Wirtschaft
Die UBS zieht sich von der Börse in Tokio zurück
Von Christoph Neidhart, Tokio. Aktualisiert am 17.04.2010
Artikel zum Thema
Gestern Freitag liess die UBS ihre Aktie von der Tokioter Börse nehmen. Künftig wird diese nur noch in Zürich und New York gehandelt. Die SBG-Aktie war seit 1985 in Tokio handelbar, jene des Bankvereins seit 1987. Allerdings hat der Rückzug der Aktie nichts mit sonstigen Schwierigkeiten der UBS zu tun. Die Grossbank folgt bloss dem Trend. Von einst 127 ausländischen Firmen, die in Tokio kotiert waren, sind 14 geblieben. Nächste Woche werden es noch 13 sein, weitere Delistings sind zu erwarten.
Der Exodus hat nichts mit China zu tun
Tokio behauptet, ein internationales Finanzzentrum zu sein, der Nikkei gilt mit dem Londoner Footsie nach dem Dow Jones als wichtigstes Börsenbarometer. In Wirklichkeit hat der Finanzplatz Tokio weniger Gewicht als gemeinhin angenommen. Und er verliert stetig an Bedeutung. Nestlé liess seine Aktie schon 2004 von der hiesigen Börse nehmen, die Credit Suisse 2002, Apple 2004, die Deutsche Bank 2006, Volkswagen 2007, Boeing 2008. Aus Europa harren nur die Deutsche Telecom und die spanische Telefónica noch aus, dazu eine britische, auf Asien spezialisierte Finanzierungsgesellschaft.
Dieser Exodus hat, anders als der Abzug der Asien-Hauptquartiere mancher Firmen, nichts mit dem Aufstieg Chinas zu tun. Und auch nichts mit der internationalen Finanzkrise. «Das Handelsvolumen war einfach zu gering», sagt Jackie Kestenbaum von der UBS Tokio. Es lag stets deutlich unter einem Prozent der gehandelten UBS-Aktien. Das sei auch für die Aktionäre nicht interessant, ein so geringes Volumen kann erratische Kursbewegungen verursachen.
Japans Spargelder locken
Das Handelsvolumen der UBS-Titel war freilich nie viel höher, ebenso wenig wie jenes anderer ausländischer Aktien. Und trotz Rückzug von der Börse baut die UBS ihr Dienstleistungen aus. Sie glaubt, die enormen Ersparnisse vor allem älterer Japaner anzapfen zu können. Doch sie sucht nicht kleine Sparer, die 100'000 oder 200'000 Franken anlegen möchten – und die hier «affluent poor» heissen, «wohlhabende Arme». UBS Japan richtet sich an fette Fische.
Seit 1992 gab es jedes Jahr mehr Delistings an Tokios Börse als Neueinträge. Der Exodus hat mehrere Gründe: Wer in Japan Aktien kauft, hält die meist auf Jahre. Und für gelistete Firmen ist der bürokratische Aufwand enorm. Vor allem aber trennt die Tokioter Börse, wie die Japaner fast bei allem, streng zwischen Ausländern und Japanern. Ausländische Papiere werden auf einer separaten Liste geführt. Mit dieser Aktien-Apartheid gelangen sie nicht einmal ins Blickfeld der japanischen Investoren.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 17.04.2010, 06:52 Uhr
Wirtschaft
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!



