Wirtschaft
Dieter Behrings neue Börsengeschäfte nach der Pleite
Von Christian Mensch. Aktualisiert am 06.05.2010 9 Kommentare
Im Oktober 2004 platzte das Anlagesystem Moore Park. Rund 1200 Anleger hatten über Vermittler und Untervermittler 800 Millionen Franken in die angebliche Geldvermehrungsmaschine investiert. Dieter Behring, der mutmassliche Drahtzieher des Anlagesystems, beteuert bis heute, er habe lediglich «Handelssignale errechnet»; das Geld angelegt oder eben veruntreut hätten seine Partner.
Die Bundesermittler glauben ihm kein Wort. Ein funktionierendes Anlagesystem sei nicht erkennbar, erklärten sie schon rasch nach der Festnahme des Hauptverdächtigen. Wie um seine Unschuld zu belegen, begann Behring schon in der Untersuchungshaft mit dem Entwickeln einer neuen Handelssoftware namens Dedico. Nach Ermittlungen der Bundeskriminalpolizei gebe es Belege, wonach dieses System ab 2005 begann, Daten auszuspucken. Erfolgreich, wie vorgefundene Auszüge darlegten: Ein UBS-Wertschriftenkonto, im Januar mit einer Million Franken bestückt, wies Ende Jahr einen Saldo von 1 721 400 Franken aus. Sein Dedico-System erwirtschaftete also eine Performance von 72,14 Prozent.
Fehlstart
Behrings ehemalige Mitarbeiter standen für einen Neustart schon bereit. Aufbauend auf Namensrechten, die Behring vorsorglich gebunkert hatte, gründeten sie die Socranes AG. Doch nicht zuletzt die durch die BaZ geschaffene Öffentlichkeit bekam dem jungen Finanzpflänzchen schlecht; der Aufbau der Firma scheiterte bereits im Ansatz.
Jürg Suter, Behrings rechte Hand im geplatzten Anlagesystem, wollte dennoch von der Magie des Meisters profitieren und überwies ihm auf Anfang 2006 genau 400 000 Franken auf ein UBS-Konto. Mit diesem Geld handelte Behring. Drei Monate später war der Betrag um 2,7 Prozent geschmälert. Das Geld wechselte anschliessend auf ein Konto der Synthesis-Bank und wurde von Suter auf knapp eine halbe Million Franken aufgestockt. Ziemlich genau ein Jahr später, im März 2007, nahm die Bundesanwaltschaft Behring zum zweiten Mal in Untersuchungshaft. Der Saldo auf Suters Konto betrug nun gerade noch 138 982 Franken. Behring hatte einen Verlust von 71,8 Prozent eingefahren – so viel, wie er im Vorjahr angeblich mit Börsengeschäften an Gewinn erzielt hatte.
Repetition
Den realisierten Profit aus dem Millionenportfolio konnte die Polizei nicht beschlagnahmen – die angeblich kontoführende UBS hatte keine Kenntnis davon. Die Bundeskriminalpolizei, aus deren Bericht die erzählten Fakten entnommen sind, geht davon aus, die ausgewiesenen Gewinne seien lediglich auf virtuellen Konti entstanden. Ein solches fiktives Konto habe Behring bereits 2002, vor dem grossen Durchstarten des Projekts Moore Park, geführt. Damals hätten 100 Millionen Dollar das Startkapital gebildet und die Performance habe nach einem Jahr an die 35 Prozent betragen.
Aus den der «Basler Zeitung» vorliegenden Akten geht nicht hervor, wie sich Behring die Diskrepanz zwischen den virtuellen Erfolgen und dem realen Misserfolg erklärt. Auf Fragen reagiert er nicht. Doch ein Schreiben an die Bundesanwaltschaft, das Behring nach der Entlassung aus der zweiten Untersuchungshaft öffentlich gemacht hat, zeigt, dass er die Schuld weiterhin nicht auf seiner Seite sieht.
Computerpanne
Behring beschuldigt die Bundesanwaltschaft, aktiv Geld vernichtet zu haben. Bei seiner zweiten Verhaftung habe er dringend gebeten, das Handelskonto eines «X.Y.» glattzustellen, «damit keine Verluste entstehen können». Dies habe man ihm jedoch verweigert. Nach der Rückkehr aus der U-Haft habe er feststellen müssen, dass sich von 172'000 Franken rund 100'000 in Luft aufgelöst hätten. Und da der Wind an der Börse gedreht habe und ihm weiterhin keinen Zugriff erlaubt worden sei, sei wohl «beinahe das gesamte vorhandene Kapital vernichtet» worden.
Den Ermittlern kommt diese Erklärung bekannt vor. Bereits in einer von Behrings frühen Trader-Phasen (1991) hatte er zunächst Verluste eingefahren. Als die Anleger aufmuckten, war es dann eine Computerpanne, die für den anschliessenden Totalverlust verantwortlich war. Strafrechtliche Abklärungen der Basler Staatsanwaltschaft verliefen damals ergebnislos.
Ab einer Million
Ob Behring nach 2007 noch an der Börse gehandelt hat, ist nicht bekannt. Zumindest theoretisch lag er jedoch 2008 wieder gut im Geschäft. Im April startete er ein weiteres System, das er auf seiner Homepage venceremos.ch ankündigte. Der Mindesteinsatz war eine Million Franken. Das Ziel war eine Performance, die zehn Prozent über den gängigen Börsenindizes liegen sollte. Bereits nach drei Wochen wies Behring eine Rendite von 7,7 Prozent aus. Nach einem Handelsjahr lag er weit über der eigenen Vorgabe: Sein System wies eine Performance von 19,5 Prozent aus, der Markt eine von minus 36,5 Prozent. Behring hatte den Markt also um 56 Prozentpunkte geschlagen. Ein Revisionsbericht, der die Rendite beglaubigen würde, liegt nicht vor. Seit vergangenem Herbst publiziert Behring keine Zahlen mehr.
Q.E.D. – «quod erat demonstrandum» oder «was zu beweisen war» – hiess eine von Behrings Gesellschaften: Solange er seine Erfolge nicht mit einer Revision nachweisen muss, ist er weiterhin der König unter den Anlagestrategen. Es soll ihn nur niemand bitten, mit dem investierten Geld tatsächlich auch zu handeln. (Basler Zeitung)
Erstellt: 06.05.2010, 09:50 Uhr
Kommentar schreiben
9 Kommentare
Zocker, welche ihm Geld geben, um es gewinnbringend anzulegen, wissen spätestens jetzt, dass daraus im Normalfall nichts wird und die Verluste überwiegen. Normale Anleger haben bereits mit ihm abgeschlossen, nach der ersten Pleite. So ist jeder seines Glückes Schmied! Antworten
Wirtschaft
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!



