Die vielen Baustellen von Siemens

Peinliche Pleiten und eine unprofitable Resterampe: Nach dem Abbau von 15'000 Stellen möchte Siemens-Chef Joe Kaeser in vier Sparten aufräumen.

Die Baustellen befinden sich in vier verschiedenen Sparten: Fahnen von Siemens.

Die Baustellen befinden sich in vier verschiedenen Sparten: Fahnen von Siemens. Bild: Keystone

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Die Aussendarstellung von Siemens war zeitweise so miserabel, dass der Konzern fast wirkte wie von der Pleite bedroht. Dabei macht der deutsche Vorzeigekonzern nach wie vor Milliardengewinne. Im Zuge eines Sparprogramms baut Siemens nun weltweit 15'000 Stellen ab, und der neue Chef Joe Kaeser findet in den vier Siemens-Sparten viele Baustellen.

ENERGIE:
Siemens macht mit dieser Sparte den grössten Umsatz, dazu zählt etwa der Kraftwerksbau oder der Bereich der Erneuerbaren Energien. In diesem als besonders zukunftsträchtig geltenden Geschäftsfeld hat Siemens aber grosse Schwierigkeiten.

Bei in der Nordsee gebauten Offshore-Windparks, also fern der Küste liegenden Anlagen, gelang nicht die Anbindung ans Land. Dies belastet nun schon seit langem die Bilanzen und verschlang bereits 680 Millionen Euro. In den USA brach bei einem Windrad in der Wüste ein tonnenschweres Rotorblatt ab, was dem Ruf von Siemens schadete und kostspielige Überprüfungen baugleicher Anlagen nach sich zog.

Noch negativer verlief für Siemens der Ausflug ins Solargeschäft, wo der Konzern eine Niederlage auf der ganzen Linie erlitt. Der vom rausgeworfenen Chef Peter Löscher betriebene Kauf der israelischen Solarfirma Solel wurde zum Flop, insgesamt setzte Siemens mit der Solarenergie etwa eine Milliarde Euro in den Sand.

INFRASTRUKTUR UND STÄDTE:
Diese jüngste Konzernsparte ist zugleich das grösste Problemkind. Löscher selbst schuf das Segment und fasste darin Infrastrukturtechniken für grosse Städte oder die Bahntechnik zusammen. Weil der Bereich aber so vielschichtig ist und ausserdem fast keine Gewinne liefert, wird er schon länger als «Resterampe» verspottet. Immer wieder keimen Gerüchte auf, dass einzelne Geschäftsfelder dieses Sektors zum Verkauf stehen. Selbst über eine Schliessung des gesamten Sektors wurde schon spekuliert.

Besonders peinlich ist für den auf seine Ingenieurskunst so stolzen Konzern das Versagen bei den neuen ICE-Zügen. Ursprünglich sollten diese 2011 an die Deutsche Bahn geliefert werden, inzwischen will Siemens nach mehreren Verzögerungen keinen Liefertermin mehr nennen. Auch den ursprünglich geplanten Liefertermin für den unter anderem für den Eurotunnel unter dem Ärmelkanal geeigneten internationalen Zug Eurostar kann Siemens wohl nicht halten. Der Konzern begründete dies damit, die Komplexität des Auftrags unterschätzt zu haben - eine Bankrotterklärung für Ingenieure.

INDUSTRIE:
Diese Sparte ist das Kaufhaus der Hersteller, sie können von vollständigen Industrieanlagen bis zum kleinen Elektromotor alles erhalten. Der Sektor arbeitet zwar technisch zuverlässig, er krankt aber an der weltweit lahmenden Konjunktur. Dies führte zu einem Rückgang von Umsatz, Aufträgen und Gewinn und vermasselte damit dem Konzern zuletzt mit die Bilanzen.

MEDIZIN:
Diese Sparte ist mittlerweile der zuverlässigste im Konzern-Portfolio. Hier erwirtschaftet Siemens die höchsten Renditen, die Siemens-Medizintechnik geniesst einen exzellenten Ruf. Noch vor wenigen Jahren war dies anders, mit einem konsequent an Profitabilität orientierten Sanierungsprogramm gelang aber der Erfolg. Ein Ruhekissen gibt es aber auch für die derzeitige Vorzeigesparte nicht - der Konkurrenzkampf in der Medizintechnik ist international stark ausgeprägt.

ran/oel/hex

(wid/AFP)

Erstellt: 29.09.2013, 21:00 Uhr

Joe Kaeser ist Siemens-Chef. (Bild: Keystone )

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