Wirtschaft
Englische Topbanker entschuldigen sich für Krise: «Wir haben viel Geld vernichtet»
Von Marc Brupbacher. Aktualisiert am 10.02.2009 8 Kommentare
Es tut uns leid: Lord Stevenson, Andy Hornby, Sir Fred Goodwin and Sir Tom McKillop, von links nach rechts (Quelle: Reuters).
Sir Fred Goodwin, Ex-Chef der Royal Bank of Scotland (RBS), welche jetzt zu 70 Prozent dem Staat gehört, entschuldigt sich in einer parlamentarischen Anhörung für «all das Leid, das verursacht wurde». Der Banker betont aber auch, dass er selber ebenfalls Millionen verloren habe und den Kollaps der Kreditmärkte in diesem Ausmass nicht habe voraussehen können.
Auch Andy Hornby, früherer Chef bei HBOS, entschuldigt sich für die Ereignisse, welche zur Übernahme seiner Bank durch Lloyds TSB geführt haben. Er hält allerdings auch fest, dass er nicht persönlich für die Krise verantwortlich gemacht werden könne.
«Sehr viel Geld vernichtet»
Lord Dennis Stevenson, ehemaliger HBOS-Vorstandschef, fügt hinzu: «Wir haben sehr viel Geld vernichtet, das tut uns sehr leid». «Bei unseren Arbeitskollegen aber auch bei den Kunden hat grosse Angst und Unsicherheit geherrscht. Für das möchte ich mich ebenfalls entschuldigen». «Wir bedauern die Wende der Ereignisse zutiefst, und ich möchte sagen, ohne jede Einschränkung», erklärt er bei einer Anhörung vor dem Finanzausschusses in London.
Änderung der Prämienzahlungen
Alle Banker sind sich einig: Es braucht ein neues System, was die Boni betrifft. «Es gibt keinen Zweifel, dass die Systeme der Prämienvergütung bei vielen Banken auf der Welt in den letzten 24 Monate falsch waren», sagt Sir Fred Goodwin. Er selber akzeptiert seine Verantwortlichkeit und bestätigt, dass er letztes Jahr keinen Bonus erhalten habe.
Hornby sprach sich für eine Änderung der Prämienzahlung aus. Die Boni sollten sich an der mittelfristigen Entwicklung der Bankenaktien richten. Vor dem Parlamentsgebäude protestierten Bankbeschäftigte für die volle Auszahlung ihrer Prämien für 2008. Premierminister Gordon Brown hatte sie zuvor zum Verzicht aufgerufen.
Die Ex-Manager und Abgeordneten wurden auf dem Weg zur Befragung vor dem Gebäude von einer Gewerkschaftsdemonstration empfangen. «Erinnern Sie sich an uns?», hiess es auf ihren Plakaten. «Sie haben unsere Arbeitsplätze aufs Spiel gesetzt».
Im Ausschuss herrschte dichtes Gedränge. Viele Zuhörer mussten stehen.
Anfang Oktober hatte die Regierung mehrere Banken mit einer Finanzspritze über 37 Milliarden Pfund vor dem Kollaps gerettet. Die drei Banken RBS und Lloyds TSB sowie HBOS wurden dabei teilverstaatlicht. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.02.2009, 16:37 Uhr
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8 Kommentare
Die Engländer als alteingesessene Gentlemen wagen den Schritt an die Oeffentlichkeit um sich zu entschuldigen. Barack Obama meldet sich über seinen Fehltritt Tom Daschle als Gesundheitsminister zu nominieren mit einem offiziellen "I screwed up things" . Was dürfen wir Geschädigte von den Schweizer Bankern erwarten? Antworten
Was Schweizer von den 'United Bandits of Switzerland' den grössten Finanz-Mafiosis der Welt erwarten dürfen? Tja: was wohl kann man schon von Mafiosis erwarten... ausser ne Kugel in den Rücken! Aber seit weiterhin so nett mit diesen Gaunern und Ihr Schweizer werdet euch noch leidenschaftslos und vor allem unaufgeregt über mehr als nur den Totalverlust von etwas mehr als 70 Milliarden wundern... Antworten
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