Wirtschaft
Die unerträgliche Dreistigkeit des Bankers
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 13.01.2010
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Die US-Regierung zeigt sich zunehmend ungehalten über die Boni, die wieder an die Topbanker ausbezahlt werden. Christina Romer, Chefökonomin von Präsident Barack Obama, nannte am Wochenende Auszahlungen an die Banker «empörend» (outrageous) und erklärte, das Verhalten zeige die Dringlichkeit einer schärferen Regulierung. Mittlerweile plant auch die Obama-Administration wie die Briten ebenfalls eine Abgabe von den Bankern.
Grossbritannien bietet derweil Anschauungsunterricht dazu, wie die Banken mit Massnahmen umgehen, die mit der Kultur exorbitanter Boni aufräumen wollen. Das einmalige Vorpreschen der Briten mit einer 50 Prozent-Steuer auf Zahlungen ab 25'000 Pfund (41'000 Franken) hat das Ziel möglicherweise bereits verfehlt, die Banken bei den Boni zur Zurückhaltung zu zwingen. Seit der Bekanntgabe der Massnahme jagen sich Geschichten über Banken, die die Londoner City in Richtung Schweiz oder New York verlassen wollen.
Die Rhetorik mit der Abwanderung
Unterstützt werden sie dabei auch von Bürgermeister Boris Johnson von der konservativen Partei – die Konservativen hoffen im laufenden Jahr auf einen Wahlsieg gegen die regierende Labourpartei. Im Gleichklang mit der Bankenlobby hat Johnson erklärt, die Wettbewerbsfähigkeit des Bankenplatzes London sei gefährdet und bis zu 9000 Banker könnten in ein anderes Land ziehen. Der Ökonom Tom Kirchmaier von der London School of Economics hält das allerdings für Rhetorik, wie er gegenüber «Bloomberg» erklärt: «Einige wenige Banken und Hedge Funds werden vielleicht umziehen, aber das wird nicht über Nacht geschehen», erklärt er, «die Drohung, dass führende Banken gehen, ist schlicht nicht glaubwürdig.»
Doch die britischen Banken drohen nicht nur: Sie zeigen auch weiterhin keinerlei Zurückhaltung bei den Boni. Der Haupttrick, um die Steuer zu neutralisieren, besteht jetzt darin, dass mehrere Grossbanken einfach die Summe für die Boni verdoppeln. So können sie den Bankern die geplanten Beträge vollumfänglich ausbezahlen. Die Steuern zahlen sie dann aus der eigenen Kasse. Eine Reihe von Grossbanken hat zudem auch eine Verdoppelung der Fixgehälter der Banker angekündigt.
Geld auf Kosten der Sicherheit
Immerhin steigt durch die Verdoppelung der Bonussumme der Betrag, den die Regierung durch die Steuer einnimmt. Die Banken selbst behaupten, er werde sich auf mindestens 4 Milliarden Pfund belaufen – statt der halben Milliarde, welche die Regierung ursprünglich erwartet hat. Diese zweifelt allerdings an der Schätzung der Banken und rechnet neu mit einer Summe zwischen einer und zwei Milliarden Pfund.
Trotzdem ist das für die Steuerzahler keine gute Nachricht. Indem die Banken die Steuer aus den eigenen Mitteln zahlen, schrumpft erneut ihre Kapitaldecke, was sie für eine Krise wieder anfälliger macht. Wie in allen Ländern fordern auch in Grossbritannien die Regulierungsbehörden von den Banken genau das Gegenteil: Eine Stärkung der Kapitaldecke. Dass sie sich darum foutieren, kommt einer Verhöhnung der Steuerzahler gleich, denn die Finanzinstitute wissen, dass sie im Krisenfall mit Milliarden an Steuergeldern gerettet werden: Das ist die Lektion der jüngsten Vergangenheit. Hohe Zahlungen an sich selbst haben für die Banker genau wie vor der Krise eine höhere Priorität, als die Stabilität des gesamten Finanzsystems.
Durch besondere eigene Leistungen lassen sich die hohen Boni ohnehin kaum rechtfertigen. Denn auch ihre wieder sprudelnden Gewinne verdanken die Banken hauptsächlich staatlichen Massnahmen: Dazu gehört, dass sie das Geld sehr billig von der Zentralbank beziehen können und durch teure staatliche Unterstützungsmassnahmen die Risiken massiv reduziert wurden. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.01.2010, 07:22 Uhr
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