Wirtschaft

«Ein Schwarzer Tag für die Nordwestschweiz»

Aktualisiert am 16.02.2010 28 Kommentare

Der angekündigte Kahlschlag bei Clariant erzürnt Angestellte und Gewerkschaften. Die Gewerkschaft Unia wirft dem Management vor, den Standort Muttenz zu zerstören. Die Clariant-Angestellten sehen den Chemie-Standort Schweiz bedroht.

1/8 Clariant-Mitarbeiter vor dem Lagerzentrum in Muttenz: Der 16. Februar 2010 wird ihnen nicht in guter Erinnerung bleiben.
Bild: Elena Monti

Clariant-Entlassungen: «Schwarzer Tag für die Nordwestschweiz»

   

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Clariant (CLN 10.2 -0.97%) will bis Mitte 2012 am Hauptsitz in Muttenz 400 Stellen in der Produktion von Textilfarbstoff-Chemikalien streichen. Die Jobs werden nach Asien verlagert. Laut Unia handelt es sich dabei um «eine der grössten Massenenentlassungen der letzten Jahre». Bereits 2009 hatte Clariant in Muttenz 137 Arbeitsplätze gestrichen, jedoch erklärte Clariant-Chef Hariolf Kottmann vor einem Jahr, der Standort Muttenz sei nicht gefährdet.

Von einem «schwarzen Tag für die Nordwestschweiz» sprach die Gewerkschaft Syna. Der Führung von Clariant gelinge es nicht, das schlingernde Schiff zu stabilisieren, heisst es in einer Mitteilung der Syna vom Dienstag. Die Angestellten-Vereinigung Clariant Schweiz (AVCS) reagierte erschüttert auf den neuerlichen Abbau. Der Verein, der zur Arbeitnehmerorganisation Angestellte Schweiz gehört, forderte das Management auf, «alles Erdenkliche zu tun», um Entlassungen zu vermeiden.

Betroffene unterstützen

Der bis 2012 gültige Sozialplan müsse «konsequent und grosszügig» angewendet werden. Die Syna verlangte angesichts des Ausmasses des Stellenabbaus, dass der Sozialplan verbessert und über die ganze Restrukturierungsphase bis 2013 verlängert wird.

Die AVCS forderte, dass die vom Abbau betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rasch mit gezielten Aus- und Weiterbildungsmassnahmen unterstützt werden. Umfangreiche Outplacement-Massnahmen müssten umgesetzt werden.

Nicht ohne Konsultation

Die Unia kündigte Widerstand gegen den Stellenabbau in Muttenz an. Die Gewerkschaft wirft den Clariant-Managern vor, sie verstiessen gegen den geltenden Gesamtarbeitsvertrag und verletzten die Sozialpartnerschaft.

Bevor Massenentlassungen beschlossen und Produktionsstandorte aufgegeben würden, müsse der Belegschaft und den Gewerkschaften eine angemessene Konsultationsfrist von mehreren Wochen gewährt werden, damit diese Alternativen prüfen könnten. Die Clariant-Leitung missachte diese gesetzlichen Vorschriften bewusst, kritisiert die Unia.

Die Syna forderte das Clariant-Management auf, Hand zu konstruktiven Verhandlungen zu bieten. Der Entscheid, Arbeitsplätze nach Asien zu verschieben, müsse im Rahmen eines seriösen Konsultationsverfahrens überprüft respektive rückgängig gemacht werden.

Schweizer Börse blockiert

Die Unia sieht nun die Politik und insbesondere die Baselbieter Volkswirtschaftsdirektion in der Pflicht. Die Politik müsse «die Interessen der Belegschaft und des Produktionsstandorts Schweiz gegenüber den rücksichtslosen Clariant-Managern» wahrnehmen.

Gegen das Clariant-Management protestierten Unia-Vertreter am Dienstagmorgen auch vor der Schweizer Börse in Zürich, in deren Räumen das Unternehmen die Bilanzmedienkonferenz abhielt. Sie verteilten Flugblätter, auf denen der «Kahlschlag von Kottmann» angeprangert wurde. Gemeint ist Konzernchef Hariolf Kottmann.

Rund 30 linke Aktivisten, offenbar Mitglieder des «Revolutionären Aufbaus Zürich», blockierten vorübergehend sogar den Zugang zur Schweizer Börse. Sie bewarfen das Gebäude mit Eiern und zogen nach einer guten Dreiviertelstunde wieder von dannen. Unia-Vertreter betonten gegenüber der Nachrichtenagentur SDA, dass sie mit der Blockade nichts zu tun hatten.

Mehr zum Thema sowie ein Interview mit Clariant-Chef Hariolf Kottmann können Sie in der Basler Zeitung von Mittwoch lesen. (jg/sda)

Erstellt: 16.02.2010, 15:28 Uhr

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28 Kommentare

Urs Gautschi

16.02.2010, 08:45 Uhr
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Das bedeutet also, dass in absehbarer zukunft Clariant KEINE Produktion mehr in Muttenz haben wird. Nur noch der "Wasserkopf" von Clariant international. Auch dieser dürfte sich noch verlegen lassen... Und dann wird diese Firma salopp gesagt in der Schweiz nicht mehr present sein. Tragisch für alle guten, jahrelang treuen Mitarbeiter. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Gewerkschaften durchsetzen. Antworten


Markus F. Baumgartner

16.02.2010, 10:30 Uhr
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Keine Angst, nach dem vollzogenen Stellenabbau wird im nächten Quartal die Bilanz wieder schwarze Zahlen schreiben ...und DIES auf dem Buckel der entlassenen Angestellten. Wann wird endlich eine Busse fürs Entlassenwerden eingeführt damit die Arbeitslosenkasse nicht auf dem Buckel der Steuerzahler ausgetragen wird ? Antworten



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