Wirtschaft

Einfache Geschichten mit viel Herzblut

Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 04.02.2011 1 Kommentar

Nadine Borter ist erst 35 und seit gut einem Jahr Inhaberin der Berner Werbeagentur Contexta. Sie plädiert für eine Reduktion aufs Wesentliche – und ist seit gestern Werberin des Jahres.

«Ich mache Dinge, weil sie mir Spass machen»: Nadine Borter mit der Egon-Trophäe für die Werberin des Jahres.

«Ich mache Dinge, weil sie mir Spass machen»: Nadine Borter mit der Egon-Trophäe für die Werberin des Jahres.
Bild: PD

In den TV-Spots für Appenzeller Käse schickt sie den deutschen Schauspieler Uwe Ochsenknecht als Tourist auf eine Alp und lässt ihn über Bankgeheimnis und Käsegeheimnis sinnieren: «Was macht den Appenzeller Käse so einzigartig würzig?» Die Sennen schweigen, das Rezept bleibt geheim.

Für Nadine Borter ist klar: Eine gute Geschichte ist die halbe Miete. Eine solche stecke in jeder Marke, man müsse sie nur finden – und auf das Wesentliche reduzieren. «Aber es braucht Mut, konsequent und einfach zu sein.» Die gebürtige Walliserin liebt einfache Botschaften und spricht gerne in Bildern: «Wenn du einem sieben Bälle zuspielst, fängt er keinen. Spielst du ihm nur einen zu, hat er ihn bestimmt.»

Hartnäckig geblieben

35 Prozent der Leserinnen und Leser des Fachmagazins «Werbewoche» haben ihre Stimme Borter gegeben, ihre (männlichen) Konkurrenten erhielten allerhöchstens 16 Prozent. So deutlich verläuft nicht jede Wahl zum Werber des Jahres. Doch Nadine Borter hat nicht nur kreative Kampagnen geboren, sie hat geschafft, was gerade in der Werbebranche selten ist: eine gelungene Nachfolgeregelung in einer 42 Jahre alten, von den Inhabern geführten Agentur. Die Powerfrau ist nun Chefin über 60 Leute.

«Die Übernahme von Contexta vor eineinhalb Jahren war für mich ein persönlicher Meilenstein», sagt Borter. Die Agentur zu führen, in der sie vor 16 Jahren als Junior-Werbeassistentin angefangen habe, sei schon sehr speziell. Nach Abschluss der Handelsmittelschule hatte ihr ein einwöchiges Schnuppern auf der Agentur so gut gefallen, dass sie unbedingt dort arbeiten wollte. Bis es so weit war, blieb sie hartnäckig und rief sich immer wieder in Erinnerung. Dass sie als Schwimmerin im Nationalkader Erfahrung als Einzelkämpferin hatte, war sicher von Vorteil. Borter spricht von einer intrinsischen Motivation. «Ich mache Dinge, weil sie mir Spass machen, weil es meinem inneren Antrieb entspricht – damals im Sport, jetzt als Unternehmerin.»

Eine toughe Motivatorin

Wer mit ihr gearbeitet hat, anerkennt als Erstes ihr enormes Fachwissen und ihre Fähigkeit, die Leute zu motivieren. Borter sei auch als Chefin sympathisch und führe gut über alle Einheiten hinweg. Dennoch sei sie tough, muss ein Auftrag fertig sein, kennt sie kein Pardon – allerdings auch gegen sich selbst. Selbst spricht Borter von Disziplin und Leidenschaft. Mit den beiden gegensätzlichen Begriffen trifft sie wohl den Nagel auf den Kopf. Von nichts kommt nichts.

Obschon sie als Inhaberin nicht um Führungs- und Administrativjobs herumkommt, ist sie voll im Tagesgeschäft dabei. «Ich bin eine Herzblutwerberin. Konzeptionelles und komplexe Fragestellungen interessieren mich einfach.»

Zur Kampagne des Jahres wurde jene des Telecomanbieters Sunrise, welche die minimalen Inhalte von SMS-Botschaften auf liebevolle Weise zum Thema macht. In Sprechblasen werden SMS-Dialoge gezeigt, wie man sie halt so führt, wenn SMS nichts mehr kosten. Es wird viel geschrieben, aber wenig gesagt. Gestaltet hat die Kampagne die Agentur Spillmann Felser Leo Burnett, verantwortlich dafür war Kreativdirektor Peter Brönnimann – einer der Männer, die Nadine Borter unterlagen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.02.2011, 21:13 Uhr

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1 Kommentar

Markus Kocher

04.02.2011, 11:06 Uhr
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Ja, die Botschaft beim Appenzeller-Käse kommt rüber. Nur: Diese macht ihn zum unsympatischsten Käse überhaupt! m.M.nach wurde das Ziel verfehlt (Ich will gar nicht so genau wissen, wie die drei Opas den Käse so stinkig hinbekommen haben....). Und wenn man als einzige Frau zwischen x-Männern aufgestellt wird, ist das Gewinnen schon vorprogrammiert. Finden Sie nicht auch? Antworten



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