Wirtschaft

Discounter Lidl betritt Neuland

Aktualisiert am 07.12.2010 7 Kommentare

Die 1375 Lidl-Angestellten erhalten ab dem 1. März 2011 einen Gesamtarbeitsvertrag. Für den deutschen Billig-Discounter ist das der erste derartige Vertrag.

«Dieser Vertrag hat für uns auch eine europäische Dimension»: Andreas Pohl, Geschäftsführer von Lidl Schweiz.

«Dieser Vertrag hat für uns auch eine europäische Dimension»: Andreas Pohl, Geschäftsführer von Lidl Schweiz.
Bild: Keystone

Nach mehrere Monate dauernden Verhandlungen unterzeichneten die Gewerkschaft und der Verband am Dienstagmorgen in Bern mit Lidl den Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Dieser stellt gleich zwei Premieren dar: Zum ersten Mal erklärt sich in der Schweiz ein Discounter bereit, Arbeitsbedingungen in einem GAV zu regeln; für den deutschen Discounter Lidl ist es der erste GAV überhaupt.

Lidl kommt den Sozialpartnern bei der Wochenarbeitszeit und den Ferienansprüchen entgegen, wie Andreas Pohl, Geschäftsführer von Lidl Schweiz, in Bern vor den Medien sagte: Künftig müssen alle Lidl-Angestellten statt 42 noch 41 Stunden pro Woche arbeiten.

Sechs Wochen Ferien für über 50-Jährige

Über 50-Jährige und Lernende erhalten neu sechs Wochen Ferien; für die restlichen Angestellten bleibt der Ferienanspruch bei fünf Wochen. Der GAV gilt für sämtliche Lidl-Angestellten mit Ausnahme der Kader.

Auch dies sei ein Verhandlungserfolg, sagte Barbara Gisi von KV Schweiz. Etwa bei Coop oder Migros seien Angestellte im Stundenlohn mit kleinen Pensen unter 50 Prozent (Coop) respektive unter 20 Prozent (Migros) vom GAV ausgeschlossen.

Nicht mehr Lohn

Lidl-Angestellte, die auf mehr Lohn hofften, werden allerdings enttäuscht: Die Mindestlöhne bleiben gleich. So beträgt der Vollzeit-Referenzlohn für eine 20-jährige, ungelernte Arbeitskraft 3800 Franken.

Mitarbeitende mit Berufserfahrung und zweijähriger Grundausbildung verdienen mindestens 3950 Franken, solche mit dreijähriger Grundausbildung 4100 Franken. Alle Löhne werden 13-mal im Jahr ausbezahlt. Zudem finden künftig jedes Jahr Lohngespräche mit den Sozialpartnern statt. Ein Teuerungsausgleich für das Jahr 2011 ist nicht vorgesehen.

Zugeständnisse macht Lidl neu denjenigen Angestellten, die in der Nacht oder am Sonntag arbeiten. «Angestellte, die regelmässig in der Nacht arbeiten, erhalten 25 Prozent Lohnzuschlag», erklärte Silja Drack, GAV-Verhandlungsleiterin von Lidl. Bei regelmässiger Sonntagsarbeit erhalten die Mitarbeitenden 50 Prozent Lohnzuschlag.

GAV bleibt unter Verschluss

Details des GAV wurden am Dienstag nicht bekannt: «Lidl verzichtet vorerst darauf, den GAV öffentlich zu machen», sagte Drack. Das Unternehmen wolle nun zuerst einmal die Mitarbeitenden informieren.

«Dieser Vertrag hat für uns auch eine europäische Dimension», sagte Geschäftsführer Pohl. Aufgrund der besonderen Bedingungen, die in der Schweiz herrschten, sei Lidl zum Schluss gekommen, dass ein GAV für die Schweiz «der richtige Weg» sei. Ob der Schweizer GAV für Lidl zum Exportschlager wird, bleibt indes offen: «Wir betrachten jeden Markt für sich», beantwortete Pohl eine entsprechende Frage. (pbe/sda)

Erstellt: 07.12.2010, 13:22 Uhr

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7 Kommentare

Sandor Megyessy

07.12.2010, 14:23 Uhr
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Na also, geht doch. Schön das ausländische Unternehemn die in die Schweiz kommen lernen sich an die hiesigen Gegebenheiten anzupassen. Antworten


Peter Meyer

07.12.2010, 14:31 Uhr
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Leider ist die Bautätigkeit von Lidi und Aldi anders andere als Schweizerisch: Einkaufszentren die nur mit dem Auto erreichbar sind generieren unnötigen Einkaufs-Mehrverkehr! Der Steuerzahler muss dann vermehrt Strassen ausbauen und sanieren, der Gewinn bleibt bei den Discountern. Antworten



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