die UBS von «eminent politischer Natur» sein werden. Villiger brauche Verbündete, die ihm helfen, das politische Parkett zu bearbeiten. In Anspielung auf den Industriellen Johann Schneider-Ammann, der das Systemrisiko der Grossbanken aufbrechen will, sagt der Mann: «Es braucht Leute, die mit den Schneider-Ammanns dieser Welt reden können.» Leute, welche die Bank aufspalten wollen, müsse man ins Boot holen.
Alle Beobachter sind sich einig: Um Marchionne und Voser zu ersetzen, braucht es wieder zwei quer denkende, unabhängige Geister. Es braucht international vernetzte Leute mit ausgewiesener Exekutiverfahrung. Leute aber auch, sagt Björn Johansson, die einen Bezug zur Schweiz haben. Kompetenzen im Bank- und Finanzgeschäft werden selbstverständlich vorausgesetzt, auch wenn sich der Verwaltungsrat seit Oktober 2008 massiv mit Finanzfachleuten verstärkt hat.
Der letzte Ospelianer
Nach dem Abgang von Marchionne und Voser sitzt im Aufsichtsgremium noch ein einziger Mann aus der Ära Ospel: der ehemalige BMW-Vorsitzende Helmut Panke. Er wurde 2004 gewählt und hat bis heute die Wirren überlebt. Die anderen verbleibenden neun Mitglieder, inklusive Präsident Kaspar Villiger, sind erst in den Jahren 2008 und 2009 dazugestossen.
Ein Fragezeichen bleibt beim Blick auf den UBS-Verwaltungsrat. Es fehlt ein Asiate. Das, obwohl nach übereinstimmender Meinung die Zukunft der Branche in Fernost liegt. Die Herausforderung jedes Headhunters besteht nun also darin, für die UBS den international orientierten Querdenker asiatischer Herkunft mit Schweiz-Bezug aus dem Hut zu zaubern – am besten in doppelter Ausführung: einmal männlich, einmal weiblich. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.09.2009, 04:00 Uhr
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