Wirtschaft

Ein C ehrgeiziger

Hansueli Loosli ist der Mann, der in den letzten Jahren der Migros das Leben schwermachte. Nun gibt er die Leitung von Coop ab. Wer auf ihn folgt, ist offen. Sicher ist, dass grosse Schuhe warten.

In seinem Element: Loosli, Sohn einer Aargauer Ladenbesitzerin, bei der Jahrespressekonferenz in Muttenz.

In seinem Element: Loosli, Sohn einer Aargauer Ladenbesitzerin, bei der Jahrespressekonferenz in Muttenz.
Bild: Reuters

Dass ein willensstarker Erfolgsmensch wie Hansueli Loosli sich das Rauchen lange nicht verkneifen konnte, war für viele Menschen in gewisser Weise tröstlich. Auch für Journalisten, die es in ihren Artikeln gerne beiläufig erwähnten – bis zu einem Interview im Dezember 2007, als Mitarbeiter des «Sonntag» ihn beim Besuch in seinem Büro fragten, wo denn der Aschenbecher sei. «Ich habe vor drei Monaten mit dem Rauchen aufgehört», sagte der Coop-Chef da, «von einem Tag auf den anderen übrigens.»

Ein klarer Entscheid und der Wille, ihn dann auch bei Schwierigkeiten zur Wirklichkeit zu machen: eine Strategie, die zum Erfolg von Loosli häufig beitragen hat. Zum Beispiel bei der Fusion von 15 Coop-Genossenschaften zu einer einzigen, die er im August 1999 durchsetzte. Seither gibt es in der Basler Zentrale weniger Führungsebenen und Verquickungen zwischen Geschäftsführung und Verwaltungsrat – eine der Grundlagen des Erfolgs. Der Erzrivalin Migros ist das bislang nicht gelungen.

Neue Basis für Coop geschaffen

Aus Looslis Sicht war es der wichtigste Entscheid, den er bei Coop traf: «Ich kann ihnen gar nicht sagen, wie viel Energie es brauchte, 1000 Delegierte aus vier Sprachregionen zu überzeugen, dass eine einzige Genossenschaft das Richtige ist», gestand er im Interview mit der «Bilanz». Eine nachgerade schweizerische Herausforderung also, die Loosli damals meisterte, obwohl ihm die entsprechenden «Tugenden» in der Presse abgesprochen wurden.

Einen «Haudegen» nannte ihn der «Blick» schon in den Neunzigern. Und einen «Job-Hopper», weil er innerhalb von 20 Jahren nicht weniger als achtmal den Arbeitgeber gewechselt hatte. Zu Coop war der gelernte Buchhalter schliesslich über die übernommene Waro gestossen. Und anders als der einstige Migros-Chef Peter Everts, der sich im Vorstand einst als «Primus inter Pares» bezeichnet hatte, sagte der zweifache Vater Loosli: «Ich bin die Nummer 1, ganz klar.»

Eine Nummer zwei mit Ambitionen

Der Konzern, den der 53-Jährige Aargauer seit mehr als zehn Jahre leitet, ist freilich noch immer die Nummer zwei. Doch Coop hat kräftig aufgeholt und die Migros im Jahresvergleich immer öfter alt aussehen lassen. Heute kommt Coop auf 19 Milliarden Franken Umsatz pro Jahr. Looslis Ehrgeiz, den Marktführer einzuholen, ist offensichtlich, wie seine Massnahmen über die Jahre zeigten. Die Produktivität des Unternehmens stieg deutlich. Übernahmen wie die von 12 Carrefour-Verkaufsstellen und das Tiefstpreis-Versprechen für 430 Prix-Garantie-Artikel waren eine Kampfansage an heutige und kommende Wettbewerber in der Schweiz oder aus dem Ausland. Und auch in der Öffentlichkeit betonte Loosli immer gerne mal, dass die Migros nicht für alle Zeiten die Nummer ein bleiben müsse.

