Wirtschaft
Die umstrittenen Methoden von Lyoness
Von David Schaffner und Bernhard Odehnal. Aktualisiert am 27.10.2009 23 Kommentare
Der Slogan klingt verführerisch: «Geld zurück bei jedem Einkauf.» Mit diesen Worten wirbt die Einkaufsgemeinschaft Lyoness seit Oktober in der Schweiz. Die Firma mit Sitz in Buchs SG ermuntert Konsumenten, Mitglied zu werden, sogenannte Positionen zu erwirtschaften und neue Mitglieder anzuwerben. Angeblich können Lyoness-Kunden europaweit bei mehr als 16'000 Partnerunternehmen vorteilhaft einkaufen.
Ex Libris und Hewlett Packard (HP) liessen allerdings ihr Logo von der Lyoness- Homepage streichen, nachdem sie vom TA erfahren hatten, dass sie angebliche Partner seien. «Wir haben nicht gewusst, dass Lyoness uns als Partner angibt», heisst es bei Ex Libris. Die Einkaufsgemeinschaft sei der Firma nicht bekannt gewesen. Kontakte hätten nicht stattgefunden.
Zur angeblichen Partnerschaft sind HP und Ex Libris über Tradedoubler gekommen. Das schwedische Unternehmen mit einem Ableger in Zürich hilft Firmen, ihre Onlineshops mit anderen Websites zu verknüpfen. Laut Lyoness haben HP und Ex Libris online eine Partnerschaft bestätigt. «HP hat eine vertragliche Beziehung zu Tradedoubler, nicht aber zu Lyoness», sagt hingegen HP-Sprecher Beat Welte. «Das Geschäftsmodell der Lyoness können wir nicht beurteilen.» Ex Libris wird die Verträge mit Tradedoubler ändern, damit nicht erneut unerwünschte Partnerschaften entstehen. Tradedoubler-Geschäftsführerin Catrin Rubenson sagt: «Wir arbeiten mit Lyoness in mehreren Ländern.» Lyoness betreibe ein Modell, das auch andere Firmen kennen würden.
«Schneeballartiges System»
«Hände weg!», rät dagegen Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. «Das System ist intransparent und nur schwer nachvollziehbar.» Die Liste der Partnerfirmen sei viel kleiner als Lyoness auf der Website suggeriere. Mehrere Firmen seien unter verschiedenen Sparten aufgelistet. «Überdies funktioniert das System klar nach dem Schneeballprinzip.»
Zu diesem Schluss kommt auch die Schweizer Lotterie- und Wettbewerbskommission Comlot: «Bei Lyoness handelt es sich um ein schneeballartiges System», sagt Sprecher Manuel Richard. «Wir haben aber keine Hinweise, dass es illegal ist.» Ein Schneeballsystem sei nur dann verboten, wenn ein Kunde einen Schaden erleide, wenn er nicht viele neue Kunden anwerben könne. «Lyoness gewährt die Möglichkeit, sich auszukaufen. Der Kunde erhält dann Gutscheine im Wert der vorher gezahlten Leistungen.» Comlot will Lyoness weiterhin genau beobachten.
Die Lyoness ist mit der Einschätzung der Aufsichtsbehörde Comlot nicht einverstanden: «Unser System funktioniert nicht schneeballartig», sagt Geschäftsleiter Georg Zakraysek. «Es geht nur um Vergütungen aus dem Einkauf. Lyoness ist nicht abhängig vom Werben weiterer Kunden.» Ein Blick in eine Broschüre der Gemeinschaft zeigt: Lyoness verspricht, sofort ein Prozent der Einkaufssumme zurück an den Käufer zu vergüten. Zusätzlich können sich Mitglieder Positionen erarbeiten. Diese setzen sich aus Restrabatten zusammen, welche die Partnerfirmen an Lyoness gewähren. Eine Position entspricht 75 Franken und löst eine Kaufrückvergütung von 675 Franken aus. Allerdings erst, wenn insgesamt 70 weitere Positionen entstehen – beispielsweise durch angeworbene Freunde.
191'700 Franken Umsatz für 675 Franken Vergütung
In einer Broschüre geht Lyoness davon aus, dass im Durchschnitt eine erste Position nach einer Einkaufssumme von 2700 Franken entsteht. Zusammen mit den anderen 70 Positionen müssen total 191'700 Franken umgesetzt werden, bevor Lyoness tatsächlich 675 Franken vergütet. Um schneller zu einer Position zu kommen, kann ein Mitglied die 75 Franken direkt einzahlen. Überdies wirbt Lyoness dafür, sich mit einem Business-Paket für 3000 Franken gleich mehrere Positionen zu erkaufen. Ein Paket soll gemäss Lyoness Provisionen und Gutschriften in der Höhe von 24'858 Franken abwerfen.
In Österreich, wo Lyoness seit Jahren aktiv ist, haben sich zwei Konsumentenschutz-Organisationen mit dem System beschäftigt. «Wir ersuchen, den in Aussicht gestellten Gewinnen mit angemessener Skepsis zu begegnen», schreibt die Arbeiterkammer. In einer Stellungnahme schrieb Lyoness, dass sie den Begriff Gewinn nicht verwende. Gemeint sind die in Aussicht gestellten Kaufrückvergütungen.
«Lyoness ist transparent»
Wenn ein Lyoness-Mitglied aussteigen will, kann es sich auskaufen. Das kann schnell mehrere Tausend Franken ausmachen. Als Gegenwert erhält das scheidende Mitglied Gutscheine in die Hände gedrückt.
Wie lange es dauert, bis ein Kunde eine erste Rückvergütung erhält oder mit dem Business-Paket 24'858 Franken erwirtschaftet, kann Lyoness nicht sagen: «Der Zeitraum hängt vom persönlichen Einkaufsvolumen und von jenem der empfohlenen Kunden ab», sagt Zakraysek. «Business Partner in anderen Ländern benötigen drei bis fünf Monate.»
Zakraysek findet nicht, dass das System schwer nachvollziehbar sei: «Der Kunde wird Schritt für Schritt an das System herangeführt. Hierzu stehen Veranstaltungen, Homepage, Unterlagen sowie ein Empfehlungsgeber zur Verfügung. Jeder Einkauf und jede Empfehlung wird transparent auf dem persönlichen virtuellen Office dargestellt.» Laut Zakraysek hat Lyoness in der Schweiz aktuell 25 Onlineshops und drei Händler als Partnerfirmen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.10.2009, 04:00 Uhr
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23 Kommentare
Wenn jemand dieses Business schlecht macht bestehen 3 Möglichkeiten. 1. Das System wurde nicht verstanden. 2. Man war nicht erfolgreich. 3. Kein Mut zu Neuem! Die Cumuluskarte verteilt nur Punkte aus eigenen Einkäufen. Hier werde ich zusätzlich belohnt, wenn ich die Karte weiterempfehle. Was soll hier falsch sein?????? Undurchsichtig ist nich möglich, wenn eine Firma ISO-zertifiziert wurde! Antworten
Ich kann nicht verstehen was das Ganze Theater soll. Niemand mus irgend ein Paket kaufen, auser wenn jemand am Geschäfstsaufbau mitmachen will. Und wenn sich Jemand dafür entscheidet, dann mus er dafür auch ein bischen was tun ! Eigentlich Logisch. Ansonsten hat er irgentwas falsch verstanden. Das Systehm funktioniert eben um so besser um so grösser die Einkaufsgemeinschaft ist. Antworten
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