Wirtschaft
«Es fliesst viel Champagner, und manche greifen zu Kokain»
Interview: Michel Wenzler. Aktualisiert am 16.09.2011 86 Kommentare
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Jürgen Krönig.
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Jürgen Krönig berichtet aus Grossbritannien und Irland als freier Journalist u. a. für die «Zeit» und die «SonntagsZeitung». Zuvor war er Korrespondent für die ARD und den Deutschlandfunk in London.
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Der neue Fall UBS,
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bei dem offenbar ein einziger Händler zwei Milliarden Dollar verzockte, sorgte in der Schweiz für viel Aufregung. Wie kam er in der Londoner Bankenwelt an?
Die interessanteste Reaktion kam von Nick Leeson, der in den 90er-Jahren die britische Barings Bank auf ähnliche Weise um Milliarden brachte und sechseinhalb Jahre im Gefängnis sass. Leeson glaubt, diese Art des riskanten Tradings komme auch heute noch häufiger vor, als man denke. Denn die Kontrollsysteme der Banken seien nach wie vor ungenügend. Häufig führt dies aber nicht unmittelbar zu einer Katastrophe. Wenn die Trader Risiken eingehen, muss nicht gleich alles schiefgehen. Oft können sie den Kopf noch rechtzeitig aus der Schlinge ziehen.
Man hat den Eindruck, die Händler würden bei ihrer Arbeit total das Augenmass verlieren. Wie kommt es so weit?
Man muss sich vergegenwärtigen, was die Händler tun und wie sie bezahlt sind. Ihre Boni sind höher, wenn ihre Gewinne gross ausfallen. Also beobachten sie die kleinsten Fluktuationen in den Aktienmärkten und kaufen und verkaufen mit dem Geld der Bank. Und wenn etwas schiefgeht, ist die Versuchung gross, noch riskantere Geschäfte zu tätigen, um den Verlust wettzumachen.
Was viele erstaunt: Der Händler Kweku Adoboli, der unter Verdacht steht, ist verhältnismässig jung. Ist das üblich in der Londoner Bankenwelt?
Das ist völlig normal. 31 Jahre sind für die Londoner Bankenwelt kein junges Alter. In Grossbritannien schliessen die Leute ihr Studium früher ab als in der Schweiz, und sie treten daher früher ins Arbeitsleben ein.
Dennoch: Wieso legen die Banken die Verantwortung nicht in die Hände gestandener Banker, die 15 Jahre oder mehr Berufserfahrung haben?
Zum einen muss man sagen: Alter schützt vor Torheit nicht. Zudem verlangt der Beruf des Traders offenbar eine robuste, jugendliche Reaktionskreatur. Der smarte Yuppie-Banker ist schnell und versteht es, sofort auf Entwicklungen zu reagieren und mit Computern umzugehen. Das sind alles Anforderungen, die wir eher mit jüngeren Menschen assoziieren. Ältere Semester haben mitten in den flimmernden Geräuschkulissen der Trading-Rooms eher Mühe.
In der britischen Presse liest man von wilden Partys und einem Leben in Saus und Braus, das der fehlbare Händler Kweku Adoboli geführt haben soll. Ist dies sinnbildlich für die Londoner Bankenwelt oder letztlich doch nur ein Klischee?
Es ist zwar ein Klischee, aber auch nicht ganz realitätsfremd. Die Händler sind tagsüber gestresst und angespannt, sie tätigen riskante Transaktionen und riskieren dabei oft ihre Karriere. Deshalb brauchen sie einen Ausgleich. Da Geld vorhanden ist, fliesst viel Champagner. Und manche greifen zu Kokain. Viele der Spekulationen und riskanten Geschäfte der letzten zwanzig Jahre wurden überhaupt erst durch Kokain ermöglicht. Es verleiht den Tradern des Gefühl der intellektuellen Schärfe. Damit will ich aber nicht sagen, dass Kweku Adoboli Kokain nahm – aber der Typ Händler, wie ich ihn beschrieben habe, ist weitverbreitet.
Auch Adobolis Adresse nährt das Klischee: Er wohnt im exklusiven Londoner Stadtteil Spitalfields.
Das Quartier befindet sich am Rande der City. Dort finden sich elegante Luxuswohnungen, für die man unglaublich hohe Mieten zahlt. Irgendwie passt alles zusammen: Es ist wie ein Klischee, das zur Realität wird. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.09.2011, 19:14 Uhr
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86 Kommentare
Diese Finanzjonglleure leben alle auf der Überholspur bis es knallt. Anstelle von teuren Managementkursen sollten sie zusammen mit ihren Oberbossen pro Jahr mindestens einen Monat auf einer Alp Kühe pflegen und hüten müssen damit ihnen die Flausen aus dem Kopf getrieben werden. Buttermilch und Käse vernebelt zudem das Hirn viel weniger als Champagner und Kokain. Antworten
Sie treiben die Mieten in exorbitante Höhen (weil Vermieter eben nicht weniger gierig und skrupellos sind wie Banker), sie ruinieren ganze Firmen, Pensionskassen, ganze Länder, sogar die Weltwirtschaft. Und dennoch wollen alle sogenannt bürgerlichen Politiker nichts tun, um das zu vermeiden. Alles was geplant ist, ist löcherig wie ein Emmentalerkäse. Und Milliardäre wollen in den Ständerat... Antworten
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