Wirtschaft
Ein Nummernkonto schützt vor Datenklau
Von René Lenzin. Aktualisiert am 25.01.2010
Ein Nummernkonto – «wie in der Schweiz» – bietet das österreichische Bankhaus Jungholz auf seiner Website an. Sinnigerweise heisst es Goldfinger. Ganz eindeutig spielt die Bank mit dem Mythos des diskreten und anonymen Nummernkontos in der Schweiz, das man aus Agentenfilmen kennt. 100'000 Euro beträgt die Mindesteinlage, erklärt ein Angestellter des Bankhauses auf Anfrage.
Die Diskretion besteht darin, dass Name und Adresse des Kunden nicht in der EDV der Bank erfasst werden und nur einem kleinen Kreis von Bankangestellten bekannt sind, heisst es auf der Website weiter. Anonymität allerdings gibt es nicht. Wer ein Goldfinger-Konto eröffnen will, muss sich ausweisen und die Herkunft der Kontoeinlage deklarieren. Wie bei jedem Konto – und wie in der Schweiz.
Nur ein Mythos
Realität ist auch hierzulande, dass das namenlose Nummernkonto, über das Filmbösewichte ihre illegalen Geschäfte abwickeln, tatsächlich nur ein Mythos ist. Realität ist aber ebenso, dass das Nummernkonto trotzdem noch existiert. Auch wenn sich die Banken eher schwer tun, darüber zu reden. «Wir bestätigen, dass es dieses Angebot gibt», sagt etwa ein Sprecher der Credit Suisse, «aber wir geben dazu keine Zahlen bekannt.» Ähnlich tönt es bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB): «Selbstverständlich ist es auch bei der ZKB möglich, aus Diskretionsgründen ein Nummern- beziehungsweise Kennwortgeschäft zu eröffnen», sagt Thomas Pfenninger von der Pressestelle. Über die Anzahl solcher Konnten gibt die ZKB jedoch keine Auskunft.
Die Schweizerische Bankiervereinigung hat keine Ahnung, wie viele Nummernkonten es gibt. «Wir führen keine Statistik und ich habe noch nie eine gesehen», sagt Sprecher Thomas Sutter. Und gleichzeitig betont er, Nummernkonten seien «nicht anonyme Konten», das heisst, bezüglich Steuern oder Amtshilfe gebe es «absolut keinen Unterschied» zu anderen Konten.
Kundenname ist weniger Leuten bekannt
Weshalb werden dann immer noch solche Konten eröffnet?, fragt man sich. «Der Vorteil liegt darin, dass weniger Leute in der Bank den Namen kennen», antwortet Thomas Sutter. Dasselbe mit andern Worten sagt Thomas Pfenninger: Ein Nummernkonto habe zur Folge, dass «die an den Vermögenswerten wirtschaftlich berechtigte Person innerhalb der Bank nur einem ausgewählten Kreis von Mitarbeitenden bekannt ist». Also genau wie beim Goldfinger-Konto in Österreich.
Mit der höheren Diskretion schützt sich der Inhaber des Nummernkontos also vor allem gegen allfällige unliebsame «Spione» innerhalb der Bank. Sein Name erscheint nicht im Computer, und es zirkuliert auch kein Papier, das es erlauben würde, seinen Namen mit Beträgen oder Transaktionen in Verbindung zu bringen. Schliesslich schützt das Nummernkonto auch gegen Datenklau, wie er 2008 in der liechtensteinischen LGT oder kürzlich in der Genfer Filiale der HSBC vorgekommen ist. Namen, die in der EDV nicht erfasst sind, können bei einem Datendiebstahl auch nicht in falsche Hände geraten.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.01.2010, 23:47 Uhr
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