Doch andererseits: «Lieber die ertragsstarke Nummer zwei sein als eine weniger starke Nummer eins», wie er einmal sagte. Es ist nicht die Wortwahl eines «Haudegens», sondern eines Managers, der nach eigener Einschätzung offen für Kritik ist und in einem dynamischen Marktumfeld klugerweise keine Versprechen machen mag – trotz Erfolgen wie der Tatsache, dass Coop den Abstand zur Migros verringert hat. Auf das Rekordjahr 2008 angesprochen, blieb er jedenfalls zurückhaltend. «Einmal bin ich top, dann heisst es wieder, alles, was der Loosli macht, sei ein Flop. Einmal wird man gelobt, dann wieder getadelt», sagte er der «Bilanz», «das darf man alles nicht so wichtig nehmen.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.06.2010, 19:40 Uhr

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7 Kommentare

Pierre Rappazzo

25.04.2009, 20:59 Uhr
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Als Hansueli Loosli Coop Chef wurde, war Coop de facto Bankrott, da begriff sogar der letzte duselige Delegierte was es geschlagen hatte. Leider scheint es, dass Migros auch zuerst herunter gewirtschaftet werden muss, bis deren inkompetenten Genossenschaftsräte der Migros eine Führungsstruktur verleihen. Pierre Rappazzo, Präsident SORGIM Antworten


Hugo Eppenberger

25.04.2009, 12:16 Uhr
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Herr Loosli hat mit seinem starken Team, allenvoran die flexible IT, Migros um Meilen abgehängt. Superpunkte / Luxuslinie/ Wheigt Watchers / Sparlinie mit Qualität und nicht zu vergessen sichere Arbeitsplätze. Viele Manager könnten sich ein Beispiel nehmen. Gratulation zum Erfolg Antworten


Bruno Froehlich

25.04.2009, 10:00 Uhr
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@reto lippold, erst Hirn einschalten, dann (vielleicht) schreiben. Coop ist eine Erfolgsgeschichte und Loosli, zusammen mit einem guten Team im Ruecken Mitbaumeister und gut im Wind der Kundenwuensche, denn wie sonst liesse sich der Erfolg erklaeren. Loosli ist auch kein Manager im Elfenbeinturm, jede Woche an der Front, in den Laeden anzutreffen. Schauten Sie in die eigene Kulisse Misserfolg ? Antworten


Bruno Froehlich

24.04.2009, 17:47 Uhr
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@reto lippold, erst Hirn einschalten, dann (vielleicht) schreiben. Coop ist eine Erfolgsgeschichte und Loosli, zusammen mit einem guten Team im Ruecken Mitbaumeister und gut im Wind der Kundenwuensche, denn wie sonst liesse sich der Erfolg erklaeren. Loosli ist auch kein Manager im Elfenbeinturm, jede Woche an der Front, in den Laeden anzutreffen. Schauten Sie in die eigene Kulisse Misserfolg ? Antworten


Ronnie König

24.04.2009, 15:21 Uhr
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Loosli hatte aber auch Glück, dass das EPA-Debakel ihm nicht das Genick brach! Erfunden hat Coop bis heute meines Wissens nichts, höchstens besser gemacht als andere. Dies könnte sich bald ändern. Geht Loosli darum? Ein C ehrgeiziger stimmt sicher und dazu wahrscheinlich ein M besser als Migros meint!!! Antworten


Hans Walter

24.04.2009, 15:05 Uhr
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"Ein C ehrgeiziger": Grandiose Schlagzeile, Gratulation! Ich stelle fest, dass die Produkte der Coop Eigenmarken heute durchs Band besser sind als jene der Migros. Antworten


reto lippold

24.04.2009, 14:38 Uhr
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Mich wundert, dass Herr Loosli derart hochgelobt wird. Schaut man hinter die Kulissen, sieht die Sache vielleicht anders aus. Loosli hat das Coop-Erbe, vor allem die tiefe Verankerung in der Schweizer Gesellschaft immer ignoriert. Stattdessen wollte er Tesco oder REWE in der Schweiz spielen. Nun ist das Tafelsilber erfolgreich verkauft - und Lidl ist da. Klar das Loosli sich verdrückt.... Antworten



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