«Eine deutsch-schweizerische Dauerfehde ist untragbar»

UBS-Chef Axel Weber wehrt sich gegen den Vorwurf, seine Bank leiste Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Schwarzgeldtransaktionen könne er nicht kategorisch ausschliessen. Der Schweiz rät er zur Ruhe.

«Es darf nicht sein, dass es zwischen zwei sich kulturell so nahestehenden Ländern eine Dauerfehde gibt»: Axel Weber.

«Es darf nicht sein, dass es zwischen zwei sich kulturell so nahestehenden Ländern eine Dauerfehde gibt»: Axel Weber. Bild: Keystone

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Lange hatte man warten müssen, bis sich UBS-Chef Axel Weber im Zusammenhang mit den Anschuldigungen der Steuerhinterziehung gegen seine Bank zu Wort meldete. Ende Woche verteidigte er sein Institut dann erstmals gegenüber dem «Handelsblatt». Nun äusserte sich Weber auch in der «SonntagsZeitung» zu möglichen Schwarzgeldtransaktionen nach Singapur: «Wir können Einzelfälle nicht kategorisch ausschliessen.» Würden sich solche bestätigen, werde man fehlbare Mitarbeiter fristlos entlassen, so der UBS-Chef.

Gegen Sigmar Gabriels Vorwurf, Schweizer Banken würden deutschen Bürgern bandenmässig bei der Steuerhinterziehung helfen, wehrt sich Weber vehement: «Der Vorwurf stimmt nicht. Wir tolerieren keine Unterstützung bei Handlungen zur Umgehung von Steuerpflichten, auch nicht in Deutschland.» Er habe null Toleranz für das Hinterziehen von Steuern, so der UBS-Chef gegenüber der Zeitung. «Ich bezahle meine Steuern, bin absolut steuerehrlich sowohl hier in der Schweiz als auch in Deutschland.»

«Jetzt ist Deeskalation geboten»

Generell rät Weber der Schweiz im Streit mit Deutschland zur Ruhe. «Jetzt ist Deeskalation geboten.» Der Nachbarschaftsstreit zwischen der Schweiz und Deutschland müsse gelöst werden: «Eine deutsch-schweizerische Dauerfehde ist untragbar.» Bezüglich Diebstählen von Bankdaten rechnet der UBS-Präsident damit, dass in der Schweiz weiter Bankkundendaten entwendet werden. «Es wird nicht das letzte Mal sein», sagt er gegenüber der «SonntagsZeitung». Der Rechtsdienst der UBS sei mit den Behörden wie auch der Finanzmarktaufsicht in der Schweiz und in Deutschland im Gespräch.

«Dennoch: Wir haben keine Beweise, dass die Vorwürfe von Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans auf uns zutreffen.» Klagen aus Deutschland seien bis jetzt nicht eingetroffen. «Wenn dies der Fall wäre, würden wir uns für alle Abklärungen kooperativ zeigen», so Weber weiter. Einen Grund, Rückstellungen für allfällige Klagen zu bilden, sieht er hingegen nicht.

Mit der Vergangenheit abschliessen

Er sei zuversichtlich, dass das Steuerabkommen trotz der Opposition in Deutschland doch noch ratifiziert werde. Das Abkommen sei für beide Länder die beste Lösung. Ebenso für die Schweizer Banken. «Ich erwarte von Bundeskanzlerin Merkel, dass das Abkommen in allen Teilen Deutschlands konsequent angewendet wird.»

Um in Zukunft nur legale Gelder in der Schweiz verwalten zu können, müsse man die Vergangenheit bewältigen, so Weber. «Das Steuerabkommen biete die Möglichkeit, dieses Kapitel der Vergangenheit abzuschliessen.» (kpn)

(Erstellt: 19.08.2012, 09:54 Uhr)

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