Wirtschaft
Die grosse Prüfung des Toyota-Erben
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 29.01.2010 1 Kommentar
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Betroffene Modelle
In den USA wurde der Verkauf der folgenden Toyota-Modelle mit Baujahr 2005 bis 2010 gestoppt:
RAV4
Highlander
Corolla
Matrix
Avalon
Camry
Tundra
Sequoia
Welche Modelle in welchem Ausmass in Europa betroffen sind, ist noch nicht bekannt. Die Autos stammen aus unterschiedlichen Fabriken.
Als Akio Toyoda, Enkel des Toyota-Gründers Kiichiro Toyoda, im Januar 2009 auf dem Firmenthron Platz nahm, war er besorgt. Er wusste, dass man ihn geholt hatte, weil es Toyota ( 76.8 -0.52%) schlecht ging. Drei Monate später wusste das auch die Welt: Im Mai 2009 gab Toyota bekannt, dass das Jahr 2008 der Firma mit einem Minus von 4,4 Milliarden Dollar den ersten Verlust seit 70 Jahren beschert hatte.
Der neue Chef schwieg ernst. Erst im Juni, als die Generalversammlung ihn offiziell an die Spitze des grössten Autobauers der Welt wählte, sagte er, was ihn sorgte.
Toyota sei möglicherweise vom Pfad abgekommen, sagte Toyoda damals gegenüber den Medien. Mit der enormen Expansion in alle Welt habe sich das Unternehmen von seiner Philosophie entfernt, in erster Linie dem Kunden zu dienen. «Ich glaube nicht, dass es falsch war, zu expandieren, um die Bedürfnisse unserer Kunden weltweit zu erfüllen», sagte Toyoda. «Aber wir sind vielleicht weiter gegangen, als wir es hätten tun sollen.»
Klemmende Pedalen, rutschende Fussmatten
Jetzt, ein gutes halbes Jahr später, ist das Desaster da. Letzte Woche hat Toyota 2,3 Millionen Fahrzeuge in den USA wegen möglicher Blockaden der Gaspedale zurück gerufen, diese Woche folgten weitere 1,1 Millionen Wagen, weil rutschende Fussmatten das Gaspedal festklemmen könnten. Wegen des gleichen Defektes musste Toyota bereits im Herbst 4,2 Millionen Wagen zurückrufen.
Und heute räumte das Unternehmen ein, in China seien 75'000 Autos von pannenanfälligen Pedalen betroffen, in Europa eine noch unbekannte Zahl. Verschiedene deutsche Medien schätzen mit Verweis auf Toyota-Interne in Japan, dass gegen zwei Million Wagen kontrolliert werden müssten. Genaue Zahlen sollen am Freitag folgen.
Wie ein Virus schlich sich das Pedal ein
Insgesamt wären das also 5,5 Millionen Autos. Das sind 73 Prozent der Menge von 7,5 Millionen Wagen, die Toyota 2008 verkaufte. Wie ein Virus konnten sich die fehlerhaften Einzelteile in insgesamt acht Modelle einschleichen: Um Geld zu sparen, baut Toyota dieselben Komponenten immer schneller in möglichst viele Modelle ein. Herr Toyodas Sorge ist berechtigt.
Die grosse Krise verdankt er dem früheren Chef und VR-Präsidenten Hiroshi Okuda, der die Toyota-Mitarbeiter seit 1995 zu immer mehr Verkäufen antrieb – trotz zunehmender Warnungen innerhalb und ausserhalb der Firma, das rasante Wachstum schade der Qualität.
500 Millionen Dollar in der Woche
Der Schaden für den Konzern ist enorm: 500 Millionen Dollar kostet die Panne nach einer Schätzung des «Wall Street Journal» wöchentlich in den USA alleine. Noch schlimmer jedoch dürfte der Vertrauensverlust wiegen, mit dem Toyota nun zu kämpfen hat. Jahrelang galten Toyotas als robust und sicher – ein Image, das jetzt leidet.
Bereits 2009 schrieben der Schweizer TCS und der deutsche ADAC in ihrer Pannenstatistik: «Die japanischen Hersteller, die noch vor Jahren die Autos mit der grössten Zuverlässigkeit produzierten, liegen derzeit im Mittelfeld.» Auch die amerikanische Autobahn-Sicherheitsbehörde NHTSA stellt seit 2002 zunehmende Mängel fest. «Herr Toyodas Mission», schreibt das «Wall Street Journal», «ist dringend.» (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.01.2010, 09:02 Uhr
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1 Kommentar
Das ist nur eine vorübergehende Formschwäche. Toyota hat so viele finanzielle Reserven wie kein anderer Autohersteller. Reden wir in ein paar Jahren nochmal über die Pannenstatistik... (bin übrigens KEIN Toyotafahrer, die sehen mir alle ein bisschen zu barock aus). Antworten
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