Wirtschaft
Ein Wunder, das noch keines ist
Von Thomas Fromm. Aktualisiert am 01.02.2010 3 Kommentare
3400 Saab-Mitarbeiter glaubten an ein Wunder, als der kleine niederländische Sportwagenbauer Spyker jüngst den längst dem Untergang geweihten schwedischen Hersteller übernahm. 283 Millionen Euro zahlen die Holländer an die Ex-Mutter General Motors (GM). Inzwischen ist die erste Euphorie verflogen, und die Branchenexperten sind sich einig: Das wahre Wunder steht noch aus – dann nämlich, wenn Saab ( 17 -23.94%) trotz des Eigentümerwechsels überlebt. «Es ist ein Glücksspiel», heisst es in der Branche.
Spyker-Chef Victor Muller jedenfalls ist alles andere als bescheiden, wenn er Vergleiche anstellt. Der Manager schaut auf die deutschen Marken Porsche und Audi – und denkt bereits an einen profitablen Massenhersteller. «Wie kann ein kleiner Autohersteller, der in den 80er-Jahren an der Grenze zur Insolvenz stand, heute 100'000 Wagen im Jahr produzieren und grossen Gewinn machen?», fragte Muller vor kurzem. Und: «Wo war Audi vor 10 oder 15 Jahren?»
Seit Jahren ohne Gewinn
Ein Blick auf die Zahlen verrät, dass es noch ein weiter Weg ist von Schweden nach Ingolstadt oder Stuttgart. Spyker ist ein reiner Nischenhersteller. Dass er relativ unbekannt ist, hat seinen Grund: 100 Mitarbeiter produzierten 2009 43 der 200'000 Euro teuren Zweisitzer – seit Jahren ohne Gewinne.
Ähnlich Saab. Der Absatz der schwedischen Marke sank im vergangenen Jahr weltweit von 94'700 Autos auf nur noch 39'900. Von Gewinnen ist auch Saab meilenweit entfernt. Zwei Hinkende also, ein kleiner und ein mittelgrosser. Ergibt dies ein erfolgreiches Autounternehmen? Ein Geschäftsplan liegt zurzeit nicht vor, aber Experten winken jetzt schon ab und rechnen vor, dass ein Autohersteller etwa eine Milliarde Euro investieren muss, um ein komplett neues Serienfahrzeug zu entwickeln. Eine enorme Summe – für Spyker. Und auch für Saab.
Fachleute zweifeln am Modell
«Der Plan von Spyker ist daher abenteuerlich, ich bin da ziemlich sprachlos», sagt der Unternehmensberater Olaf Marx von der Münchner MCGM Management Consulting. «Das Ganze sieht danach aus, als wolle man künftig auf ganz kleiner Basis leben. Das aber ist schwierig.» Horst Wildemann, Ökonom an der Technischen Universität München, sagt: «Ich kann mir das nur so erklären, dass sich Spyker mit Saab eine Marke kaufen will», sagt er. Saab habe eine «ganz besonders treue Klientel», die auch weiterhin auf die alte Marke setze. Allerdings, so Wildemann: «Die kriegen die enormen Kosten nur rein, wenn sie Produktionskooperationen mit anderen grossen Herstellern eingehen.» Und selbst dann müsse die Strategie der «exklusiven Nische» aufgehen.
Spyker muss sich entscheiden: Soll Saab ein Massenhersteller bleiben, oder zieht man sich in eine exklusive Nische zurück? Versucht man die wenigen treuen Kunden zu binden und verkauft sich als eine Art exklusiver Sportwagenbauer für Intellektuelle und Künstler? Dann aber müsste Saab zunächst auf den Kopf gestellt werden, denn noch steckt zu viel von der alten Mutter GM in den Autos – das Ergebnis einer jahrelangen «Opelisierung» der Marke. Dass dies reicht, um gegen die Grossen der Branche anzukommen, ist fraglich. Wahrscheinlich ist dagegen: Die Freude der 3400 Saab-Mitarbeiter kommt zu früh. Spyker wird Saab kräftig schrumpfen – so oder so.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.02.2010, 06:26 Uhr
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3 Kommentare
Als eingefleischter Saab Fahrer tut mir das alles echt weh. Die Marke wird, wie leider so vieles das einmal gut und individuell war, sang- und klanglos untergehen. Das Dümmste was das neue Management nun machen kann, ist, den Deutschen Premiummarken nach zu hecheln. Wir Saab Fahrer wissen warum wir kein Deutsches Auto fahren. Ich werde mich noch lange an meinem 9-3 Viggen freuen! Antworten
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