Wirtschaft

«Eine enorm schwierige Lage»

Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 27.01.2010 88 Kommentare

Der Präsident des UBS-Verwaltungsrats will nicht länger mit der Führung der alten UBS verwechselt werden. Die illegale Herausgabe von Kundendaten an die USA lehnt er strikt ab.

Will die alten Zeiten der UBS hinter sich lassen: UBS-Präsident Kaspar Villiger an der letzten GV.

Will die alten Zeiten der UBS hinter sich lassen: UBS-Präsident Kaspar Villiger an der letzten GV.
Bild: Reuters

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Das Verdikt des Bundesverwaltungsgerichtes gegen die Herausgabe von Kundendaten an die USA machte die UBS-Spitze zunächst sprachlos. Sie war vom Entscheid völlig überrascht worden. Die internen Rechtsabklärungen hatten keinerlei Hinweise ergeben, dass ein solcher Fall eintreten könnte. Das mag erklären, weshalb sich die Grossbank seit dem Freitag mit Kommentaren zurückgehalten hat.

Im Gespräch hütet sich Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger auch Tage danach, den Entscheid des Gerichtes direkt zu kritisieren. Er lobt den Bundesrat, dem es gelungen sei, im Konflikt mit den USA in äusserst schwierigen Verhandlungen eine rechtsstaatliche Lösung des Konflikts zu finden.

Dem folgt dann aber der eher bittere Kommentar: «Der Bundesverwaltungsgerichtsentscheid hat diesen Kompromiss zerschlagen und die Schweiz – nicht nur die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) – in eine enorm schwierige Lage versetzt.»

Villiger will für neue UBS stehen

Der auf den Gerichtsentscheid folgenden Forderung verschiedener Politiker, die UBS solle ihr selbst verursachtes Schlamassel auch selber ausbaden, indem sie widerrechtlich Kundendaten an die USA herausgebe, erteilt Villiger eine klare Absage: «Oswald Grübel und ich werden niemals Daten illegal herausgeben. Wir können von den Mitarbeitern nicht die konsequente Einhaltung von Recht fordern, wenn wir selber Recht brechen.» Die Krise sei von Leuten verursacht worden, die nicht mehr bei der UBS sind. Konzernchef Grübel und er stünden für eine neue UBS. «Wir sorgen dafür, dass so etwas nicht mehr geschehen kann. Wir lassen uns aber auch nicht ständig die Fehler unserer Vorgänger vorhalten.»

Villiger scheint es ziemlich satt zu haben, immer wieder für das geradestehen zu müssen, was seine Vorgänger angerichtet haben. Er wisse, «dass die Fehlleistungen der alten UBS bei vielen Menschen mehr als Unmut, ja fast Hass ausgelöst haben». 99 Prozent der Mitarbeitenden würden aber beste Arbeit leisten, und das ganze Topmanagement und der Verwaltungsrat seien ausgewechselt worden. «Es gibt die alte UBS nicht mehr, und doch ist sie für viele Feindbild geblieben. Das ist zwar ungerecht, aber nicht unverständlich.»

Der Bundesrat soll es richten

In der Tat scheint die UBS nicht nur nicht aus ihrer Imagekrise herauszufinden. Sie scheint mehr und mehr an Unterstützung zu verlieren. Nachdem FDP-Nationalrat Philipp Müller im TA vom Montag dazu aufgerufen hatte, den Schwarzen Peter an die UBS zurückzugeben, wurde er mit zustimmenden Reaktionen überschwemmt. «Im Minutentakt erhielt ich Mails – 95 Prozent davon positiv», berichtet Müller. Viele Unternehmer und Gewerbler hätten sich beklagt, sie würden Steuern bezahlen, das Parlament unterstütze aber nur die UBS. Müller fühlt sich bestärkt und wiederholt seine Forderung: «Die UBS soll Verantwortung übernehmen und eine intelligente Lösung bringen.»

«Ohne eine zwischenstaatliche Verständigung gibt es keine Lösung», antwortet Villiger. Er vertritt die Meinung, dass der Bundesrat über das Wie-weiter entscheiden müsse. Die UBS werde die vereinbarten Aufgaben erfüllen und konstruktiv an Lösungen mitarbeiten.

Der UBS-Präsident sehnt sich danach, endlich wieder gleich behandelt zu werden wie andere Banken. Was die UBS auch immer tue – sie werde anders bewertet als andere. Als die Bank schon vor Jahresfrist die Boni drastisch gesenkt und für die Vergütung des Topmanagements ein Bonus-Malus-System eingeführt habe, sei sie «bitter bestraft» worden. Ganze Teams mit Beziehungsnetz und Kunden seien abgeworben worden. Als sie, um im Wettbewerb bestehen zu können, Korrekturen an der Entlöhnung vorgenommen habe, sei ein Aufschrei durch die Medien und die Politik gegangen. Die Leute würden Pfui rufen, ohne sich für die Fakten zu interessieren. «Die Schweiz pflegt jene auszupfeifen, die Verantwortung übernehmen, und jene zu loben, die pfeifen.»

Der Markt ist besser als der Staat

Der ehemalige Bundesrat redet sich auch ins Feuer, wenn er beobachtet, welche Lehren aus der Finanzkrise gezogen werden: «Die massiven Staatsinterventionen haben den fatalen staatlichen Machbarkeitswahn wieder auferstehen lassen.» Die drohende Überregulierung hätten sich zwar Teile der Wirtschaft selbst zuzuschreiben. Dennoch vermag Villiger den sich abzeichnenden neuen Regeln wenig Positives abzugewinnen: «Beamte sind nie klüger als Märkte.» Die ordnende Instanz des Staates sei wohl wichtig, die Unternehmen müssten aber die Leistung erbringen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.01.2010, 09:10 Uhr

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88 Kommentare

Pius Tschirky

27.01.2010, 07:48 Uhr
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Nun haben wieder also viele das Gefühl, man müsste wohl der USA keine Daten vermitteln . Wieder einmal kann man -wie auch in den letzen Jahren schon - Zeit verstreichen lassen und dann einfach abwarten, wie wohl die USA dann reagiert. Man versucht mit allen Mitteln das Bankgeheimnis zu halten. Der Druck der USA und auch gewisser EU-Staaten wird jedoch enorm sein. Antworten


Reto Mayer

27.01.2010, 07:23 Uhr
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"Wir sorgen dafür, dass so etwas nicht mehr geschehen kann. Wir lassen uns aber auch nicht ständig die Fehler unserer Vorgänger vorhalten." Ersteres bleibt zu zeigen (und das Ergebnis glauben wir erst dann, wenn wir es in den nächsten 5 - 10 Jahren sehen!). Und zweiteres - naja, mir kommen gleich die Tränen! War Ihnen das nicht klar, als Sie den Job angenommen haben? Antworten



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